Brunnenbesitzer ärgern sich im Raum Schermbeck über die Nitratbelastung in ihrem Wasser

Der VSR-Gewässerschutz ruft alle Menschen auf bewusster einzukaufen und so Einfluss darauf zu nehmen wie unsere Landwirtschaft aussieht. Jeder einzelne kann dazu beitragen.

Der VSR-Gewässerschutz e.V musste leider wieder Bürgern mitteilen, dass ihr Brunnenwasser zu viel Nitrat enthält.

Harald Gülzow
Harald Gülzow (links im Bild) nimmt eine Wasserprobe von einer Brunnennutzerin (rechts im Bild) am Labormobil entgegen.

Schermbeck/Dorsten/Erle(pd VSR-Gewässerschutz ). Keine guten Nachrichten nach den Brunnenwasseruntersuchungen in Schermbeck am 2. September.

Viele Menschen seien in der Hoffnung zu den Info-Stand gekommen, dass ihr Brunnenwasser keine erhöhten Nitratwerte aufweisen. Insgesamt wurde das Wasser von 56 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Schermbeck – Dorsten von Physiker Harald Gülzow, Projektleiter im VSR-Gewässerschutz, und Milan Toups analysiert.

Etwa jeder vierte Brunnenbesitzer wurde enttäuscht und musste erfahren, dass der Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter in seinem Brunnen überschritten ist.

Ein Grund für die hohen Belastungen sei laut VSR-Gewässerschutz die intensive Landwirtschaft. Diese habe sich in den letzten Jahrzehnten immer weiter ausgebreitet.

Fotos: VSR-Gewässerschutz

„Die bisherigen Düngeverordnungen ermöglichten der Agrarindustrie zu wachsen und ihre landwirtschaftlichen Flächen auf Kosten der Umwelt zu überdüngen.“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Die umweltverträgliche Form der Landwirtschaft, zu der viele bäuerlichen Betriebe zählen, verschwinden dagegen immer mehr. Die Gewässerschutzorganisation rät Bürgern bei ihrem Einkauf bewusst darauf zu achten, dass die Produkte von Landwirten stammen, welche die Nitratbelastungen und die Sorgen der Menschen in der Region ernst nehmen.

Erhöhte Nitratwerte in mehren Ortsteilen

Dipl. Phys. Harald Gülzow, Projektleiter im VSR-Gewässerschutz und Milan Toups, Bundesfreiwilliger fanden bei den Untersuchungen 120 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Rhade.

Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Erle mit 73 Milligramm pro Liter (mg/l), Üfte mit 105 mg/l, in Altschermbeck mit 89 mg/l, in Schermbeck mit 98 mg/l, Besten mit 84 mg/l und in Holsterhausen mit 76 mg/l fest.

Wütende Brunnenbesitzer

Am Informationsstand und auch bei der telefonischen Beratung zeigten viele Brunnenbesitzer, dass sie über die Nitratbelastungen der Region wütend sind. Sie möchten es nicht mehr einfach hinnehmen, dass ihr Brunnenwasser nur eingeschränkt nutzbar ist. Ärgerlich ist insbesondere, dass das Wasser nicht zum Befüllen von Gartenteichen geeignet ist. Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt.

Milan Toups und Harald Gülzow entnehmen einer Flasche mit Brunn
Milan Toups (links) (Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst) und Harald Gülzow (Projektleiter) analysieren eine Brunnenwasserprobe im Labormobil vom VSR-Gewässerschutz e.V.. VSR-Gewässerschutz

Abgestorbene Pflanzen können anschließend zu Fischsterben führen. Auch beim Gießen des selbst angebauten Gemüses sollte das Brunnenwasser nicht zu einer Nitratanreicherung führen. Der einzelne Brunnenbesitzer kann eine Anreicherung vermeiden, wenn er die Nitratbelastung des Brunnenwassers in die Düngeberechnung einbezieht. Hierfür ist es allerdings dringend nötig die Nitratkonzentration im Brunnenwasser zu kennen.

