Pressemitteilung der Bürgerinitiative „Zwei Grundschulen für Schermbeck“

Umfrage zur Schulpolitik – Grundschulstandorte: Mehrheit stimmt bei Facebook für Erhalt beider Schulen

In der laufenden Debatte um die beiden Schermbecker Grundschulen zeigt die Umfrage in der Facebook-Gruppe „Du bist echter Schermbecker, wenn …“ eine klare Tendenz: Mit rund 82 Prozent spricht sich die Mehrheit der Teilnehmer der Umfrage für den Erhalt beider Grundschulen aus.

Der von der Schermbecker Verwaltung favorisierte Abriss beider Schulen und ein Neubau außerhalb des Ortskerns wird von nur 8 Prozent der Umfrageteilnehmer unterstützt.

Wiederum 10 Prozent können sich vorstellen, dass beide Grundschulen an einem der bisherigen Standorte fusionieren.

Umfrage zwei Grundchulen Schermbeck
83 Prozent der Teilnehmer einer Schermbecker Facebook-Umfrage sprechen sich für den Erhalt beider Grundschulstandorte aus.

„Das Ergebnis hat mich in dieser Deutlichkeit sehr überrascht“, meint Thomas Bolte, Initiator der Umfrage und Administrator der Facebookgruppe, die mehr als 2.500 Schermbecker Mitglieder zählt. „Mich hat interessiert, wie die Schermbecker zu den Plänen der Verwaltung und zur Diskussion um die Schulstandorte stehen. Natürlich ist die Umfrage nicht so repräsentativ wie etwa ein Bürgerentscheid, aber sie zeigt trotzdem einen klaren Meinungstrend: Die Schermbecker möchten ihre traditionsreichen Grundschulen nicht abreißen lassen. Daran hat auch die Präsentation der sogenannten Machbarkeitsstudie nichts geändert.“

Bestandsgebäude sanieren und modernisieren

Die Mehrheit der insgesamt 220 Umfrageteilnehmer sehe nicht, warum Schermbeck für eine neue Mega-Schule außerhalb des Ortskerns Steuergelder in Höhe von 20 bis 30 Mio. Euro investieren solle. „Sinnvoller und nachhaltiger erscheint ihnen der Erhalt der werthaltigen Gebäudesubstanz der beiden bestehenden Schulen durch Sanierungen und Modernisierungen“, so Bolte.

Selbst der Autor der Machbarkeitsstudie, Architekt Markus Rathke, sieht beide Bestandsgebäude in einem „guten Zustand“. Insbesondere die ehemalige Maximilian-Kolbe-Schule wurde vor wenigen Jahren mit Fördermitteln energetisch aufgewertet, die Toilettenräume komplett saniert.

Die meisten Räume sind ebenerdig und barrierefrei erreichbar. Die noch gar nicht so alte Turnhalle verfügt sogar über eine Solaranlage. Ein Gebäudeteil für zusätzliche Klassenräume wurde 1998 eingeweiht, ein Gebäude für die Offene Ganztagsschule (OGS) sogar erst 2010. Für Erweiterungen und Anbauten, um etwa einem steigenden Bedarf bei der Offenen Ganztagsschule zu begegnen, ist auf dem Gelände ausreichend Platz.

Umfrage zwei Grundchulen Schermbeck
Einen Abriss der teilweise erst wenige Jahre alten Gebäudeteile der ehemaligen Maximilian-Kolbe-Schule halten die meisten Schermbecker für nicht angebracht. Foto: privat

Renommierte Schulplaner bleiben ungehört

Im aktuellen Schulentwicklungsplan (SEP) für Schermbeck heißt es sogar, dass beide Schulen bis über 2030 hinaus über ausreichend Räume für neue pädagogische Arbeitsformen oder für eine deutliche Zunahme an OGS-Plätzen verfügen.

Die Anpassung dieser Räume sei „teuren Zubauten und dem Invest in neue Flächen vorzuziehen“, schreiben die renommierten Schulplaner von biregio, die seit Jahren die Schulentwicklung in Schermbeck begleiten und die Räumlichkeiten gut kennen. Und weiter: „Das bedeutet, dass auch bei einer deutlichen Zunahme nach OGS-Plätzen in den beiden Grundschulen, diese den Bedarf aus dem Bestand bereitstellen können …“

Leider findet der zuletzt 2018 aktualisierte Schulentwicklungsplan in der laufenden Diskussion offenbar kaum Beachtung. Stattdessen wurde ein Architekturbüro ohne Expertise im Schulsektor mit der viel kritisierten Machbarkeitsstudie beauftragt.

