Schermbeck. Vorsichtig tastet sie den Rücken von Vegas ab. Das etwa siebenjährige Pferd ist noch in der Ausbildung beim Reiten und hatte einen Unfall.

„Das macht die Dressur schwierig“, sagt Besitzerin Nadine Fasselt und hat Pferde-Physiotherapeutin Laura Stern zu Hilfe gerufen. Seit November vergangenen Jahres arbeitet Laura mit dem Pferd. Viel Kraft braucht die 27-Jährige nicht: „Man muss geschickt sein und physikalische Kräfte mit und für sich arbeiten lassen“, sagt sie.

Ein Bild vom Patienten machen

Wenn sie im Einsatz ist, macht sie sich zunächst ein Bild von ihrem Patienten. Ein paar Eckdaten werden vor der Behandlung am Telefon eingeholt. Sie spricht mit Tierarzt, mit Osteopathen und gegebenenfalls auch dem Hufschmied. „Auch die Besitzer selbst können das Tier meist gut einschätzen“, meint sie. Manchmal haben ihre „Patienten“, wie sie die Pferde stets nennt, unscheinbare Probleme. Diese können aber viel ausmachen.

Nadine Fasselt führt ihr Pferd Vegas zur Therapie.
Foto: Marie-Therese Gewert

So kommen auch Patienten zu ihr, die ein posttraumatisches Ereignis oder eine OP hatten. „Physiotherapie wird immer und in jedem Alter bei Pferden gebraucht“, sagt die gebürtige Schermbeckerin, die hier auch zur Gesamtschule ging und dann überlegte, Tiermedizin zu studieren. „Ich merkte, dass es nicht so ist, wie ich arbeiten möchte“.

2,5 Jahre Ausbildung zu Pferde-Physiotherapeutin

So wurde sie Tierpflegerin im Zoo. Zweieinhalb Jahre zog es sie nach Kiel, wo sie ihre Ausbildung zur Pferde-Physiotherapeutin absolvierte. Doch dann zog es sie zurück zu ihren Wurzeln nach Schermbeck.

Anfang des Jahres meldete sie ihr Kleingewerbe an. Dennoch möchte sie nicht stehen bleiben und macht aktuell noch eine weitere Ausbildung im Fach „Ernährungsberatung und Weidemanagement“, was sie 2021 abschließen wird. So möchte sie ihre Patienten ganzheitlich bei Heilungsprozessen unterstützen.

„Wenn ein Pferd erst kaum eine Bewegung machen kann und dann in die Biegung selbst reinkommt, hat das Pferd es verstanden“, sagt Laura Stern. Für das Pferd entlastend und erleichternd. „So aktiviert das Pferd seine Selbstheilungskräfte.“

„Man ist schon stolz“

Wenn Pferde einen Stück des Weges Hilfe zulassen, können sie den Rest des Weges allein gehen. „Da ist man dann schon stolz, auch wenn man keine Wunderheilung erwarten kann“, erklärt Laura.

Mit wenig Kraft viel bewirken.
Foto: Marie-Therese Gewert

Ihrem Unternehmen hat sie den Namen „Gangart“ gegeben. „Gang steht dafür, wie sich das Tier bewegt und wie es geht. Art meint die Art der Fortbewegung“. Ihr Logo zeigt einen Pferderücken. Schlicht und einprägsam. Bei Vegas machte sie so zunächst eine Gangbild-Analyse, näherte sich dem Tier vorsichtig an.

Pferderücken als Logo

Anfangs spürte Laura, wie das etwa 500 Kilogramm schwere Pferd dachte: Ich bringe dich um, wenn du was Falsches machst. Kurz fürchtete sie: „Dieses Pferd wird mein Ende sein.“ War es aber nicht. Vegas spürte schnell, dass Laura ihr nur Gutes will – und so war der Bann gebrochen.

Sie streckt vorsichtig die Vorderhand des Pferdes. „Es ist etwas verspannt, aber das Rechte war immer schon das Problem-Beinchen“, sagt Laura. Dann massiert sie das Tier und klebt noch ein Tape an. So wird Vegas stabil gehalten.

„Seit Laura da ist, ist es schon deutlich besser geworden“, freut sich Nadine Fasselt. „Vegas macht eindeutig Fortschritte“. Das freut am Ende nicht nur die Besitzerin und Laura Stern, sondern sicher auch Vegas selbst.

Text und Fotos: Marie-Therese Gewert

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André Elschenbroich
Moin, ich bin André Elschenbroich. Vielen bekannt unter dem Namen Elsch. Der Eine oder Andere verbindet mich noch mit der WAZ, bei der ich 1988 als freiberuflicher Fotojournalist anfing und bis zur Schließung 2013 blieb. Darüber hinaus war ich in ganz Dorsten und der Region gleichzeitig auch für den Stadtspiegel unterwegs. Nachdem die WAZ dicht machte, habe ich es in anderen Städten versucht, doch es war nicht mehr dasselbe. In über 25 Jahren sind mir Dorsten, Schermbeck und Raesfeld mit ihren Menschen ans Herz gewachsen. Als gebürtiger Dorstener Junge merkte ich schnell: Ich möchte nirgendwo anders hin. Hier ist meine Heimat – und so freut es mich, dass ich jetzt als festangestellter Reporter die Heimatmedien mit multimedialen Inhalten aus unserer Heimat bereichern kann.

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