Ramirez-Spenden kommen in der Ukraine an

Für Ramirez-Chef Dirk Zerressen gab es frische Pfefferminze aus dem Klostergarten. Foto: privat

Die Benefizparty im Ramirez war ein voller Erfolg. Rund 2000 Euro kamen durch den Eintritt und durch Spenden zusammen. Von dem Geld wurden nun Hilfsgüter finanziert, die mit dem Ramirez-Mobil nach Warschau gebracht wurden.

Die Helfer aus Schermbeck stapelten die Hilfsgüter in die klostereigene Bibliothek. Die Nonnen werden sie nun in die Ukraine weiterleiten. Foto: privat

Das Geld war da – nun fehlte noch eine „Einkaufsliste“ der am dringendsten benötigten Hilfsgüter in der Ukraine. Dafür wandten sich Ramirez-Chef Dirk Zerressen und seine Mitstreiter wieder einmal an den Franziskaner-Orden in Warschau. Die Schwestern haben seit Kriegsbeginn einen sehr direkten Kontakt in die Ukraine. Eine ihrer Mitschwestern – gebürtige Ukrainerin – weilte zu Beginn des Krieges gerade auf Familienbesuch. Bis heute ist sie dort geblieben, um zu helfen.

Nahrung und medizinische Ausrüstung

Die Empfehlungen waren sehr präzise. So wurden vor allem energiereiche Nahrung und medizinische Hilfsmittel für die Soldaten benötigt. Das konnten zum Beispiel Fisch und Fleisch in Dosen sein, ohne Wasser zubereitbare Fertiggerichte, Energieriegel oder Schokolade.

Für die medizinische Ausrüstung wandte sich Dirk Zerressen an den Chef der Firma Servoprax, Michael Benninghoff. Dieser hatte schnell eine Liste der vorhandenen Mittel zur Wundversorgung zur Hand. „Diese Liste wiederum leiteten wir an die Franziskaner-Schwestern weiter, damit das tatsächlich Benötigte geordert wird“, erklärt Zerressen. „So konnten wir kurzfristig eine Bestellung an Servoprax senden, die schon am Folgetag zur Abholung bereitstand.“ Und das war eine Menge: Über 2000 Spritzen, Trauma-Bandagen, Venenstauer, Infusionsleitungen oder Tourniquets zum Abbinden abgetrennter Gliedmaßen wurden zur Abholung bereitgestellt.

„Mir wurde ein wenig schlecht“

„Beim Einladen der Medizinischen Hilfsmittel in das Ramirez-Mobil, bei dem Michael auch noch half, wurde mir doch ein wenig schlecht ob der Vorstellung ihrer zeitnahen Verwendung“, gibt Dirk Zerressen zu. Er sei sehr dankbar, dass die Firma großzügige Preisnachlässe gewährt habe.

Die Schokolade war nach einem Telefonat mit dem Marktleiter des Handelshofs Bocholt, Detlef Verfürth, auch kein Problem. Es dauerte keine zwei Stunden, bis ein ganzer Flachwagen voll unverkaufter Osterware zur Abholung bereit stand. Es sei schließlich „egal ob die Schokolade Ohren hat, oder?“, scherzte Dirk Zerressen. „Dazu dürfte es vergangene Woche in Schermbeck mit Hering in Tomaten-Creme- und Senfsauce und mit Fertiggerichten dosentechnisch knapp geworden sein“, vermutet er. Alles, was das Budget hergab, habe er weggekauft.

Die Franziskanerinnen freuten sich über die Unterstützung aus Schermbeck. Foto: privat

Mit dem Ramirez-Transporter nach Warschau

Am späten Montagabend brach Zerressen dann mit zwei Mitstreitern in Richtung Polen auf. Dabei hatten sie das Ramirez-Mobil nicht nur mit den gekauften Hilfsgütern vollgeladen, sondern auch mit einigen anderen Sachspenden für die karitative Arbeit der Nonnen.

Nach über zwölf Stunden Fahrt war der Empfang wieder ungemein herzlich. „Die Schwestern verströmen in ihrer Gemeinschaft eine ganz eigene, unbeschwerte und natürliche Menschlichkeit“, schwärmt Dirk Zerressen. „Sich aufopfern für andere, ohne je irgendeinen Lohn dafür zu erwarten, das ist immer besonders“, lobt der bekennende Atheist. Nach kurzer Zeit waren die Hilfsgüter in der Klosterbibliothek zwischengelagert und die Helfer wurden zum Frühstück eingeladen. „Trotz des funktionalen Charmes ihres Gemeinschaftsraumes, war das Frühstück wieder ein Fest“, erklärt Zerressen. Besonders gefreut habe er sich über die frisch im Konventgarten gepflückte Pfefferminze für seinen Tee.

Lebensgefährliche Hilfstransporte

„Danach berichteten uns Schwester Sylwia, Schwester Goscha und Schwester Mirka über die Transporte der Hilfsmittel von Warschau aus in die Ukraine“, erinnert sich Zerressen. Die Medizinischen Hilfsmittel seien dabei für ein Lazarett in Frontnähe bestimmt, das nicht nur Soldaten, sondern auch zivile Verwundete versorgt. Die Transporte sind aber nicht ungefährlich: Bestürzt erfuhren die Schermbecker von anderen ehrenamtlichen Helfern, die während ihres Transportes unter Beschuss geraten und getötet worden waren.

Nach dem Besuch hieß es wieder Abschied nehmen. Dazu gab es eine herzliche Einladung nach Schermbeck. „Der Weg nach Santiago de Compostela führt doch über Schermbeck, oder?“, so Zerressen. Neben den leidenden Ukrainern möchte Zerressen auch an „die armen Menschen auf russischer Seite erinnern, die für einen Größenwahnsinnigen leiden und sterben müssen.“ Für den russischen Präsidenten, das wird am Ende seines Berichtes deutlich, hat der Ramirez-Chef jedenfalls nur Verachtung übrig.