In einem offenen Brief an die Umweltministerin Ursula Heinen-Esser fordern die Voerder CDU- und FDP-Fraktion die Entnahme von Wölfin Gloria

Dazu schreibt Tobias Schult, Betreiber der Hengststation in Hünxe-Bruckhausen:

„Ich habe nichts gegen den Wolf, er passt nur nicht in unsere Region. Als Pferdezüchter mit entsprechender Verantwortung sehe ich keine Möglichkeit, meine Tiere vor Angriffen durch den Wolf zu schützen“. (wir berichteten).

Dessen Position schließt sich die CDU- und FDP-Voerde an.

„Ökologisches Gleichgewicht“.

In der Wildnis, in weiten, offenen Regionen ohne menschliche Besiedlung übernehmen die Wölfe die typische ökologische Rolle der „Räuber“ im Verhältnis zu anderen Tierarten. Das ökologische Gleichgewicht kommt in diesen Regionen der Erde dadurch zustande, dass die Population der Räuber sich immer an der Population der Beutetiere orientiert. Gibt es viele Rehe, Hirsche oder Wildschweine, steigt auch die Zahl der Wölfe, weil es ein reichhaltiges Nahrungsangebot für sie gibt. Nimmt die Zahl der Beutetiere durch eine große Wolfspopulation ab, findet die nachfolgende Wolfsgeneration nur noch ein eingeschränktes Nahrungsangebot und die Zahl der Wölfe nimmt ab. Diesen Regelkreis nennt man „Ökologisches Gleichgewicht“.

Das Ganze funktioniert aber nur ohne uns Menschen.

In dem Augenblick, als wir in der Evolution angefangen haben, Tiere als „Haus- und Nutztiere“ zu halten, als wir angefangen haben, das Land als Acker- und Grünland zu kultivieren, haben wir das natürliche Gleichgewicht in der Wildnis gegen Kultur eingetauscht, Kultur, die uns ernährt, unser Überleben sichert und die Menschen von den Tieren unterscheidet.

Wir wissen heute, dass der Preis dafür die Verantwortung für die Natur ist, der wir besonderes Gewicht beimessen müssen. Aber Verantwortung heißt auch, Prioritäten zu setzen. Wir müssen uns bei der Wolfsproblematik entscheiden, was
uns wichtiger ist: Unser Wohlergehen, unsere Freiheit, unsere Sicherheit und unser Lebensstil, oder das natürliche Gleichgewicht mit dem Wolf als „Regulator“, ohne uns Menschen.

Romantische Vorstellung

Alle, die in diesen Tagen und in Bezug auf die Wölfin „Gloria“ und ihr Rudel eine friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Wolf fordern, sind sich anscheinend dieser oben beschriebenen Problematik nicht bewusst. Stadtmenschen ist es möglicherweise auch nicht vorzuwerfen, dass sie sich vom Leben auf dem Land eine romantische Vorstellung machen.
Dennoch bilden Mensch und Wolf einen „natürlichen Widerspruch“. Sie besetzen die gleiche ökologische Nische. In der Folge bedeutet das „Verdrängung“ und das gilt sowohl für unberührte Natur, als auch für Kulturlandschaften.Wir sollten uns endlich wieder daran gewöhnen, dass es nicht immer Kompromisse geben kann. Wir müssen wieder lernen, mit klaren Entscheidungen zu leben.

Kein Platz für den Wolf

Unsere Position als CDU- und FDP-Fraktion Voerde ist daher ganz klar: Da, wo Menschen sich eine Kultur, Wohlstand und Sicherheit aufgebaut haben, also auch in unserer Region, ist kein Platz für den Wolf.
Voerde liegt im Wolfsgebiet Schermbeck. Auch wenn es auf unserem Stadtgebiet selbst noch keine Risse von Nutztieren gegeben hat, machen wir uns große Sorgen um die Weidetierhaltung.

Kein Wolfsschutz für Deiche

Besonders hervorzuheben ist, dass Voerde von einer 13 Kilometer langen Deichanlage vor Hochwasser geschützt wird, die durch Schafsbeweidung unterhalten wird. Deiche können nicht wolfsabweisend eingezäunt werden, der Schutz der Menschen vor Hochwasser muss für uns eine höhere Priorität als der Schutz der Wölfe haben!
Ebenfalls weisen wir darauf hin, dass die Weidetierhaltung für Voerde und die hier lebenden Menschen eine große Bedeutung hat. Milchkühe werden noch täglich auf die Weide getrieben, Mutterkühe mit ihren Kälbern sind von Frühjahr bis zum Winter auf der Weide und durch Schafsbeweidung werden neben den Deichen auch Naturschutzflächen gepflegt. Besonders etabliert hat sich hier auch die Haltung von Pferden. Dies alles ist nicht mit der Anwesenheit von Wölfen vereinbar.

Meterhohe Zäune zerschneiden lie Landschaft

Wir wollen nicht, dass unsere offene Naturlandschaft in Voerde -wie beispielsweise die Mommbach-Niederung- durch meterhohe Zäune zerschnitten wird, die am Ende aber auch nicht vor Wölfen schützen.
Für unsere lokale „Wolfsproblematik“ bedeutet das, dass das Wolfsrudel im „Wolfsgebiet Schermbeck“ eingefangen und ausgewildert, oder entnommen (getötet) werden muss, um unsere Kultur und letztlich unsere Sicherheit zu gewährleisten.
CDU-Fraktion im Rat der Stadt Voerde

Kommentar

von Johanna Römer

Wie schön wäre es, würden sich Vertreter von CDU und FDP mit der gleichen Vehemenz, wie sie die „Entnahme“ von Wölfen fordern, für Maßnahmen gegen den Klimawandel und gegen soziale Ungerechtigkeit einsetzen.
Das sind tatsächlich Ursachen, die unser Wohlergehen, unsere Freiheit, unsere Sicherheit und unseren Lebensstil gefährden.
Irgendwie will es mir auch nicht gelingen, „Verantwortung für die Natur zu übernehmen“ mit diesen beiden Parteien in einen harmonischen Zusammenhang zu bringen…

Anmerkung der Red. zum Leserbrief: Die Einsender eines Leserbriefs vertreten ihre eigene Meinung und spiegelt nicht die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen bleiben in jedem Fall vorbehalten. Briefe ohne vollständigen Namen und Adresse werden nicht veröffentlicht.

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