Das Umweltministerium hat gestern ein Gutachten für den Mühlenberg der Deponie Nottenkämper vorgelegt

Mit zweimonatiger Verspätung hat das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz gestern ein Gutachten vorgelegt, das die Umweltministerin Ursula Heinen-Esser 2019 Anfang 2019 initiiert hatte.

Das Gutachten betrifft die ehemalige Ablagerung „Mühlenberg“ im Gahlener Heisterkamp, die in den Jahren 2010 bis 2013 durch die illegale Ablagerung von 30.000 Tonnen Ölpellets und weiteren großen Mengen hochgiftiger Substanzen zu einer Deponie umgewandelt wurde.

Das neue Gutachten belegt, dass von dem Mühlenberg (im Hintergrund) Gefahren für die Oberflächengewässer ausgehen und dass der Betreiber bautechnisch nachbessern muss. Foto: Helmut Scheffler

Wie die Pressestelle der Landesregierung gestern mitteilte, ist ein zentrales Ergebnis des Gutachtens, „dass die vorhandenen technischen Einrichtungen zur Fassung des Sickerwassers nachgebessert werden müssen, um eine Gefährdung für die Oberflächengewässer sicher ausschließen zu können.“ Auch müssten weitergehende Untersuchungen zum Wasserhaushalt durchgeführt werden, um festzustellen, ob eine Belastung des Grundwassers besteht und um die erforderlichen Maßnahmen und den Umsetzungszeitplan zu konkretisieren.

„Das Umweltministerium wird den Kreis auffordern, die gutachterlichen Empfehlungen umzusetzen“, heißt es in dem Pressebericht. Außerdem werde das Ministerium die Umsetzung weiterhin begleiten.

Eine Abordnung des Gahlener BürgerForums hat in der vergangenen Woche im Umweltministerium die Ergebnisse des Gutachtens mit den Gutachtern, den Vertretern des Umweltministeriums und der Behörden besprochen. Über die Bedenken der Gahlener schweigt die Pressemitteilung. Aber gestern schickte das BürgerForum der Presse eine vierseitige Bewertung des Gutachtens, die mit der Überschrift „Gutachten des Ministeriums bestätigt: Wir wissen, dass wir ganz viel nicht wissen!“ eingeleitet wird. „Unsere Befürchtungen wurden nicht nur bestätigt, sondern durch das Gutachten sogar noch übertroffen“, teilen die GBF-Mitglieder Hamlet Schöpgens, Matthias Rittmann und Dr. Stefan Steinkühler mit. Mehrere Mängel werden genannt.

Bei seinem Besuch im September ließ sich der jetzige Landrat Ingo Brohl (l.) von Dr. Stefan Steinkühler (r.), dem Sprecher des Gahlener BürgerForums, bei einer Rundfahrt über das Ölpellets-Problem informieren, das von dem Mühlenberg der Firma Nottenkämper (im Hintergrund) im Gahlener Heisterkamp ausgeht. Foto: Helmut Scheffler

Nach nur vier Bohrungen hat der Gutachter festgestellt, dass Indizien für die Einlagerung anderer Abfälle vorliegen. Das GBF erbittet nun von der Ministerin weitere Bohrungen, um festzustellen, wie groß die Belastung mit diversen Schwermetall-haltigen Abfällen, Abfällen mit Fäkaliengeruch und Hausmüll ist.

Ursprünglich war eine ebenerdige Verfüllung vorgesehen und genehmigt. Die Gutachter haben festgestellt, dass es bereits vor der Genehmigung zur Errichtung eines Berges eine Oberflächenabdeckung für eine größere Fläche der verfüllten ebenerdigen Fläche gab. Nun befürchtet das GBF, dass es auf dieser Abdichtung zu einer Aufstauung des Niederschlagswassers kommt, das dann seitlich abläuft.

Das Gutachten belegt nach Auffassung des GBF, dass es keines Falls so ist, wie im AHU-Gutachten aus dem Jahre 21018 behauptet wurde, dass nämlich irgendwann einmal in Millionen Jahren etwas aus dem Verfüllkörper austreten kann. Im Wasser der Randgräben wurden nämlich schon jetzt Sickerwasser-typische Schadstoffe nachgewiesen.

Das GBF bemängelt zudem, das „viele Unterlagen, die die technische Ordnungsmäßigkeit des Verfüllkörpers legen könnten, schlicht fehlen, obwohl der Gutachter mehrfach beim Kreis und bei Nottenkämper nachgefragt hat.“ Selbst bei der für dieses Jahr (2020) fertiggestellten Oberflächenabdichtung fehlten bisher Nachweise.

Zusammenfassend stellt das GBF fest: „ Sowohl die Firma Nottenkämper als auch der Kreis Wesel als genehmigungs- und Aufsichtsbehörde haben mehrfach und über Jahre/Jahrzehnte gezeigt, dass sie nicht in der Lage sind, die Wiederverfüllung einer Tongrube zuverlässig durchzuführen bzw. zu überwachen. Die nicht zurückgebaute Zwischenabdichtung sowie die nicht vorhandenen Unterlagen zeigen ebenfalls die Schlampereien von Betreiber und zuständiger Behörde.“

Das GBF fordert mehrere Konsequenzen. Von der Firma fordert sie die Zurücknahme mehrerer Zertifizierungen, mit denen auf der Firmen-Homepage geworben wird. Dem ehemaligen Landart Dr. Ansgar Müller und mehreren Mitarbeiten empfiehlt das GBF, sich einmal zu fragen, ob sie überhaupt geeignet und befähigt seien, ihrer Überwachungspflicht nachzukommen. „Wenn man bedenkt“, so das GBF, „wie viel Sand uns vom Kreis Wesel und den handelnden Personen in die Augen gestreut wurde, kann man nur erbost sein.“ Allein das vom Kreis Wesel vorgelegte AHU-Gutachten sei, wie sich jetzt herausgestellt habe, rausgeschmissenes Geld gewesen. Die damalige Infoveranstaltung des Landrats mit dem AHU-Gutachter sei ein Farce gewesen. Helmut Scheffler

Info:

Der Umweltausschuss des Landtags wurde gestern in einem Bericht über die Ergebnisse der Begutachtung informiert. Diesem Landtagsbericht wurde das Gutachten beigefügt, sodass das Gutachten in Kürze auf der Internetseite des Landtags veröffentlicht wird.

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Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.