Die Entscheidung ist gefallen. Rat beschließt den neuen Standort der Gemeinschaftsgrundschule Schermbeck auf dem Grundstück der alten GGS an der Weseler Straße.

Schermbeck. Es war eine zähe Sache in der Ratssitzung am Mittwochabend, als es um den Standort des Neubaus der neuen Gemeinschaftsgrundschule ging.

Nach gut zwei Stunden langer, aber durchaus fairer Diskussion und einer eingelegten fast 20-minütigen Beratungspause, hat der Rat sich für die Bildung eines zentralen Schulstandortes an dem Standort der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) ausgesprochen. Für einen Neubau einer Gemeinschaftsgrundschule auf der „Grünen Wiesen“ an der Weseler Straße sprach sich lediglich die SPD-Fraktion aus.

Aufatmen nach der Ratssitzung bei der Schulleiterin der GGS Jessica Steigerwald. „Ich bin überrascht, aber sehr erfreut, dass der Beschluss so eng gefasst wurde. So gibt es die Möglichkeit, dass es zügig weiter vorangehen kann“.

Mit den Statements aller Fraktionschefs über die Grundschulstandorte, sowie des parteilosen Thomas M. Heiske, der nicht wie erwartet wegen Befangenheit ausgeschlossen wurde, war voraussehbar, dass ein Neubau auf der grünen Wiese, gegenüber der jetzigen GGS und wie von der SPD gefordert, keine Mehrheit finden würde.

Schulsituation hat sich verändert

Bürgermeister Mike Rexforth fasste vorweg die Frage zusammen, warum sich die politische Gemeinde mit der Frage für einen Schulstandort ausgesprochen habe. Er verwies auf die Entwicklung der Schülerzahlen sowie auf die Gesamtentwicklung der Schulsituation. Nicht nur die Gesellschaft habe sich verändert, sondern auch die Herausforderungen mit Blick auf Inklusion.

Dazu Klaus Schetter, Fraktionsvorsitzender CDU: Das wir uns zu einem Schulstandort hinbewegen, ist in der Fraktion eine klare Sache. Darüber gebe es auch klare Entscheidungen der Lehrerkonferenz und Schulpflegschaft, die sich für einen Schulstandort aussprechen, so Schetter. Er sehe den neuen Standort einer Schule eindeutig an der Weseler Straße. Ebenso sprach er sich für den Erhalt des Pavillons aus, wo ein neues Konzept für die Nutzung entwickelt werden könne. Gleichzeitig sollen die Maxi-Schule sowie die Sporthalle erhalten bleiben. Hier könne erwogen werden, das bestehende Gebäude als Kindergarten umzubauen.

Altes Auto fährt nicht schlechter

Klaus Roth (Bürger für Bürger) stimmte sich gegen einen Neubau einer Gemeinschaftsgrundschule aus und war für den Erhalt beider Schulen. Er war der Meinung, dass alles was neu ist, zwar schön aussieht, aber nicht unbedingt mehr zweckerfüllend sei. Er teile auch nicht die Argumente von Jessica Steigerwald, dass durch eine moderne, neue Schule der Bildungsstandard unserer Kinder erhöht werde. „Wenn ich ein neues Auto habe mit mehr Technik, zum Beispiel einer Rückfahrkamera, ist das zwar schön, aber mit einem alten Auto komme ich genauso gut nach Wesel hin und zurück, wie mit einem neuen Auto“. Er verwies auf die Top-Qualität und die gute Lage der Maxi-Schule. Er habe sich im Gegensatz zu der SPD, die schon ein Urteil abgegeben, ohne sich die Schulen angesehen zu haben, über den Zustand vor Ort selber davon überzeugt.

Neubau besser als Altbau

„Neubau ist immer besser als ein sanierter Altbau. Alle sprechen von Bildung und ein Neubau ist eine Investition in unsere Kinder“, so Michael Fastring (SPD). Er ließ allerdings die Unterstellung von Roth, dass seine Fraktion die Schule nicht kenne, so nicht stehen. „Die kennen wir schon recht gut“, so Fastring, der sich ebenfalls für einen kompletten Neubau, allerdings auf einem bislang unbebauten Grundstück neben der GGS, aussprach. Alle anderen Ratsmitglieder erteilten diesem Antrag der SPD eine Absage.

