Der Zufall will es so: Gahlens Kegelclub „Die Klabautermänner“ ist so alt wie die Gemeinde Schermbeck. Das ist für die neun – allerdings wenig furchterregenden – Klabautermänner ein besonderer Grund zum Feiern. Zum Jubiläum fuhren sie drei Tage lang mit dem Motorboot durchs niederländische Friesland. Noch haben die „Klabautermänner“ die Hoffnung auf eine Fahrt nach Rio de Janeiro nicht aufgegeben. Bei einem entsprechend hohen Gewinn im gemeinsamen Lotto-Tipp, so will es ein seit langem bestehender Beschluss der Jahreshauptversammlung, soll ein Teil des Gewinns im Umfeld Samba tanzender Lateinamerikanerinnen verjubelt werden.
Während einer Versammlung des Junggesellenvereins Gahlen-Bruch im Vorfeld des Schafsmarktes entstand 1975 die Idee, auf der neuen Kegelbahn bei Holtkamp zur Jagd auf alle Neune anzutreten. Im August 1975 schob zum ersten Mal ein Klabautermann die Kugel auf der vollautomatischen Bahn. Günther Unterberg, Willi Braick und Wilhelm Hemmert-Pottmann gehörten vor 40 Jahren ebenso mit zur Schar der verwegenen „Klabautermänner“ wie Franz-Gerd Weinert, Wilhelm Nottebohm, Jochen Heckermann, Karl-Heinz Winter, Rainer Endemann, Herbert Hemmert, Rolf Heckermann und Heinz Unterberg.

26 Klabautermänner trugen in den zurückliegenden 40 Jahren dazu bei, dass die vom langjährigen Präsidenten Wilhelm Hemmert-Pottmann geführte Vereinschronik auf vier Aktenordner anschwellen konnte. In der Chronik findet man Protokolle der Jahreshauptversammlungen seit 1977. In der ersten Sitzung am 4. Juli 1977 wurde Wilhelm Hemmert-Pottmann Chef der „Klabautermänner“, Ludwig Tenter stellvertretender Präsident. Alle 14 Tage wurde auf Kurt Holtkamps Bahn gekegelt. Der vierzehntägige Rhythmus blieb auch erhalten, als die Kegler am 20. Februar 1981 ihre Kegelpartien in die Gaststätte „Zur Mühle“ (Mölder – Benninghoff) verlegten. Seither wurde allerdings jeweils freitags gekegelt, damit man samstags Zeit zur Regeneration hatte. Kegelabende der „Klabautermänner“ können ganz schön lange dauern, und in den ersten drei Jahrzehnten wurde nicht selten der Weg nach Hause durch ein Eierbraten hinausgezögert. Seit dem 7. September 2012 kegeln die „Klabautermänner“ wieder bei Holtkamp.
Gesellige Höhepunkte waren die jährlichen Ausflüge. 1981 und 2014 wurden die Koffer sogar zweimal jährlich gepackt. Das Ziel der ersten beiden Ausflüge in den Jahren 1977 und 1978 war Prag. 1979: Mallorca, 1980: Prag, 1981: Sauerlandstern/Willingen und Boppard, 1982. Boppard, 1983: Harz, 1984: München, 1985 Mallorca, 1986 Scheveningen, 1987: Insel Krk, 1988 Mallorca, 1989: Burg/Fehmarn, 1990: Zadar/Jugoslawien, 1991: Bingen, 1992: Goslar, 1993: Oberhof/Thüringen, 1994: Schiffstour Lemmer/Niederlande, 1995: Tossens/Jadebusen, 1996: Wernigerode/Harz, 1997: Sonthofen/Allgäu, 1998: Bad Hönningen, 1999: Leiwen/Mosel, 2000: Ibiza, 2001: Kobern-Gondorf, 2002: Bad Bramstedt, 2003: Amsterdam, 2004: Winterberg-Züschen, 2005: Kleve, 2006: Finteln, 2007: Münster und Ostbeveren, 2008: Frankenau/Nordhessen, 2009: Stuttgart, 2010: Winterberg-Züschen, 2011: Gronau-Epe, 2012: Quedlinburg, 2013: Lingen, 2014 (Juni): Olpe-Oberveischede, 2014 (Oktober): Bremen, 2015: Motorboot Friesland/Niederlande.

