Das 18. Schubkarrenrennen wurde trotz schlechten Wetters nicht abgesagt

Wenn man schon den Regen und den Sturm nicht beeinflussen kann, dann muss man wenigstens mutig eine Entscheidung treffen können.

Schlopi-Rennen Schermbeck
Mit „Schermbecker Eseleien“ befasste sich der „30.12.-Frühschoppen“ mit seinen Freunden. Dabei ärgerten sie sich ganz besonders über die Steuerverschwendungen.

SCHERMBECK. Nach diesem Motto handelte gestern Morgen der Vorstand der Kolpingsfamilie Schermbeck, als er die Entscheidung traf, das 18. Schubkarrenrennen der Nachkriegszeit auf dem Schermbecker „Schlopi-Ring“ nicht abzusagen, obwohl selbst in etlichen Karnevals-Hochburgen die närrischen Gruppen zu Hause blieben.

Mit „Schermbecker Eseleien“ befasste sich der „30.12.-Frühschoppen“ mit seinen Freunden.

Die Startzeit wurde um eine Stunde verschoben, und Petrus muss mitgehört haben, denn pünktlich zur geplanten Startzeit hörte der Regen für eine gute Stunde auf, sodass die Vorsitzende Christa Hülsdünker die 20 Schubkarren auf den Weg schicken konnte.

Auf die traditionelle Schnelligkeitsrunde wurde ebenso verzichtet wie auf die Geschicklichkeitsrunde und auf die Publikumsrunde. Stattdessen wurde die Vorstellungsrunde von den begeisterten Karrenbauern gleich zweimal zurückgelegt. Für die musikalische Begleitung sorgte die Blaskapelle „Einklang“.

Schlopi-Rennen Schermbeck

Von der Startstelle ging es hinab zur Erler Straße. Hinter der scharfen Kurve an der Bäckerei folgte der Steilanstieg zur Gaststätte Nappenfeld`s. Durch die Brunnenstraße fanden die Schubkarrenrenner den Weg zur Schlossstraße zurück, die der Rennstrecke den Namen „Schlopi-Ring“ (Abkürzung für Schlossstraße und Pipi) eingetragen hat, wobei der zweite Teil des Namens auch noch sechseinhalb Jahrzehnte nach der Kanalisation in Schermbeck daran erinnert, dass die Jauche früher frei die Straße hinunterlaufen konnte.

Der Kegelclub „Kolonne Chaos“erinnerte mit seiner Karre an das ungeliebte Krematorium, das in Buschhausen entstehen soll.

Wickie und die starken Männer

Es waren zwar deutlich weniger Zuschauer als in früheren Jahren, aber denen wurde ein optisches Spektakel der allerfeinsten Art geboten. Der Kegelclub „Wickie und die starken Männer“ steuerte zum Regenwetter sein „Traumschiff“ bei.

An den Film „Cool runnings“ erinnerte der Kegelclub 46=02. Der Schalke-Fan-Club „Königsblaue Schermbecker“ hatte die Arena auf Schalke nachgebaut und sogar sein Maskottchen Erwin geordert.

An den Mauerfall vor 30 Jahren erinnerte der erstmals teilnehmende Kegelclub „Nimm die Dicke“ mit einem Trabi und uniformierten Soldaten. „Gestern noch vom Heu genascht, heute wird es eingeascht“, hieß der Slogan des Kegelclubs „Kolonne Chaos“, mit dem er an das ungeliebte Krematorium erinnerte, das in Buschhausen entstehen soll.

Schlopi-Rennen Schermbeck

Wölfin „Gloria“

Wölfin „Gloria“ saß auf der Schubkarre des Doppelkopfclubs „Die Abgewixxten“ diesmal im umzäunten Bereich und wurde von den Schafen in Schach gehalten.

„Save water – drink wine!“, gaben die acht Altschermbecker „Partners in wine“ als Empfehlung aus, um die mitgebrachte prachtvolle Unterwasserwelt vor Plastikmüll zu schützen.

Schlopi-Rennen Schermbeck

Karrenweise Golddukaten

Mit „Schermbecker Eseleien“ befasste sich der „30.12.-Frühschoppen“ mit seinen Freunden. Dabei ärgerten sie sich ganz besonders über die Steuerverschwendungen. Mit der Freiheit der Narren erlaubten sie es sich, Bürgermeister Rexforth karrenweise Golddukaten durch die Gegend werfen zu lassen. Die Karrenbauer hatten sich so sehr auf eine Schnelligkeitsrunde gefreut, weil sie die bei vergangenen Rennen schon dreimal gewonnen hatten und bis heute die Rekordzeit halten.

An die Schließung der letzten Kohlenzeche erinnerte der Kegelclub „Segelclub“ mit einem großen Förderturm-Nachbau.

Ihrem Ärger über die ewige Baustele an der A 31 gaben die „Asphalt-Flicker“ freien Lauf. Der Kegelclub „Die Frischlinge“ forderte „Rettet die Bienen!“ und schob eine Blumenwiese über den Ring. Themenähnlich war die Karre des Kegelclubs „Good wood“, der Samen für Wildblumen an die Zuschauer verteilte.

Schlopi-Rennen Schermbeck

Wir sind süß und zum Anknabbern

„Wir sind süß und zum Anknabbern“, versicherten die Nachbarn der Kilianstraße-Süd als wandernde „M & M“. „Für Jogi zu schlecht, für`n Ballermann gerade recht“, waren sich einige ehemalige Nationalspieler einig, die ein Rüster Stammtisch kurzerhand auf die Reise in mediterrane Gefilde schickte.

Schlopi-Rennen Schermbeck

Für einen Sambazug in Richtung Schermbeck setzte sich der Kegelclub „einer steht immer“ ein. Viel Ironie steckte in dem Wunsch „Noch mehr Friseure in Schermbeck“, den der Kegelclub „Pegelpuppen“ angesichts der bestehenden Überversorgung äußerte. Der „SV Busenfreundinnen“ warb mit seiner „Jumpstreet“ für das traditionsreiche Altschermbecker Kilianfest. „Ein Kiosk für Schermbeck“ war der per Karre transportierte Wunsch des Kegelclubs „Genau inne Mitte“.

Schubkarrenrennen-Schermbeck

Disco-Fieber

Disco-Fieber pur verbreiteten die Mitglieder des Kegelclubs „Gossengirls“. Einen Beitrag zum „Moritz Oberheim Racing“ leistete ein Altschermbecker Freundeskreis. In einem riesigen Rennwagen wurde der Schermbecker „Langstrecken-Weltmeister“ Moritz Oberheim präsentiert, der am Ende des Rennens Sekt versprühte.

Brechend voll war es nach dem Rennen im großen Zelt auf dem ehemaligen Marktplatz, wo DJ Roland Loges die zwischen den Theken stehenden Gäste mit fetzigen Rhythmen unterhielt. Wer`s ruhiger mochte, nahm in der Cafeteria in der Dreifachturnhalle Platz. H.Scheffler

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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