Der VSR-Gewässerschutz e.V. musste leider wieder vielen Bürgern mitteilen, dass ihr Brunnenwasser zu viel Nitrat enthält.

Das frustriert gerade dieses Jahr. Familien nutzen in der Coronakrise den eigenen Garten wieder intensiv. Kinder helfen begeistert beim Anbau von Gemüse und Obst und planschen bei den sommerlichen Temperaturen gerne im Wasser. Dafür möchten viele Leute ihr Brunnenwasser verwenden. Um zu erfahren, ob dies gefahrlos möglich ist, ließen 103 interessierte Bürger ihre Wasserproben am Informationsstand am 08. Juli in Rheinberg untersuchen.

Jeder vierte Brunnenbesitzer aus dem Raum Wesel – Sonsbeck – Alpen – Rheinberg – Moers wurde enttäuscht: Die Nitratkonzentration ihrer Wasserprobe überschreitet den Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Die Ursache für die hohe Nitratbelastung des Grundwassers ist die intensive Landwirtschaft, die nur mit Subventionen so wachsen konnte. „Die EU-Agrarpolitik fördert bis heute Betriebe, für die hohe Erträge an erster Stelle stehen und die Verringerung der Nitratbelastung nur lästige Auflagen sind, die sie versuchen zu umgehen,“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Die gemeinnützige Organisation fordert von der Politik, dass Subventionen nur noch an Landwirte mit einer gewässerschonenden Bewirtschaftung gezahlt werden.

Harald Gülzow untersucht im Labormobil eine Wasserprobe. Foto: privat

Dipl. Phys. Harald Gülzow (Projektleiter im VSR-Gewässerschutz), Lennart Hoster (Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst) und Andreas Stumpf (ehrenamtlicher Mitarbeiter) fanden bei den Untersuchungen 149 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Alpen.

Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Sonsbeck mit 114 Milligramm pro Liter (mg/l), in Ossenberg mit 99 mg/l, in Millingen mit 90 mg/l, in Annaberg mit 120 mg/l, in Alpsray mit 113 mg/l und in Rheurdt mit 91 mg/l fest. Am Informationsstand und auch bei der telefonischen Beratung zeigten sich viele Brunnenbesitzer wütend über die Nitratbelastung der Region. Sie möchten es nicht mehr einfach hinnehmen, dass ihr Brunnenwasser nur eingeschränkt nutzbar ist. Vielen Bürgern wurde durch ihr eigenes Ergebnis klar, wie stark das Grundwasser in ihrer Region bereits belastet ist und möchten eine Änderung.

Der VSR-Gewässerschutz fordert die Agrarpolitik auf, die anstehende EU-Agrarreform so zu gestalten, dass die Nitratbelastung unserer Gewässer verringert wird. Die Subventionen an Betriebe, die das Grundwasser stark belasten, haben große Probleme geschaffen. Nur die großen Betriebe konnten mit intensiver Bewirtschaftung den Dumpingpreisen der Discounter standhalten.

Nitratuntersuchung vor einem Feld mit Traktor. Foto: privat

Die bäuerliche Landwirtschaft wurde verdrängt und die ökologische Landwirtschaft konnte nicht so wachsen, wie es für eine gesunde Umwelt notwendig wäre. Hier wird auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Stickstoffdüngern verzichtet. Die Zahl der Tiere orientiert sich an der Fläche, die dem Betrieb zur Verfügung steht. So werden Nährstoffüberschüsse bestmöglich vermieden.

Der ökologische Landbau kann die von der Agrarindustrie hervorgerufene Nitratbelastung erheblich verringern. Er bedarf daher wesentlich mehr Unterstützung. „Die Agrarlobby darf nun die wichtigen Entscheidungen zu einer gewässerschonenden Landwirtschaft nicht wieder untergraben,“ so Susanne Bareiß-Gülzow. „Es wird höchste Zeit für eine Agrarpolitik, die sich ihrer ökologischen Verantwortung bewusst ist und eine umweltverträgliche und nachhaltige Landwirtschaft fördert.“

Auf einer interaktiven Nitratkarte veranschaulicht der VSR-Gewässerschutz in welchen Regionen die Nitratbelastungen besonders hoch sind (www.vsr-gewässerschutz.de/nitratbelastung).

Durch die große Unterstützung der Brunnennutzer konnten die Umweltschützer auch im Raum Rheinberg die Nitratbelastung im oberflächennahen Grundwasser bestimmen. Wer den Termin am Labormobil verpasst hat, kann eine Wasserprobe vom eigenen Brunnen per Post an die Umweltschützer senden. Auf der Homepage der Gewässerschutzorganisation finden sich dazu alle nötigen Informationen.

Geldern, im August 2020

Dipl.-Phys. Harald Gülzow (Pressesprecher)

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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