Im Schermbecker Rathaus wurde das ZEELINK-Projekt vorgestellt

Schermbeck Wegen einer Panne in der Ankündigung kamen zur ersten Informationsveranstaltung über die geplante Erdgasleitung „ZEELINK“ am 26. Februar nur etwa 80 Personen ins Ramirez. Der Schermbecker Gemeindeverwaltung gelang es, die für den Bau des ZEELINK-Projektes zuständige Firma „Open Grid Europe GmbH“ für eine zweite Veranstaltung ins Rathaus zu gewinnen.

Mit einer Missstimmung begann am Donnerstagabend die Versammlung im Begegnungszentrum. Die Stuhlreihen, welche die Verwaltung am Morgen für eine zentrale Information aufgestellt hatte, waren bis zum Abend von den etwa zwölf Mitarbeitern der Firma entfernt worden, weil man in Kleingruppen an Tafeln mit Anschauungsmaterialien informieren wollte. Nach Protesten seitens des Schermbecker Ortslandwirts Rainer Kremer einigte man sich auf einen Kompromiss: Nach 45-minütigen Gesprächen in Kleingruppen ging es mit einer Fragestunde im Plenum weiter.

 An den Schautafeln wurde die ZEELINK-Fernleitung vorgestellt. Verantwortlich für die Planung ist die Firma „Open Grid Europe GmbH“, die rund 600 Millionen Euro investiert und dabei das deutsche Erdgasnetz an das LNG-Terminal in Zeebrügge anschließt. Es ist eines der wichtigsten Projekte im Nationalen Entwicklungsplan (NEP) Gas 2015. Auf dem Weg von Aachen nach Legden in Westfalen führt die spätere Leitung auf einer Länge von 215 Kilometern durch NRW. Den Kreis Wesel berührt die Leitungstrasse zwischen Kamp-Lintfort und Schermbeck. Drei Trassen wurden auf großmaßstäblichen Karten ausgewiesen. Die favorisierte Trasse berührt Drevenack, Schermbeck und Raesfeld. Aus diesen drei Gemeinden kamen fast alle Besucher der Infoveranstaltung.

Keine Trasse ist bislang von irgendeiner Behörde oder Kommune gebilligt worden, weil das Raumordnungsverfahren erst im kommenden Monat beginnt. Für die Bewertung des Kreis Weseler Trassenteiles ist die Bezirksregierung in Münster zuständig. Im Rahmen dieses Verfahrens wird die Raumverträglichkeit geprüft. Die zuständigen Behörden, die berührten Kommunen und die Träger öffentlicher Belange können das Projekt bewerten.

Im Begegnungszentrum wurde es Donnerstagabend eng, als die geplante Erdgasleitung „ZEELINK“ von Mitarbeitern Firma „Open Grid Europe GmbH“ vorgestellt wurde. Foto: Helmut Scheffler
Im Begegnungszentrum wurde es Donnerstagabend eng, als die geplante Erdgasleitung „ZEELINK“ von Mitarbeitern Firma „Open Grid Europe GmbH“ vorgestellt wurde. Foto: Helmut Scheffler

Die Zuhörer – überwiegend Landwirte – gaben den Planern am Donnerstag eine ganze Reihe von Bedenken mit auf den Weg. Der Drevenacker Arndt Terstegen ließ sich von den Firmenvertretern die Prioritätenliste im Raumordnungsverfahren erklären, bevor er eindringlich vor den Gefahren einer Gasleitung in der Nähe von Siedlungen warnte und das existierende Sicherheitskonzept hinterfragte. „Ein gewachsner Boden wird nach der Verlegung der Leitung nie wieder ein gewachsener Boden sein“,  beschrieb der Wachtenbrinker Landwirt Dieter Sondermann die Auswirkungen auf das Erdreich und verwies auf die Beeinträchtigungen des Wasserhaushaltes, wenn bestehende Dränagen durch eine Leitung gequert würden. Der Dämmerwalder Landwirt Hermann Nienhaus machte am Beispiel einer in den 1950er-Jahren verlegten Ölleitung durch den Dämmerwald deutlich, wie schlecht bereits nach wenigen Jahren bei Beeinträchtigungen des Bodens die Kommunikation mit dem Betreiber gewesen sei. Mehrere Besucher monierten, dass die staatlichen Flächen in der Lippeaue und im Dämmerwald geschont würden, während man das Land von Privatpersonen belaste. Landwirt Dirk Buchmann rief die Besucher in dem Zusammenhang dazu auf, mehr Druck auf den Gesetzgeber auszuüben. Landwirt und Hünxer CDU-Ratsmitglied Arnd Cappell-Höpken empfahl, die Erdgasleitung entlang vorhandener Leitungstrassen zu verlegen. Gefordert wurde auch, eine bereits stillgelegte Erdölleitung zu entfernen und den Trassenverlauf für die neue Erdgasleitung zu nutzen.

Im Begegnungszentrum wurde es Donnerstagabend eng, als die geplante Erdgasleitung „ZEELINK“ von Mitarbeitern Firma „Open Grid Europe GmbH“ vorgestellt wurde. Foto: Helmut Scheffler
Im Begegnungszentrum wurde es Donnerstagabend eng, als die geplante Erdgasleitung „ZEELINK“ von Mitarbeitern Firma „Open Grid Europe GmbH“ vorgestellt wurde. Foto: Helmut Scheffler

Bürgermeister Rexforth bat die Ortslandwirte aus Schermbeck, Drevenack und Raesfeld, sämtliche Bedenken ihres Berufsstandes zu bündeln und der Verwaltung einzureichen, damit die Bedenken in die gemeindliche Bewertung des Projektes im Rahmen der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange  einfließen können.

Über das Projekt kann man sich auch über die Website www.zeelink.de informieren.  Seit November 2015 informiert ein Online Newsletter quartalsweise in fünf Rubriken über den aktuellen Projektstand. Der Newsletter kann kostenlos per E-Mail abonniert werden und ist unter www.zeelink.de jederzeit abrufbar.

Die Firma rechnet damit, dass mit dem anschließenden Planfeststellungsverfahren Mitte 2017 begonnen werden kann und dass die Bagger frühestens 2019 mit der Arbeit beginnen können. Die Inbetriebnahme der Leitung ist für den 31. März 2021 geplant.

Sobald die Trasse festliegt, werden konkrete Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern und Bewirtschaftern geführt. Die Leitungstrasse für die 120 Zentimeter dicke Leitung wird zehn Meter breit sein und grundbuchlich gesichert werden. H.Scheffler

Die Besucher der Informationsveranstaltung im Ramirez interessierten sich am Donnerstag vor allem für die geplanten Trassenführungen. Foto: Helmut Scheffler
Die Besucher der Informationsveranstaltung im Ramirez interessierten sich am Donnerstag vor allem für die geplanten Trassenführungen. Foto: Helmut Scheffler
Die Besucher der Informationsveranstaltung im Ramirez interessierten sich am Donnerstag vor allem für die geplanten Trassenführungen. Foto: Helmut Scheffler
Die Besucher der Informationsveranstaltung im Ramirez interessierten sich am Donnerstag vor allem für die geplanten Trassenführungen. Foto: Helmut Scheffler

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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