SEP zeigt stabile Schülerzahlen

Noch 2018 wurden als Hauptargument für eine Zusammenlegung beider Grundschulen von der Verwaltung sinkende Schülerzahlen genannt. Unter 80 Schüler würden die Anmeldezahlen fallen, deshalb müsse man handeln und eine Verbundschule gründen. Die bisherige Schulleiterin der Maximilian-Kolbe-Schule suchte angesichts dieser Perspektive das Weite, die Politik folgte willfährig der Argumentation sinkender Schülerzahlen: Im Herbst 2018 beschloss der Rat die in diesem Jahr umgesetzte Gründung einer Verbundschule mit Hauptstandort (Gemeinschaftsgrundschule) und katholischem Teilstandort (MKS).

Doch statt wie in der Prognose zu sinken, stiegen die Anmeldezahlen für das jetzt angelaufene Schuljahr auf 104 – immerhin 24 Schüler mehr als geschätzt. Überhaupt kann sich Schermbeck nicht über nachlassende Geburtenzahlen beklagen, sogar ein neuer Kindergarten ist derzeit in Planung, das Jugendamt Wesel stellt sich offenbar auf weiter steigende Geburtenzahlen in Schermbeck ein.  

Steigende Geburtenzahlen? Die Entwicklung deckt sich mit den Prognosen aus dem Schulentwicklungsplan (SEP): Die Schülerzahlen in Schermbeck sinken nicht, sie schwanken von Jahr zu Jahr ein wenig, bleiben aber langfristig stabil auf dem seit einigen Jahren erreichten Niveau. Oder steigen sogar leicht wie derzeit.

Einfache Nachrüstungen für neue Herausforderungen

Beide Schulen lassen sich mit einfachen Mitteln wie WLAN-Hotspots „digitalisieren“. „Für die Nutzung von Tablets oder Smartboards braucht es wohl kaum ein neues Gebäude. Mal abgesehen davon, dass zahlreiche führende Pädagogen von einem übermäßigen Einsatz neuer Medien in den ersten Schuljahren abraten“, so Bolte. Um Inklusion in allen Räumlichkeiten ermöglichen, seien an den Bestandsgebäuden überschaubare Nachrüstungen – etwa von außen angebrachte Aufzüge und Rampen – umsetzbar.

Die für viele Lehrer nervige Pendelei zwischen beiden Grundschulstandorten, wenn beispielsweise im Krankheitsfall Vertretungen notwendig seien, lasse sich mit der Anschaffung von Elektrorollern entschärfen. Zu überwinden sei lediglich eine Entfernung von 750 Metern, die sich sogar zu Fuß innerhalb von rund sieben Minuten bewerkstelligen lasse. Um Pkw-Verkehr zu vermeiden, seien sogenannte E-Scooter möglicherweise eine gute Lösung.

Optimale Lage nicht aufgeben

„Insbesondere die ehemalige Maximilian-Kolbe-Schule hat eine ideale Lage im Ortskern. Schüler können sie aus allen Himmelsrichtungen über sichere, im Winter sogar beleuchtete Fuß- und Fahrradwege in kurzer Zeit erreichen“, so Bolte. „Es ist in der Machbarkeitsstudie nicht nachvollziehbar dargelegt, warum eine Lage außerhalb des Ortskerns Vorteile bringen soll. Allein aus Nachhaltigkeitssicht ist der dann erhöhte Bring- und Abholverkehr kritisch zu sehen.“

Kleine Kinder, kleine Schulen

Es gibt unzählige, groß angelegte Untersuchungen und Studien in der internationalen Bildungssoziologie, die mehrheitlich zu dem gleichen Ergebnis kommen: Insbesondere Grundschüler lernen an kleinen, übersichtlichen Schulen besser als an größeren Schulen. „Ab einer Gesamtschülerzahl von 350 nehmen Leistungen und Zufriedenheit der Schüler laut der Studien ab. Kleinere Grundschulen sind mit Blick auf die Studienergebnisse also kein reiner Luxus, sondern verbessern erheblich die Bildungschancen und somit die Standortqualität einer Kommune“, erklärt Bolte.

Leider berücksichtige die Machbarkeitsstudie diesen Aspekt überhaupt nicht. „Die Ergebnisse der soziologischen Forschung der vergangenen 20 Jahre sind aber sicherlich belastbarer als die Empfehlung eines Architekten, der zudem bislang auf keine überzeugenden Referenzen in der Schulplanung verweisen kann.“ Es sei zu hoffen, dass die Politik in Schermbeck einen vernünftigen Abwägungsprozess führe und nicht die Meinung der Bürger Schermbecks ignoriere. „Gerade mit Blick auf die Wahlen 2020 sollten die Ratsmitglieder die Bedenken ernst nehmen und nicht weiteren Politikfrust schüren.“

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celawie
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