Schafzüchter und Landwirte fühlen sich nicht ausreichend betreut und unterstützt vom Land. Umweltministerin NRW Ursula Heinen Esser diskutierte am Donnerstagabend in Gahlen

Gahlen. Es solle endlich von der Regierung mal „Butter bei die Fische“ gemacht werden. Eine praxisnahe Zusammenarbeit zwischen Regierung, Landwirten und Schafzüchtern und, dass die Theorie nicht an die Praxis, sondern umgekehrt angepasst werde“, forderte ein erzürnter Schafhalter.

Wolf in NRW
Diskussionsteilnehmer v. l.: Alfred Nimphius Vorsitzender der Kreis Jägerschaft Wesel, Steffi Sakowski von WikiWolves und betroffene Schafzüchterin Christiane Rittmann aus Gahlen sowie die Umweltministerin NRW Ursula Heinen-Esser

Das war der Tenor am Donnerstagabend bei der Diskussionsrunde in Gahlen mit rund 200 Besuchern, zu dem Radio 5 unter dem Motto zum Thema „Wölfe in NRW: eine Gefahr oder Bereicherung“.

Podiumsgäste waren neben Umweltministerin NRW Ursula Heinen-Esser, Alfred Nimphius Vorsitzender der Kreis Jägerschaft Wesel, Steffi Sakowski von WikiWolves und betroffenen Schafzüchterin Christiane Rittmann aus Gahlen.

Schafzüchter aus Hünxe Kurt Opriel
Betroffener Schafzüchter aus Hünxe Kurt Opriel

Kann das Elend nicht mehr sehen

Seit Oktober 2018 ist der Kreis Wesel als offizielles Wolfsland ausgewiesen. Nachdem es längere Zeit still war um den Wolf, hat er in der vergangenen Woche innerhalb kurzer Zeit mehrere Schafe auf der Weide von Kurt Opriel in Hünxe gerissen. Seine Wiese sei, wie er sagt, ausreichend mit einem 1,06 Meter hohen Elektrozaun geschützt. „Ich kann das Elend nicht mehr sehen und wir sind uns keiner Schuld bewusst, dass wir falsch was gemacht haben“, so Opriel.

Enge Bindung zu den Tieren

Für ihn bedeuten die Verluste nicht nur einen wirtschaftlichen Schaden, sondern er habe auch eine persönliche Bindung zu den Tieren. Bedeutet, nicht nur wirtschaftlichen Schaden. „Klar, hat man auch eine persönliche Bindung zu den Tieren und ist nach solch einem Vorfall sehr traurig. Mein Sohn und ich haben ein totes Schaf mit der Flasche großgezogen und durch den Wolf verloren.“, so Opriel

Alleine im Kreis Wesel gibt es rund 400 Schafhalter, mehr als woanders in der Region. Diese sagen: So kann es nicht weitergehen“

Christiane Rittman aus Gahlen und Heinen-EsserWolf in NRW
Christiane Rittmann aus Gahlen (l.).

Enormer Mehrwand an Arbeit

Für die Gahlenerin Schafzüchterin Christiane Rittmann bedeutet die Anwesenheit von Gloria ein großer Mehraufwand an Arbeit.  „Es ist ein enormer Aufwand den wir betreiben müssen, um alles wolfsicher zu machen. Das ist einfach viel zu hoch. Sonst haben wir nur nach dem Zaun geschaut, ob er dicht ist. Heute muss er mehrmals freigeschnitten werden. Es müssen die Netze ständig kontrolliert werden. Die Mehrarbeit zermürbt und für mich ist es kein Hobby mehr, sondern richtige Arbeit. Viele Menschen besitzen auch Tiere, Hunde, Katzen, haben aber nicht diesen enormen Arbeitsaufwand wie ich ihn mit meinen Schafen haben, nur um diese vor einem einzigen Wolf schützen zu müssen“, so Rittmann

1 Mio. Euro für zwei Wolfsgebiete

„Was wird von uns konkret verlangt? Wie geht es weiter? Müssen wir den Wolf hier entnehmen oder ist es ein Wolf, dem wir mit Präventionsmaßnahmen entgegenkommen?“, so Heinen-Esser. Sie sehe hier nicht, dass es der Lupus im Kreis Wesel ein verhaltensauffälliger Wolf sei. Für Heinen-Esser sei es, jedoch wichtig zu erfahren, was die Regierung machen könne und was die Tierhalter konkret fordern.

