Schermbeck. Sie saß auf dem Pferd, noch ehe sie laufen konnte: Talina Lorei. Die 26-Jährige ist in Schermbeck Zuhause und in der Welt unterwegs. Sie trainiert Tiere. Pferde, Alpakas und Hunde.

Talina schenkt ihre ganze Zeit den Tieren. Sei es für ihre eigenen oder aber für den Zaunkönig, der vor zwei Jahren aus dem Nest gefallen war. Sie päppelte ihn auf und zähmte ihn.

Talina Lorei trainiert viele Tiere

Als junges Mädchen betrat Talina Lorei erstmals eine Welt, die sie faszinierte. Sie nahm in den Zuschauerrängen der berühmten Pferdeshow Apassionata Platz. Die Show war ein Erlebnis und weckte eine Erkenntnis, die ihr Leben entscheidend prägte: „Das will ich selbst machen.“

Es reichte ihr nicht, nur auf den Zuschauerbänken zu sitzen. Sie verspürte ein freudiges Kribbeln. Kaum war der Gedanke geboren, begann sie mit dem Training. Talina Lorei war sich sicher: „Was die machen, bekommen wir auch hin“. Und ihre Pferde fanden wie sie selbst schnell Freude am Training.

Dressurspringen fanden sie langweilig. Seither trainieren sie in jeder freien Minute. Und sie trainiert jedes Tier. Vom Hund über das Pferd bis hin zum Alpaka. Sogar ihre Kampffische aus dem Aquarium konnten nach dem Training mit ihr durch einen Armreifen springen.

Talina Lorei – Bibi muss mit

Nach dem Abitur besuchte sie die Uni, wo Talina den Master in Management in Wirtschaft und Konsumforschung absolvierte. Mit dem wohl ersten Uni-Hund Deutschlands im Gepäck: Bibi. Ob das nicht auffiel? „Ich bin einfach tierverrückt und kann gar nicht ohne Tier“, erklärt sie. Und so war Bibi mit im Vorlesesaal bis Talina und Bibi alle Abschlüsse in der Tasche hatten. Für Hunde hat sie die Begleithundeprüfung erfolgreich gemeistert.

Zwischendurch war sie auch auf der Hofreitschule in Bückeburg (Deutschland) und bei der Chio Aachen – unter Kennern das größte Pferdesportevent überhaupt. Wie all das möglich ist? „Eine gute Planung ist alles“, erklärt sie. So verbrachte Talina Lorei ihre letzten Geburtstage auf Shows, hatte die Uni gerade im September abgeschlossen und ging dann auf Europa-Tournee.

Wieder Zuhause steht die junge Frau wieder auf der Koppel bei ihren Pferden. Mittlerweile sind sie echte Shootingstars: Nikolaus und Akuna Matata heißen die beiden. Akuna Matata war einst ein Katastrophenfall. Schwer händelbar. Doch nach drei Woche im Training vor seiner ersten Show war die Vorfreude groß. Sie trainierte damals mit Obelix, der 23 Jahre alt ist. Danach wollte Akuna Matata selbst aktiv werden. Schnell war klar: „Der braucht die Show“. Akuna kann es kaum erwarten, uns eine kurze Showeinlage zu präsentieren – und auch ihre Pferde Nikolaus und Obelix zaubern ein Kunststück nach dem nächsten.

Positive Anspannung gehört bei Talina Lorei dazu

2013 war sie auf der Equitana Weltmesse. „Das ist das größte, was man so machen kann“, sagt sie dankbar. Zudem zählt die Chio Aachen zu den größten Pferdesportevents – und auch hier hatte Lorei schon einen Showact präsentieren dürfen. Vor dem Auftritt fühlt sie stets eine positive Anspannung. Akuna ist dagegen sehr nervös. „Genie und Wahnsinn in Einem“, meint Talina liebevoll und schaut ihn an.

Auf der Bühne bilden sie und ihre Pferde ein Gespann. „Bei einer Feuershow muss man wirklich sicher sein und sich 100 Prozent auf das Pferd verlassen können“. Zuletzt war sie bei der Europameisterschaft Working Equitation. „Die Weltmeisterschaft ist leider ausgefallen“, bedauert sie.

Talian Lorei – ein Weltenbummler

Durch ihre Leidenschaft bereiste sie schon viele Länder. Sie war von Frankreich bis Indien unterwegs. Reitet seit Kurzem auch Kavallerie und Turnier bei Mittelaltermarkt-Veranstaltern. „Mit der Rüstung bin ich gut gerüstet. Aber ich habe schon einstecken müssen“, erinnert sich die 26-Jährige an ein Turnier in Borken. Aber sie hat vor allem Freude daran.

Talina spricht mit ihren Pferden und ist sozusagen der Pferdeflüsterer von Schermbeck. „Das Tier bestimmt den Rhythmus entscheidet, was und wie es gemacht wird“, erklärt die 26-Jährige. Geduld und Ausdauer zählen.

In der Dressur beschäftigt sie sich intensiv mit ihren Tieren und erklärt: „Sie reagieren wie Hunde auch auf Körpersprache.“ Unter anderem war 2013 ein Schauspieler aus „Herr der Ringe“ in Neuseeland mit seinem Pferd auf sie zugekommen. Die Trilogie hat sie bis heute nicht gesehen, aber an das Pferd erinnert sie sich gern zurück. Hier war sie vier Wochen lang auf der Südinsel unterwegs.

Alpakas sind besondere Tiere

„Andere gehen wandern, ich gehe Alpakas gucken“, sagt sie und lächelt. Es war ein hoher Aufwand mit dem Import und Export der Tiere. „Es dauerte über ein halbes Jahr. Man muss dafür schon ein bisschen bescheuert sein“, lacht sie. Aber Leidenschaft ist Leidenschaft: 2012 begann sie mit der Alpaka-Zucht.

Fotos und Fotostrecke: Marie-Therese Gewert

Mal klappt das Training besser, mal schlechter. „Wenn es gut läuft, bilden wir eine Einheit.“ Sie würde sich generell wünschen: „Die Leute sollten mehr auf Tiere eingehen und ihnen zuhören. Dafür braucht es Geduld, Respekt und Vertrauen. Tiere sind die besten Lehrmeister. Mir gefällt das Beispiel vom Spiegel von uns: Gefällt mir, was ich sehe oder muss ich mich entwickeln und ändern?“

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