„Undeutsch? Jüdische Musik verfemt in Zeiten des Dritten Reichs“

Konzert, Fahrradtour und historischer Rundgang durch Schermbeck, Sonntag, 23. September, ab 10 Uhr.

Verboten lautet das Motto der Muziek Biennale Niederrhein 2018, die hören lässt, welches musikalische Regelwerk sich die Kulturen einst und jetzt auferlegt haben, um ihren Weltanschauungen Ausdruck zu verleihen: In rund fünfzig Konzerten spürt das Festivalprogramm auf, wo einst die Grenzen zwischen dem „sich Gehörenden“ und „Unerhörten“ verliefen und wann in der Geschichte ihre Überwindung Freiräume für neue Kunstformen geöffnet hat.

Enzyklopädie der „Hörverbote“

Diese einzigartige musikalische Enzyklopädie der „Hörverbote“ führt den Festivalbesucher zurück zu den Wurzeln seiner Geschmacksprägung, gibt Einblicke in die Wertesysteme anderer Kulturen und weitet den Horizont für die Vielfalt der künstlerischen Entwicklungsmöglichkeiten in einer pluralistischen Gesellschaft.

In diesem Sinne lädt die Gemeinde Schermbeck zu einem außergewöhnlichen Konzertsonntag.

Unter dem Titel „Undeutsch? Jüdische Musik verfemt in Zeiten des Dritten Reichs“ erinnert das Morgenstern Trio an die dunkle Zeit, in der jüdische und alle regimefeindlichen Künstler als entartet, ihre Werke zu Unkultur deklariert worden waren.

Konzert

In der Konzertkirche Schermbecks, der evangelischen St. Georgskirche, bringt das 2005 an der Essener Folkwang Hochschule gegründete Ensemble am 23. September um 17 Uhr Felix Mendelssohn-Bartholdys Klaviertrio op. 49 in d-moll zu Gehör. Es ist das erste Klavierwerk des Komponisten, und er selbst brachte es in seiner Funktion als Dirigent des Leipziger Gewandhauses 1840 zu Uraufführung.

Nicht Wehmut oder Sentimentalität sind die tragenden Elemente des Ensembles beim Spiel des Meldelssohns-Werks, sondern Respekt, sinfonische Dichte, unüberhörbare Neugier sowie die Lust am gemeinsam Ausdruck, die auch bei der Interpretation des „romantischen“ Gesamtrepertoires des Abends spürbar wird und dem sich der Zuhörer nicht entziehen kann.
Entsprechend gestaltet sich auch das um 10 Uhr beginnende Vorprogramm dieses außergewöhnlichen Programms, das Einblick gibt in die Geschichte der jüdischen Bevölkerung des rund 14 000 Einwohner zählenden Ortes gibt und bei dem so manches im Verborgenen schlummerndes ans Licht bringen wird.

Denn die Schermbecker sind Grenzgänger! Zwischen Schermbeck und Altschermbeck treffen Regionen und Konfessionen aufeinander: Münsterland und Niederrhein, Westfalen und Rheinland, Katholiken und Protestanten. Unsichtbar sind sie zwar, diese Grenzen, aber dennoch spürbar – bergen Legenden und Geschichten von Verboten.

Auf einer geführten Fahrradtour Richtung Schermbeck-Damm „erfährt“ man von diesen Grenzgeschichten sowie auch von einer Kuriosität, dem vermutlich kleinsten Strommuseum der Welt, das in einer ehemaligen Trafostation untergebracht ist. Bei der anschließenden Führung durch den mittelalterlichen Ortskern Schermbecks wird dem Jüdischen Friedhof besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die Gedenktafeln und Denkmale auf den Gräbern sind „steinerne“ Zeugnisse der jüdischen Geschichte des Ortes, der einst größten jüdischen Gemeinde am Niederrhein.

So 23. September 2018 UNDEUTSCH?

„Jüdische Musik“ verfemt in den Zeiten des Dritten Reichs
Konzert, Fahrradtour und historischer Rundgang durch Schermbeck
10 Uhr – 16 Uhr: Geführte Fahrradtour und historischer Rundgang
10 Uhr: Treffpunkt auf dem Parkplatz des Schermbecker Rathauses, Weseler Str. 2
Länge der Fahrradtour: 12 km
17 Uhr: Konzert des Morgenstern Trios in der St. Georgskirche
Tickets
Gesamtpaket (Führungen, Snacks und Mittagsimbiss) 65,- € ohne Fahrradleihe
Für das Konzert in der St. Georgskirche wird eine Spende erbeten.
Buchung und Tour- Information

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