Für den Erhalt der alten Fassade

Ulrike Trick (Bündnis90/DieGrünen) stimmte ebenfalls für eine neue Schule an der Weseler Straße. Sie betonte aber auch, dass nicht nur Werte, sondern auch Emotionen mit den alten Schulen verbunden seien. Deshalb begrüße sie den Vorschlag von der Gemeinde, dass die Maxi Schule erhalten bleiben soll und der Pavillon der GGS neu überplant werde. Sie regte an, dass eventuell die alte Fassade der GGS in den Neubau mit einbezogen werden könne.

Luxusproblem

Für den Bau einer neuen Schule stimmte Thomas M. Heiske mit einem klaren „Nein“. „Ich habe den Eindruck gewonnen, dass unsere Kinder in einem ausgebombten Bunker oder in Holzbaracken unterrichtet werden. Ich denke, dass wir hier von einem Luxusproblem sprechen im Gegensatz zu vielen anderen Schule. Beide Schulgebäude sind noch in einem guten Zustand“. Des Weiteren verwies er darauf, dass gutes Lernen und Bildung nicht abhängig von modernster Technik und Digitalisierung sei.

Johannes Brilo (CDU) habe besonders zu den Aussagen von Klaus Roth, was die Vorteile von alt und neu betreffen, so wie er betonte, grundsätzlich eine andere Auffassung und andere Erkenntnisse als er. „Wir sollten auch unseren Kindern die Möglichkeit geben, in einem neuen Auto zu fahren. Es ist nicht nur die Rückfahrkamera, die hier Vorteile zu einem alten Auto hat“.

Schulgebäude nicht mehr auf den neusten Stand

Er unterstrich, dass beide Schulgebäude strukturell nicht mehr auf den neusten Stand seien. Darüber leuchte ihm auch nicht ein, warum zwei Schulen nicht an einem Standort zusammengelegt werden sollten. Ich finde auch, dass Nostalgie zwar sehr nett ist, aber unsere Kinder haben auch ein Recht darauf, eine eigene Identifikation zu finden“. Er war ebenfalls der Meinung, dass es lohnenswert sei über eine Erweiterungsfunktion der alten Schulen nachzudenken. „Ich bin auch Befürworter dafür, nicht alles abzureißen und die Maxi-Schule sowie die Sporthalle zu erhalten“.

Zum Wohl der Kinder

Für Engelbert Bikowski (CDU) stehe das Wohl der Kinder an erster Stelle und dies sei ihm sehr wichtig. Auch mit Blick in die Zukunft. „Ich möchte, dass unsere Kinder in einer Schule nach neusten pädagogischen Erkenntnissen lernen können“.

Einen Seitenhieb Richtung Klaus Roth verpasste Bikowski mit seiner Aussage, dass dieser, als es um den Bau der neuen Ganztagsschule ging, den ernst gemeinten Vorschlag gemacht habe, dass die Kinder anstelle eines Neubaus auch in die Rumpelkammer unter dem Hallenbad untergebracht werden können.

Grundschulstandort Schermbeck Luftaufnahme
Luftbild: Helmut Scheffler

Beschluss

Der mehrheitliche Beschluss des Gemeinderates lautet nach zähen Diskussionen und unterschiedlichen Wortspielen am Ende, das ein Fachplanungsbüro überprüfen soll, wie hoch die Kosten für eine Nutzungsalternative ausfallen, die von der Gemeindeverwaltung vorgeschlagen wurde.

Darin enthalten ist die Beibehaltung der vorgeschlagen einzelnen Teile der GGS und Maximilian-Kolbe-Schule nach der Variante 4, die nach Sicht der Verwaltung sowohl von der Gebäudesubstanz der Zweifachsporthalle an der MKS, der OGS Anbau als auch der zur Schienebergstege hingerichtete Trakt der MKS in der Substanz erhaltungswürdig ist.

Ebenfalls soll das Planungsbüro überprüfen, ob der vorhandene Pavillon noch weiter genutzt werden soll. Auch die Kosten für eine Zweifachturnhalle, ohne die Anbindung eines Versammlungsortes, sollen ermittelt werden. Was an Kosten anfallen wird, wenn statt der vorgeschlagenen 5-Zügigkeit eine 4-Zügigkeit mit der Option einer späteren Erweiterung verwirklicht werden möchte, soll ebenfalls geprüft werden. Außerdem soll im Rahmen eines späteren Architektenwettbewerbs überprüft werden, wie es sich verwirklichen lassen kann, dass ein Teil der alten Fassade der GGS in die Gesamtplanung der neuen Schule mit einfließen und umgesetzt werden kann.

Petra Bosse

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