Evangelische Kirchengemeinde Gahlen gratulierte den Konfirmanden der Jahre 1954 und 1959

Mit einem Gottesdienst, der vom Pfarrer Christian Hilbricht in der Gahlener Dorfkirche gestaltet und vom Kirchenchor der Evangelischen Kirchengemeinde Gahlen musikalisch untermalt wurde, begann die Doppelfeier der eisernen und diamantenen Konfirmanden.

62 Jungen und Mädchen aus beiden Pfarrbezirken wurden am Palmsonntag des Jahres 1954 (11. April) von Pastor Friedrich August Borgards konfirmiert. Derselbe Pfarrer leitete am 15. März 1959 (Sonntag Judika) die Konfirmation von 31 Jungen und Mädchen. Zur jetzigen Jubiläumsfeier kamen auch ehemalige Konfirmanden auswärtiger Kirchengemeinden.

Mit Pfarrer Christian Hilbricht (l.) feierten die Konfirmanden der Jahre 1954 und 1959 das Fest ihrer eisernen und diamantenen Konfirmation in der Gahlener Dorfkirche. Foto: Helmut Scheffler

In geselliger Runde wurden nach dem Gottesdienst im Gemeindehaus an der Kirchstraße, wo die Frauenhilfe mit einer Kaffeetafel aufwartete, Erinnerungen an die Vorbereitungen auf die Konfirmation wachgerufen. Die Hardter wurden 1954 in der Pestalozzischule von Pastor Borgards unterrichtet, der zweimal wöchentlich mit seinem „Lloyd“ zum Unterricht erschien. Ans eifrige Auswendiglernen des Glaubensbekenntnisses, vieler Lieder und Bibeltexte konnten sich die eisernen Konfirmanden noch bestens erinnern. Die Gottesdienste mussten regelmäßig besucht werden. Es gab ein kleines Heft für jeden, in dem der Pfarrer den Besuch bescheinigte.

Eine Woche vor der Konfirmation fand in der Dorfkirche im Beisein der Angehörigen eine öffentliche Prüfung statt. Wer zuerst geprüft wurde, hatte noch die freie Auswahl unter den Bibelsprüchen. Da Wiederholungen verboten waren, wurde es für die letzten Prüflinge sehr eng.

Pastor Hilbricht brachte aus dem Kirchenarchiv ein Erinnerungsbüchlein von der Konfirmation des Jahres 1954 mit. Es verzeichnete nicht nur in Frakturschrift den Gottesdienstablauf und die Predigt, sondern auch die Denksprüche aller Konfirmanden. „Macht mich reinen Herzens“, hieß damals das Motto des Gottesdienstes.

Das mitgebrachte „Erinnerungsbüchlein“ an die Konfirmation“ des Jahres 1959 enthielt die Gottesdienstordnung ebenso wie die Namen der Konfirmanden und die Predigt Pastor Borgards, der 1959 die Konfirmanden als „Bunkerkinder“ begrüßte und damit daran erinnerte, dass über die damaligen Konfirmanden in den ersten Lebenstagen oder – wochen die Kriegsstürme hinweggingen. „Manche wurden“, so Borgards, „gar im Bunker geboren oder haben doch mit Eltern und Geschwistern manche Nacht darin zubringen müssen.“ Borgards erinnerte 1959 daran, wie 1944/45 „Feuer vom Himmel regnete.“

1959 wurden die Konfirmanden nicht von ihren Eltern im PKW zum Unterricht kutschiert. Besonders weit war der Fußweg für die Hardter, die sich unterwegs sputen mussten, um nicht zu spät zu kommen, denn Pastor Borgards soll sehr streng gewesen sein. Umfangreiche Strafarbeiten waren keine Seltenheit und ab und zu soll auch schon mal ein Buch in Richtung Störenfried geflogen sein. Kein Wunder, dass die Kinder dem Pfarrer im Winter gerne den „Lloyd“ heimlich mit Schnee „bombardierten“.

Große Geldgeschenke gab es zur Konfirmation weder im Jahre 1954 noch im Jahre 1959. Hortensien waren ebenso beliebte Geschenke wie Taschentücher und Sammeltassen. Stolz zeigten die Konfirmanden am nächsten Tag in der Schule ihren Stapel erhaltener Glückwunschkarten. Vom Pastor gab es damals ein Gedenkblatt mit einer abgebildeten Glocke.

Im Gespräch mit Pfarrer Hilbricht erinnerten die Jubilare an besondere Ereignisse im jeweiligen Konfirmationsjahr. Herausragendes Ereignis für die Deutschen war 1954 der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft, der das Selbstbewusstsein der Deutschen nach dem Krieg und dem Wiederaufbau steigerte. In kleinen Schritten ging es in Richtung Wirtschaftswunder.

Im Konfirmationsjahr 1959 wurde die neue Brücke zwischen Schermbeck und Gahlen dem Verkehr übergeben, der Grundstein für die Kirche auf der Hardt gelegt, der Weg zum Pastorat in Widemweg umbenannt und der Sportplatz im Aap fertiggestellt, die Abnahme erfolgte am 21. April 1959.

Zum Abschied überreichten die Presbyter und Pfarrer Hilbricht den Jubilaren ein gerahmtes farbiges Foto von der Gahlener Dorfkirche. Helmut Scheffler

Info:

Pfarrer Friedrich August Borgards war im 20. Jahrhundert der Pfarrer mit der längsten Gahlener Dienstzeit. 1931 löste er den Pfarrer Johann Georg Werner Robert Schreiber ab. Der gebürtige Duisburger blieb 37 Jahre lang Pfarrer im Lippedorf Gahlen, bevor im Juli 1968 Hans-Dieter Krüger neuer Pfarrer in Gahlen wurde.

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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