Neue und lasche Düngeverordnung

Die erneut anstehende Novellierung der Düngeverordnung zeigt, dass etwas mächtig schief  gelaufen ist. Die Nitratbelastung im Grundwasser blieb aufgrund von zu laschen Düngeverordnungen unverändert hoch. „Die Agrarlobby sorgte über Jahrzehnte dafür, dass so gedüngt werden durfte, dass auf den Feldern die höchst möglichen Erträge erzielt werden können und die Gülleentsorgung der Massentierhaltungen möglichst geringe Kosten verursacht.“ so Susanne Bareiß-Gülzow.

Extremer Preisdruck auf landwirtschaftliche Betriebe

So wurden auch im Raum Schermbeck viel zu hohe Düngemengen aufgebracht. Durch die Entwicklung in der Landwirtschaft zu immer größeren Betrieben in denen Investoren die Vorgaben machen, kam ein extremer Preisdruck auf die bäuerliche Landwirtschaft zu.

Teilweise versuchte diese mit den großen Betrieben mitzuhalten und genau so günstig zu produzieren. Leider kam es dadurch ebenfalls zu starken Grundwasserbelastungen. Doch eine regionale Vermarktung stellt nun für diese Betriebe eine gute Chance dar wieder stärker die Lebensmittelqualität und eine umweltverträgliche Landwirtschaft in den Vordergrund zu stellen.

Produkte vom heimischen Landwirt

„Gerade die vielen Massentierhaltungen und ihre enorme Belastung für das Grundwasser wollen viele Menschen nicht mehr unterstützen und kaufen ihre Produkte bei ihrem heimischen Landwirt mit dem sie im Kontakt stehen. Das sind bäuerliche Betriebe mit weniger Tieren. Das Futter wird selbst oder von anderen Landwirten in der Region angebaut“, so Susanne Bareiß-Gülzow.

Viele dieser Höfe haben inzwischen auch auf ökologischen Landbau umgestellt. Der direkte Einkauf beim Landwirt wird immer beliebter – die Menschen fahren zum Hofladen, auf den Markt oder lassen sich Lebensmittel nach Hause liefern. Die anderen achten beim Einkauf im Discounter darauf, dass die Produkte aus der heimischen bäuerlichen Landwirtschaft stammen. Die Menschen kaufen in den seltensten Fällen bewusst Produkte einer Massentierhaltung. Denn hier werden sie als Kunde mit ihren Wünschen nicht ernst genommen. Diese produzieren für einen anonymen Handel. Hier spiele die Grundwasserqualität der Region, die Gesundheit der Verbraucher und das Tierwohl nur im gesetzlichen Rahmen eine Rolle, fügt Susanne Bareiß-Gülzow hinzu. Das reicht vielen Verbrauchern nicht mehr aus – sie handeln selbst. Viele kaufen deshalb auch bewusst ökologische Produkte. Hier gelten wesentlich strengere Regeln bezüglich der Tierhaltung und der Düngung auf den Feldern.

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8 KOMMENTARE

  1. Ich finde es traurig, das die Landwirtschaft als eine schlimme Branche da gestellt wird. Sehr einseitig berichtet wird und das NUR die Bauern schuld sein können, ist auch sehr fraglich. Mein Mann ist Landwirt und der beste Hrundsatz von ihm und vielen anderen ist „zu viel wie nötig und so wenig wie möglich!“
    Wie viele Betriebe habt ihr besucht? Mit wie vielen habt ihr gesprochen?
    Warum werden die Kläranlagen nicht heran gezogen, in den Fertighäusern ist ebenfalls Zeug drin, das keiner wissen will. Pestizide usw…. aber darüber redet keiner. Immer schön auf die Bauern eintreten, es ist ja grad so schön einfach!

