Zirkus in siebter Generation steht vor dem Aus – Artisten von Circus Busch sind in Schermbeck gestrandet

Schermbeck. Seit Mai stehen Hardy Scholl und seine Familie mit dem Circus Busch auf dem Gelände von Rademacher an der Weseler Straße. Jetzt hofft der Zirkusdirektor auf Unterstützung seitens der Bevölkerung

Das sei ein reiner Zufall gewesen, denn kurz zuvor waren sie noch in Gladbeck stationiert. Dort habe es ihnen aber nicht gefallen. Die Platzmiete sei zu hoch gewesen und die Stadt sei ihnen nicht dabei entgegengekommen. Und so machten sie sich erneut auf den Weg und entdeckt die Wiese an der B 58 und Rademacher.

Eigentlich hätten sie, wie der Zirkusdirektor sagt, in diesem Jahr rund 60 Städte quer durch Deutschland besucht. 18 Frauen, Männer und Kinder erleben eine ungewohnte Situation. „So lange war ich noch nie an einem Ort“, sagt der 57-Jährige, der nach einem schweren Unfall am Hochtrapez selbst nicht mehr in der Manage aktiv ist.

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Gestrandet in einer Werkshalle in Schermbeck: Zirkusdirektor Hardy Scholl, Natascha Frank und Harald Kuchenbecker. Foto: Petra Bosse

Zelt auf- und Zelt wieder abbauen. Das ist das Leben der Artisten Busch, die mittlerweile in siebter Generation die Menschen mit ihren Shows begeistern.

Schermbeck ist Glückstreffer für den Circus Busch

Nun stehen die 20 Wagen still. Sie sind alle abgemeldet. „Wir sind kein kleiner Zirkus und die jetzige Situation ist für uns völlig neu. Darauf waren wir nicht vorbereitet“, erklärt Scholl. Er sieht aktuell kein „Land in Sicht“, besonders was seine 50 Tiere anbelangt. Kamele, Pferde, Ziegen, Hunde und Esel stehen alle in Kalkar „Wunderland“. Dort betreuen und füttern zwei Familienmitglieder die Tiere.

Zirkus-Busch
LKWs brauchen eine neue Lackierung.

Ein finanzielles Desaster sei das alles, so Scholl, der auf der einen Seite seine Depressionen nicht mehr geheim halten kann, gleichzeitig aber glücklich darüber ist, dass er seinen Zwangsaufenthalt in der Gemeinde Schermbeck erleben darf.

„Das ist für uns ein Glückstreffer. Die Menschen im Amt sind sehr nett und auch die Familie Rademacher, die uns hier kostenlos ihre Hallen nutzen lässt, sind eine große Hilfe für uns“. Scholl macht sich für die jetzige Situation, in der seine Kinder, Frau und Angestellten sich befinden, persönlich verantwortlich. „Als Oberhaupt denke ich, dass ich versagt habe“.

150 Euro Futterkosten täglich

Mittlerweile sei die finanzielle Situation mehr als angespannt. Die Familie bezieht derzeit Arbeitslosengeld II. Das reiche vorne und hinten nicht, gesteht der Zirkusdirektor. Alles Ersparte sei aufgebraucht. Der größte Kostenfaktor sei das Futter für die Tiere von circa 150 Euro pro Tag, sowie die täglichen Fahrtkosten von Schermbeck nach Kalkar, um die Heuballen dort anzuliefern.

Artistik liegt zur Zeit bei Busch brach.

Um Spenden betteln, dass möchte Hardy Scholl nicht. Die stolze Artistengeneration komme hier wohl noch durch, fügt Scholl hinzu. Jedoch werden auch sie nicht daran vorbei kommen. „Wir brauchen dringend Hilfe, denn wir sind komplett am Ende“, gesteht der ehemalige Luftartist. Im Blick habe er aktuell seine Tiere. Er befürchtet, dass, wenn jetzt keine schnelle Hilfe kommt, er diese alle verkaufen muss.

Supertalent 2016

Über Langeweile in den vergangenen Jahren kann sich Scholl mit seinen Söhnen Luca, Alfred, Mike und René nicht beklagen. Die Söhne machten sich 2016 einen Namen bei Supertalent mit ihren Saltos auf dem Trampolin und landeten sogar auf Platz zwei. In der Weihnachtszeit gehörte der Zirkus zum festen Programm unter anderem in Remscheid als Weihnachtszirkus. Obwohl der Zirkus Busch die Jahre über gut ausgelastet gewesen sei, habe sich hier viel geändert. „Zirkusleben wird immer schwieriger“, so Alfred Busch. Volle Zelte sind ehe selten. Das alles sei längst nicht mehr so wie früher.

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Um nicht „einzurosten“ und sich fit zu halten, trainieren die Söhne täglich zwei Stunden in der Halle. Dort haben sie für ihre Übungen ein Trampolin aufgebaut. Ansonsten beschäftigen sie sich mit der Wartung ihrer Fahrzeuge. Alle brauchen eine neue Lackierung. Völliges Neuland sei das, sagt der 20-jährige Alfred Scholl.

Wer unterstützt den Zirkus?

Trotz der Nebenbeschäftigungen kommt das Familienoberhaupt aus dem Grübeln nicht heraus. Für ihn sei nur wichtig, wie er seine Tiere in den nächsten Wochen ernähren kann, um diese nicht verkaufen zu müssen.

Er hofft gleichzeitig auf Unterstützung von Seiten der Bevölkerung und der Landwirte. „Vielleicht ist ja der eine oder andere bereit, Heuballen für unsere Tiere zu spenden“.

Wer den Zirkus Busch in irgendeiner Form unterstützen möchte, kann sich telefonisch melden unter der Handy-Nr: 0177 284 7001 oder Tierfutter direkt an der Weseler Straße 36/38 im hinteren Bereich von Rademacher liefern.

Petra Bosse

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