Noch heute erinnert man sich schmunzelnd und nicht ohne Schadenfreude an jene drei Kegelbrüder, die 1985 das Flugzeug in Mallorca verpassten und die Rückfahrt erst am nächsten Tag antreten konnten. Im Harz ging es nach durchzechter Nacht erst einmal zur Ausnüchterung in die Sauna. Von der Fahrt nach Goslar im Jahre 1992 hatten die „Klabautermänner“ beinahe ein Feuerwehrauto mit ins Lippedorf gebracht. Der Kauf war schon perfekt, dann gab es allerdings versicherungsrechtliche Probleme. Während dieser Fahrt ließ sich übrigens ein Klabautermann von seiner Frau telefonisch mitteilen, in welchem Hotel er in Goslar eigentlich untergebracht war. Während der Plattbodenfahrt auf dem Ijsselmeer im Jahre 1994 kriegte mancher Klabautermann bei Regen und wenig ruhigem Seegang weiche Knie.
In den zurückliegenden 40 Jahren haben die „Klabautermänner“ wiederholt ihre Vielseitigkeit bewiesen. Bei nahezu jedem Hallenfußballturnier, das zu Gunsten der Kinderkrebshilfe veranstaltet wurde, waren die Gahlener vertreten. Viermal haben die „Klabautermänner“ dem Gahlener Kegelverein „Drunter und drüber“ gezeigt, wie man geordnet kegeln kann. Die haushohen Siege führten schließlich dazu, dass die „Klabautermänner“ sogar ein Lied dichteten, in dem sie die Vorfreude auf das November-Turnier thematisierten. Eher cool registriert man in der Rückschau den Sieg über den Dorstener Frauenclub „Die lustigen Rillenkillerinnen“. Das eigene Kegelturnier anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Kegelclubs gewann Klaus Psyk. Bei den seit 1979 stattfindenden Gemeindemeisterschaften im Kegeln ist den „Klabautermännern“ noch nie so recht der Durchbruch gelungen. Während der Betriebsferien des Vereinslokals waren die „Klabautermänner“ schon zu Gast bei einem Wettschießen des Schießvereins Dorsten. Sämtliche Herrenveranstaltungen der „Hardter Wanzen“ haben die Gahlener miterlebt.
Seit dem Jahre 2011 gibt es spannende Wettkämpfe gegen den Gahlener Kegelclub „Gallier“. Zwei Siege und eine Niederlage konnten verbucht werden. Der vierte Wettkampf startet am 14. November 2015 bei Mölder.
Neben den Vier-Wochen-Königen, die als beste Kegler des Clubs jeweils stolz durch ein grünes Club-T-Shirt auf sich aufmerksam machen, wirkte der jeweilige „Pudel“ des Vereins, der bis Oktober 2011 ausgespielt wurde, in seiner Mütze eher etwas kläglich,
Besonders hohe Achtung genießen zwei Clubmitglieder, die als Könige des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Gahlen ihren Kegelbrüdern außerordentliche Feten bescherten. Bereits im Jahr nach der Clubgründung regierte Wilhelm Hemmert-Pottmann mit Inge Becks das Gahlener Schützenvölkchen. 1997 gehörten die „Klabautermänner“ montags zur Königswache, als Joachim Huld mit Anneliese Vengels den Thron bestieg. Im Jahre 2012 wiederholte Wilhelm Hemmert-Pottmann den Königsschuss. Die „Klabautermänner“ stellten am Schützenfestmontag die Wache.
Ein wenig ruhiger sind die „Klabautermänner“ inzwischen geworden. Seit 1993 treten sie nur noch alle vier Wochen zum Kegeln an. Die blauen T-Shirts mit dem Club-Emblem spannen schon ein wenig, wenn die Kugel in gebückter Haltung gegriffen wird. Den Blick für die schönen Dinge des Lebens haben Präsident Wilhelm Hemmert-Pottmann und seine Mannen Dieter Overhageböck, Udo Hageleit, Wolfgang Huld, Roland Huld, Lothar Huld, Joachim Huld. Christian Specht und Wilfried Biedermann allerdings trotz zunehmender Lebensjahre nicht verloren. Ganz im Gegenteil: Erst nach der Jahrtausendwende haben sie sich für die Wahl der Kegelrunde ein Kartenspiel angeschafft, dessen lebensfrohe Bildmotive auch den Augen alternder Seefahrer immer einen Freudenschimmer abzuringen vermögen. Aber auch die eigenen Frauen werden in Momenten des Glücksgefühls nicht vergessen. „Immerhin mussten sie nach dem Eierbraten stets die Bude putzen“, gab ein Klabautermann zu Protokoll und wenig später bat er um eine anonymisierte Art der Weitergabe dieser Information. Schließlich soll auch zu Beginn des fünften Jahrzehnts die Sympathie der besseren Hälften nicht verscherzt werden. Helmut Scheffler























