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Kindeswohlgefährdungen weiterhin auf hohem Niveau

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In 45 % aller Fälle von Kindeswohlgefährdung hatten die Behörden Anzeichen von Vernachlässigung festgestellt.

Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen ist – nach ihrem Höchststand im ersten Corona-Jahr 2020 – im zweiten Jahr der Pandemie leicht gesunken

2021 haben die Jugendämter in Deutschland bei über 59 900 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung (NRW 7.411) durch Vernachlässigung, psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt festgestellt. Das waren rund 600 Fälle oder 1 % weniger als im Vorjahr.

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, sind die Fälle, bei denen die Behörden nach Prüfung des Verdachts zwar keine Kindeswohlgefährdung, aber einen Hilfebedarf festgestellt haben, gleichzeitig um knapp 2 % gestiegen (+ 1 100 Fälle): 2021 meldeten die Jugendämter fast 67 700 Fälle von Hilfebedarf.

Kindeswohlgefährdung 2022

Höchststand seit 2012

Im zweiten Corona-Jahr haben die Kindeswohlgefährdungen damit den zweithöchsten Wert seit Einführung der Statistik im Jahr 2012, sowie die Fälle von Hilfebedarf einen neuen Höchststand erreicht. Sie sind um rund 22 300 Fälle oder 58 % gestiegen, und zwar ab 2018 besonders stark. 

Jedes zweite gefährdete Kind war jünger als acht, jedes vierte sogar jünger als vier Jahre

Etwa jedes zweite der rund 59 900 von einer Kindeswohlgefährdung betroffenen Kinder war jünger als acht Jahre (49 %), jedes vierte sogar jünger als vier Jahre (25 %).

Während Jungen bis zum Alter von 11 Jahren etwas häufiger betroffen waren, galt dies ab dem 12. Lebensjahr für die Mädchen. Die meisten Minderjährigen wuchsen bei alleinerziehenden Müttern oder Vätern (42 %), bei beiden Eltern gemeinsam (38 %) oder bei einem Elternteil in neuer Partnerschaft auf (11 %).

Die Hälfte der betroffenen Jungen und Mädchen nahm zum Zeitpunkt der Gefährdungseinschätzung bereits eine Leistung der Kinder- und Jugendhilfe in Anspruch und stand somit schon im Kontakt zum Hilfesystem.

In gut jedem fünften Fall wurden mehrere Arten von Vernachlässigung oder Gewalt festgestellt

  • In 45 % aller Fälle von Kindeswohlgefährdung hatten die Behörden Anzeichen von Vernachlässigung festgestellt. Bei knapp einem Fünftel (18 %) gab es Hinweise auf psychische Misshandlungen.
  • In 13 % wurden Indizien für körperliche Misshandlungen und
  • in weiteren 4 % Anzeichen für sexuelle Gewalt gefunden. Darüber hinaus meldeten die Jugendämter auch Kinder und Jugendliche, bei denen nicht nur eine, sondern mehrere dieser Arten von Vernachlässigung oder Gewalt gleichzeitig festgestellt wurden.

2021 traf dies auf etwa jeden fünften Fall von Kindeswohlgefährdung zu (21 %). Am häufigsten waren darunter zwei Kombinationen: Vernachlässigungen und psychische Misshandlungen (7 %) sowie körperliche und psychische Misshandlungen (6 %).

Kindeswohl Gefährdung 2021

Die meisten Hinweise kamen von Polizei und Justiz, die zuverlässigsten von den Kindern

Die meisten der rund 197 800 Gefährdungseinschätzungen wurden im Jahr 2021 von Polizei oder Justizbehörden angeregt (28 %). Etwas seltener kamen die Hinweise auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung aus der Bevölkerung -also von Verwandten, Bekannten, Nachbarn oder anonym (25 %).

Danach folgten Einrichtungen und Dienste der Kinder- und Jugendhilfe, Erziehungshilfe u. a. (13 %).

Jeweils etwa ein Zehntel der Hinweise auf die Gefährdungssituation gaben die Schulen (10 %) und die Familien selbst, also die betroffenen Minderjährigen (2 %) oder deren Eltern (7 %) an.

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