Wölfin Gloria im Kreis Wesel

Geld in Höhe von 1 Mio. Euro für zwei Wolfsgebiete seien im Haushalt bereitgestellt. „Wir stehen vor einer gewaltigen Herausforderung. Wir müssen den Zielkonflikt zwischen der Bevölkerung, den Weidetierhaltern und dem Wolf, der in Europa streng geschützt ist, lösen“. Dies bedeute, dass Veränderungen herbeigeführt werden müssen, die der Bevölkerung und den Weidetierhaltern Sicherheiten geben, um sich vor dem Wolf zu schützen.

Wechselwirkung des Wildes eingeschränkt

Aus der Massentierhaltung raus, jetzt wieder zurück in den Stall. So sehe es aus, wenn wir noch mehr und höhere Zäune bauen müssen, sagte Alfred Nimphius „Wir können nicht ganze Landstriche einzäunen. Dadurch wird die Wechselwirkung des Wildes eingeschränkt“. Nimphius betonte, dass zwar das naheliegendes für ein Wolfsrudel sei, Wildtiere zu jagen, für einen einzelnen Wolf sei dies aber nahezu unmöglich ein Rotwild zu schlagen, es sei denn, es ist ein Rehkitz. „Deshalb nimmt der Wolf lieber die Tiere, die auf der Weide gehalten werden oder Rehkitze im Wald. Die haben wir in diesem Jahr deshalb kaum noch gesichtet“. Und klar, habe der Wolf eine Daseinsberechtigung, deshalb brauchen wir aber nicht dringend ein Wolfsrudel, fügte Nimphius hinzu.

Wolf im kreis Wesel
Besucherin mit einem Pyrenäenberghund

Ab wann ein Problemwolf?

Als Problemwolf bezeichnete Heinen-Esser einen Wolf, der einen Zaun von 1,20 Meter, der voll unter Strom stehe, regelmäßig überspringt. Dazu gebe es klare Kriterien, die am Freitag im Bundestag von den Ländern verabschiedet werden sollen. Hier befassen sich die Bundesländer mit den Vorschlägen des Bundes zur Klarstellung im Bundesnaturschutzgesetzt, wann ein Wolf tatsächlich verhaltensauffällig ist, damit die Bejagung auch stattfinden kann, aber es muss Kriterien geben, anhand derer gemessen wird: handelt es sich hierbei um einen tatsächlichen verhaltensauffälligen Wolf, oder nicht!

Darüber hinaus sei ein Wolf dann verhaltensauffällig, wenn er vor Menschen keine Angst habe und sich ihnen nähere. Dazu gehöre allerdings nicht, wenn er in der Nähe von Wohnhäusern auftauche.

Heinen-Esser im Gespräche nach der Diskussion mit Gästen

Weideprämie für Tierhalter

Ebenfalls soll im Bundesrat über die Wiedereinführung einer Weideprämie für Tierhalter beraten werden.

„Der Wolf hat in unserer Gesellschaft keinen Platz“, so ein Zuhörer. Er sei nur etwas für Menschen mit einer unglücklichen Beziehung zur Romantik. Er sehe hier auch keinen verhaltensauffälligen, sondern einen hungrigen Wolf, der Hunger hat und fressen will.

Mit Blick auf die Fördergelder fragte ein Zuhörer, dass die Regierung zwar viel Geld bereitgestellt habe, wollte aber wissen, ob dies auch ausgezahlt werde? Er habe schon vor Monaten einen Antrag gestellt, der bis heute offen sei. Ebenfalls unklar sei seine Situation, wenn sein Rotwild über einen Zaun springe und auf der Flucht vor dem Wolf größeren Schaden anrichte. „Wie bin ich dann abgesichert? Dazu Heinen-Esser: „Natürlich sei er abgesichert, aber es handelt sich hier um Steuergelder und damit ist die Sache immer etwas komplizierter“. Sie versprach, sich in diesem Fall persönlich anzunehmen.

Heinen-Esser im Gespräche nach der Diskussion mit Gästen

Weidetierhaltung langfristig einstellen

Ein Milchbauer bekundete Betroffenheit mit Blick auf seine Weidetiere mit einem sieben Kilometer Zaun stehen. „Wir werden im Moment nicht gefördert und es sieht auch zukünftig nicht danach aus. Für den Niederrhein bedeute das, dass die Weidetierhaltung langfristig eingestellt werde. Er habe große Zweifel daran, wenn ganze Landstriche eingezäunt werden, dass der Wolf die Artenvielfalt erhöhe. „Bisher kann Wild unsere Wiesen durchqueren. Ich glaube aber nicht, wenn wir den ganzen Niederrhein einzäunen, dass es dann noch möglich ist. Deshalb frage ich, ob nun der Wolf wichtiger ist, oder die anderen Tiere, die wir auf den Wiesen haben“?  

Petra Bosse

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