Ferdinand und Gertrud Sax sind seit 60 Jahren verheiratet

Schermbeck. So hatten sich Gertrud und Ferdinand Sax ihre diamantene Hochzeit nicht vorgestellt. Nach der Silberhochzeit in Kanada und nach der Goldhochzeit im Kölner Kolpinghaus hielt das Coronavirus gestern das Brichter Diamanthochzeitspaar im Haus am Waldweg, wo Sohn Hans und Enkel Ferdinand dem Jubelpaar im kleinen Kreis gratulierten.

In Dorsten wuchs Ferdinand Sax im Kreise von vier Geschwistern auf. Nach dem Besuch der Volksschule und der Handelsschule absolvierte er eine zweieinhalbjährige Fleischerlehre in den Jahren 1953 bis 1955 in der Gelsenkirchener Fleischerei Schröder. 1959 bestand er die Meisterprüfung in Frankfurt am Main.

Die Schermbeckerin Gertrud Verwaayen erlernte nach dem Besuch der Volksschule und der Hauswirtschaftsschule im St. Mauritzer Kloster im elterlichen Schermbecker Betrieb den Beruf einer Verkäuferin.

Ferdinand und Gertrud Sax sind seit 60 Jahren verheiratet. Foto: Helmut Scheffler

Zum ersten Mal begegneten sich der Westfale und die Rheinländerin an Overkämpings Viehwaage im rheinischen Schermbeck. Gertrud Verwaayens Schweine erwiesen sich an der Waage so störrisch, dass Ferdinand Sax sich als hilfreicher Kavalier erweisen konnte. An diese Begegnung erinnerten sich die beiden, als sie sich ein halbes Jahr später im Rahmen einer Versammlung des Gesellenvereins im Dorstener „Goldenen Anker“ ein zweites Mal begegneten. Spätestens beim dritten Treffen im Café Schnitzler an der rheinisch-westfälischen Grenze nahe der Schermbecker Ludgeruskirche bahnte sich der Weg für einen gemeinsamen Lebensweg an. Mehr als 100 Personen beteiligten sich am zweiten Weihnachtstag des Jahres 1959 auf dem Platz zwischen der heutigen Volksbank und der Metzgerei Verwaayen an der Verlobungsfeier.

Als Schützenkönig des Schützenvereins Feldmark leistete Ferdinand Sax in den Jahren 1960 und 1961 den Wehrdienst. Am 30. April 1961 fand in Dorsten die standesamtliche Trauung statt. Anschließend brachte Karl Enning seine Kegelschwester Gertrud zur neuen Johannes-Kirche in der Dorstener Feldmark, wo das Brautpaar den kirchlichen Segen für den gemeinsamen Lebensweg erhielt.

Im selben Jahr pachtete das junge Ehepaar Sax die Fleischerei Röttger in Waltrop für zehn Jahre. Während dieser Zeit wurde Ferdinand Sax erstmals ehrenamtlich tätig für das Fleischer-Handwerk. Sein großes Vorbild war der Vater Ferdinand Sax sen., der bis zu seinem Tode im Jahre 1972 Obermeister der Fleischer-Innung Dorsten war und in Dorsten so lange Kreishandwerksmeister war, bis die Dorstener in die Kreishandwerkerschaft Recklinghausen integriert wurden.

1965 wurde Ferdinand Sax jun. Vorstandsmitglied der Fleischer-Innung Recklinghausen. Das blieb auch so bis zum Jahre 1971, als das Ehepaar Sax nach Beendigung der Pacht in Waltrop von Ferdinand Sax sen. die elterliche Fleischerei in Dorsten kaufte. Diese Fleischerei am Dorstener Markt wurde vom Ehepaar Sax zu einem der führenden Betriebe in der Region ausgebaut. Die Fleischerei, die als reines Ladengeschäft geführt wurde, hatte zum Schluss 25 Mitarbeiter.

Auch die Jubilarin war neben ihrer Arbeit in der eigenen Fleischerei in der Fleischerinnung Recklinghausen tätig. Jahrelang hat sie im zuständigen Ausschuss die Lehrlinge des Fleischerhandwerks am Ende ihrer Ausbildungszeit geprüft.

Die Leitung des eigenen Betriebs hat Ferdinand Sax jun. nicht davon abhalten können, sein ehrenamtliches Tun fortzusetzen, 1972 übernahm er den Vorsitz des Ausschusses, der für die Prüfung von Fleischerlehrlingen und Verkäuferinnen zuständig war. Ab 1975 war er als Innungsobermeister für die Fleischer-Innung Dorsten im Einsatz, zudem als Vertreter der Kreishandwerkerschaft (KH) Recklinghausen, des Fleischer-Innunsgverbandes NRW und des Deutschen Fleischerverbandes tätig.

Im Jahre 1990 wurde Ferdinand Sax Mitglied des Lebensmittel-Rechtsausschusses innerhalb des nordrhein-westfälischen Fleischer-Innungsverbandes und Vorstandsmitglied der KH Recklinghausen. Dort wurde er im Jahre 1996 stellvertretender KH-Meister. Im selben Jahr wurde er Mitglied des Meisterprüfungsausschusses der Münsteraner Kammer und gleichzeitig Mitglied der Vollversammlung dieser Kammer. Für sein großes ehrenamtliches Engagement, das auch den Vorsitz des Fußballvereins Teutonia Waltrop und die Tätigkeit als Pferdesport-Funktionär der Dinslakener Trabrennbahn umfasste, wurde ihm im Jahre 2000 der Bundesverdienstorden überreicht. Fünf Jahre später erhielt er die goldene Medaille des Landes-Innungsverbandes der NRW-Fleischer. Im selben Jahr 2005 wurde er Ehrenobermeister der Fleischer-Innung Dorsten.

Während Gertrud Sax ihrer Schwiegertochter im Haushalt mithilft, treibt es ihren Mann schon nach dem Frühstück hinaus, um die Pferde zu füttern. Durch den Kauf des Hofes Vengels in Bricht wurde im Jahre 1972 der Grundstein für eine erfolgreiche Traberzucht gelegt. Schon in Waltrop hat er den ersten Traber erworben und die Amateurfahrerprüfung bestanden und dann selber erfolgreich Trabrennen gefahren, nicht nur in Deutschland, sondern auch in verschiedenen europäischen Ländern und sogar in den USA. Die Liebe zu den Pferden teilte auch seine Frau. Wenn ihr Mann beruflich nicht abkömmlich war, dann hat sie die Pferde zum Wettkampfort gebracht.

In der Freizeit hat Gertrud Sax etwa 30 Jahre lang mit drei Frauen Doppelkopf gespielt. Jetzt löst sie gerne Kreuzworträtsel. Da will ihr Mann nicht stören. Der zieht es vor, täglich 20 bis 30 Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Helmut Scheffler

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Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.