  2. Denn würde ich empfehlen diese Probenergebnisse mit Entnahmeort zur Landwirtschaftskammer weiter zu geben damit dort mal Bodenproben gezogen werden können. Diese Brunnen sind mit Sicherheit in privaten Gärten und da wurde viel zu viel gedüngt. Wenn man untersucht muss man auch hinterfragen was wurde da mit dem Boden gemacht. Wasser beproben kann jeder! Aber aus was für tiefen wurde die Wasserprobe gezogen? Was sagt das Landesbergbauamt zu den Tiefen der Bodenschichten? Ist der Brunnen genehmigt beim Kreis oder Stadt? Habe selber zwei Brunnen und sind beide genehmigt. Wurden von Profis gebohrt und die wussten auch in was für tiefen welche Bodenarten sind.

  3. Das grenzt schon fast an Satire. Da werden in den Ortschaften Brunnen beprobt, welche meist relativ flach und bis oben gefiltert sind und Schuld an erhöhten Nitratwerten ist dann die Landwirtschaft. Jeder der hier zu hoch ermittelte Werte hat sollte sich mal genau mit der Ursachenvorschung befassen und die Probleme von sich wegschieben. Gerade die Düngung von privaten Gartenflächen ist hier ein riesen Thema, da oft ohne Kenntnis von Bedarf der Pflanzen willkürlich Dünger darauf gehauen wird. Von maroden Abwasserleitungen und Verieselungen möchte man dabei gar nicht erst anfangen.

  4. Ich kann Andre Brösterhaus nur beipflichten. Es ist dasselbe, wie in Hamburg. In Stadtnähe sind die Trinkwasserbrunnen und Messstellen nitratbelastet. Deshalb holen die Hamburger ihr Trinkwasser aus einem Gebiet, wo es außer der -ach so bösen- Landwirtschaft nichts weit und breit gibt.
    Die Städte und hier die Brunnenbesitzer sollten mal mit einer Kamera ihre Abwasseersysteme überprüfen.

  5. Gerade auf durchlässigen Sandböden und bei Kleinkläranlagen, mit einer ,,Verrieselung`, gelangt ja nitrathaltiges Wasser in den Untergrund.Das dann auch sehr auf einer Stelle konzentriert. Das Abwasser einer Kleinkläranlage, hat 200 Mg N/ Liter. Das bedeutet, bei einem Haushalt mit 5 Personen, gelangen 650 Liter in den Untergrund. Pro Person 130 Liter Wasser/ Tag (Bundesdurchschnitt) Das sind 130Gramm N am Tag und 85 kg Sticksoff im Jahr. Das von einer Klärgrube. Wenn da nun ein ganzes Dorf verrieselt wird, entsprechend der Anzahl der Einwohner? Auch das muß mit beachtet werden. Brunnen und Kleinkläranlage mit Verrieselung und ein Brunnen, geht nicht ohne Nitrat.

  6. Sehr geehrte Damen und Herren,
    Das Wasser eines Brunnen, wird wie ein Trichter aus der Umgebung abgezogen, vergleichbar eines Kraters. Wenn der Brunnen oben nur mit einem Betondeckel verschlossen ist, wäre auch noch zu klären, ob von oben Regen und Oberflächenwasser eindringen kann. Ja es gibt Messstellen mit hohen Werten und es besteht Handlungbedarf, aber Wasser im Brunnen kommt aus der unmittelbaren Umgebung, deswegen kritisieren die Bauern zurecht die geringe Messtellendichte. Mit einem Netz, was den Namen Netz verdient, wäre eine faire Ursachenanalyse möglich -so nicht. Auch mitten in Wäldern gibt es hohe Werte, da wird nicht gedüngt. Cloppenburg/Vechta müsste nach der landläufigen Meinung tiefrot sein- ist es aber nicht. Also bitte erst korrekte Beweisaufnahme dann Verhandlung und dann Strafe. Zur Zeit ist die Unschuldsvermutung irgendwie für die Landwirtschaft ausgehebelt.
    Bauern denken in Generationen, nicht an Spenden, Wahlen oder Einschaltquoten

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