Kabarettist Rolf Raatz trat ohne Gage beim Schermbecker Seniorenkreis auf

Der Auftritt des Moerser Kabarettisten Rolf Raatz beim Seniorenkreis der Ludgerusgemeinde passte zur Karnevalszeit.

In der Bücherei an der Erler Straße wurde eine Stunde lang herzhaft geschmunzelt oder gelacht, als der 81-Jährige ehemalige Bankdirektor mit heiteren Texten, Satiren, Anekdoten und Couplets zu einem Bummel durch Alt-Berlin einlud.

Als Botschafter Alt-Berlins gastierte der Moerser Rolf Raatz beim Seniorenkreis der Schermbecker Ludgerusgemeinde. Foto: Helmut Scheffler

Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Roland trat Rolf Raatz bereits in UFA-Zeiten als Kinderdarsteller in mehreren Filmen vor die Kamera. In dem im Jahre 1944 erschienenen Film „Neigungsehe“ traten beide Brüder als Zwillingspaar an der Seite von Elisabeth Flickenschildt, Grethe Weiser und Gustav Fröhlich auf. Zwischen 1960 und 1995 tourten Rolf und Roland Raatz als „Die Spree-Zwillinge“ mit kabarettistischen Berlin-Shows durch die Bundesrepublik Deutschland, die Niederlande und die Schweiz.

Nach Rolands Rückzug von der Bühne im Jahre 1996 setzte Rolf die Raatz`sche Kleinkunsttradition als literarisch-kabarettistischer Froh-Botschafter Alt-Berlins allein fort. Zahlreiche Fernsehauftritte gab`s mit Brigitte Mira, Michael Schanze, den Kessler-Zwillingen, Dieter Thomas Heck, Carmen Nebel und weiteren Medien-Stars.

Jahrzehntelang führte Rolf Raatz ein Doppelleben als Bankdirektor und Kabarettist. „Ich bin von Gott familiär, beruflich und gesundheitlich reich beschenkt und nun glücklich, diesen Reichtum mit gutgelaunten Menschen in Kirchengemeinden und Sozialverbänden teilen zu können“, begründete er seine Auftritte zum absoluten Nulltarif.

„Ich bin als Narr zur Welt gekommen, zu einem Banker dann verkommen, noch tiefer sinken kann man nicht“, beschrieb Raatz sein Doppelleben als Banker und Kabarettist. Den größten Motivationsschub in Richtung Kabarett verdankte er seinem Großvater. „Der hatte den Schabernack im Kopf“, erinnerte Rolf Raatz an eine gemeinsamen Spaziergang. Damals kippte an einer Kreuzung ein Lieferwagen mit Fässern voller Heringe um. Mit den Worten „Jetzt müsste noch ein Wagen mit Pellkartoffeln umkippen“ hat der Großvater damals reagiert.

Mit seinen Liedern, Anekdoten und Satiren erinnerte Rolf Raatz – mit gelbem Jackett und roter Fliege in Schermbeck auftretend – an die literarisch-kabarettistisch begabten Größen der 1920er- und 1930er-Jahre. Von den über 1000 Couplets Otto Reutters wählte Raatz die 16 Strophen umfassende Erkenntnis aus: „In 50 Jahren ist alles vorbei.“, ein Paradebeispiel für die gelungene Verbindung witziger Ausdrucksweisen mit hintergründiger Lebensphilosophie.

An Robert T. Odemann, mit dem die Familie Raatz eng befreundet war, erinnerte Rolf Raatz mit dem Vortrag des Gedichtes „Der Nachttopf sprach zur Blumenvase.“, in dem eine Verwechslung geschildert wurde, über die sich die Vase sehr grämte.

Zum heiteren Programm gehörten in Schermbeck Günter Neumanns Lied „Sehn`se, det is Berlin“ aus der Zeit des Kalten Krieges und die von Joachim Ringelnatz beschriebene Liebe zwischen einem Häkchen und einer alten Schraube. Mit Erinnerungen an Werner Finck und Erich Kästner und mit seinem selbst verfassten Gedicht „Berlin, ich liebe dir“ rundete Raatz seinen kuzweiligen Berlin-Bummel ab.

Am Ende seines Auftritts überreichte Rolf Raatz allen Besuchern eine vierseitige illustrierte Ankündigung des Films „Neigungsehe“, die auch die Zwillinge Raatz zeigte.

Rolf Raatz bietet seine kostenlosen Auftritte auch weiterhin allen gemeinnützigen Initiativen an. Anfragen sind per Telefon (02841/76574) oder per Handy (0160 94629362) möglich. Bis Juli ist er allerdings schon restlos ausgebucht. Helmut Scheffler

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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