Das größte Strommuseum auf kleinstem Raum steht in Schermbeck-Damm –
Eine Zeitreise durch die Geschichte mit Hochspannung

Wenige Quadratmeter groß ist der Innenraum des Trafo-Häuschens. Dafür aber prall gefüllt mit vielen sehenswerten Exponaten rund um Elektrizität und Nostalgie.

SCHERMBECK. „Vorsichtig. Nicht anfassen. Haus steht unter Strom“. Erstaunte Blicke der Besucher, die erschrocken ihre Hände zurückziehen. Auf das Warum, hat der Vorsitzende des Turmverein e. V.  Ernst-Hermann Göbel die Antwort fix parat. „Das ist doch ein Strommuseum“.

Zeitreise durch die Geschichte

Das größten Strommuseum Deutschlands in Schermbeck-Damm ist eine kleine Schatzkiste. Hier gehen die Besucher auf eine Zeitreise durch die Elektrizitätsgeschichte. Beispiele aus der Alltags- und Arbeitswelt zeigen, wie der Einsatz von Strom das tägliche Leben verändert hat.

Hermann Göbel am kleinsten Strommuseum in Schermbeck Damm

In dem historischen Trafo-Häuschen am Elsenberg,welches auf den ersten Blick von seiner Form an eine kleine Kapelle erinnert, können die Besucher eine Zeitreise machen zwischen Bügeleisen, Grammofone und vieles mehr. Hier gibt es mehr zu sehen als Trafos und Umspanntechnik.

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Günther Friedrich aus Wesel  testet ein Head-Set aus den Anfängen der modernen Telekommunikation.

Das Museum bietet rund 600 kleine und umfangreiche Exponate zur Geschichte der Elektrifizierung. Darunter viele Strom-Unikate, wie das beleuchtete Stopfei aus dem Jahre 1938 von Bundeskanzler Konrad Adenauer. Gabriele und Günther Friedrich aus Wesel schauten zum ersten Mal am Sonntag vorbei.

Ein Besuch im kleinsten Strommuseum Deutschlands
Altes Bügeleisen mit einem riesigen Wassertank …
Anfassen erlaubt

Sie waren gezielt angereist und zeigten sich nach gut einer Stunde mehr als begeistert, über das, was sie auf kleinstem Raum geboten bekamen. Besonders gefiel den Weselern, dass die Exponate alle zum Anfassen und nicht hinter Glas waren. „Toll, was hier alles zusammengetragen ist“, schwärmte die Weselerin.

Hochspannung im Strommuseum Damm
Das beleuchtete Stopfei, erfunden von Konrad Adenauer, gehört mit zu den seltenen Raritäten im Museum.

Während sie bei den alten Haushaltsgeräten in Erinnerung schwelgte, interessierte sich ihr Mann für die technischen Details. Seine Aufmerksamkeit fiel schnell auf ein altes Head-Set im Regal.

„Daran kann ich mich noch gut erinnern“, sagte er und setzte sich das Gerät mit den vielen Strippen kurzerhand auf den Kopf. „Für mich als ehemaliger Fernmeldemonteur ist alles, was mit Elektrizität zu tun hat, interessant. Hier bin ich genau richtig“.

Ein Besuch im kleinsten Strommuseum Deutschlands
Stereo-Sound mit Laut- und Leiseknöpfe
Die Hochspannung steigt

Die Spannung, oder „Hochspannung“ im Trafo-Häuschen steigt immer dann, wenn Ernst-Hermann Göbel, Vorsitzender des Turmvereins e. V. anfängt, Geschichten über die verschiedensten Geräte zu erzählen.

Wahr oder nicht wahr? Für jedes Teilchen, egal ob Steckdose, Föhn oder Toaster, Ernst-Hermann Göbel hat zu allem etwas zu sagen und zu erklären. Besonders beliebt sei die Geschichte über das erste elektrische Massagegerät, welches, so Göbel, in den 1920er Jahren ein breites Anwendungsgebiet fand.

Hochspannung im Strommuseum Schermbeck Damm
Bei jeder Krankheit einsetzbar…. notfalls auch zum Ondulieren der Haare
Massagegeräte für alle Wehwehchen

Hochfrequente Wechselströme von 10 kHz brachten die gläsernen Elektroden zum Leuchten. „Es half bei Kopfschmerzen und Hysterie, Zahnschmerzen und Haarausfall, Würmer im Mastdarm und Impotenz.

Für jede Krankheit gab es abenteuerlich geformte Elektroden, die über die erkrankten Körperteile gestrichen oder in den Körper eingeführt werden konnten“, erklärt Göbel und streicht sich mit dem Massagestab über seinen Kopf. „Vielleicht half es auch gegen Haarausfall“.

Strommuseum Schermbeck

In regelmäßigen Abständen am ersten Sonntag im Monat hat das Strommuseum in der Zeit von 11.30 bis 16 Uhr geöffnet. Zum symbolischen Preis von einem Euro verkaufte 2009 RWE das Umspannhaus in Schermbeck-Damm. Es wird gefördert von der NRW-Stiftung und ist dem Naturpark Partner Hohe Mark Westmünsterland e. V. angeschlossen.

Mittlerweile hat es sich zu einem regelrechten Schatzkästchen entwickelt und ein beliebter Anlaufpunkt für Fahrradgruppen, Kindergärten und Schulklassen sowie Besucher aus nah und fern. „Wir wollten von Anfang an mit unserem Turmprojekt und Verein in aller Munde sein. Das ist uns gelungen“, so Göbel.

Hochgeistiges aus dem Trafo-Häuschen

Hochspannung im Strommuseum Damm

Im nächsten Jahr feiert der Turmbauverein, der mittlerweile 430 Mitglieder hat, sein zehnjähriges Jubiläum. Das Wappen des Vereins, ein Dammer Ochse auf grünem Grund, ist eine eingetragene Marke, ebenso wie der Turmkäse, das Turmbier und die drei Turmschnäpse – Gleich-, Wechsel- und Drehstrom.

Spenden gut angelegt

Der Erlös aus den regelmäßigen Festen und den Mitgliedsbeiträgen kommen caritativen Zwecken, wie Ärzte ohne Grenzen zugute, oder fließt in Schermbecker Vereine.

Kleinstes-Strommuseum-in-Deutschland

Info: Die RWE signalisierte 2007 die Bereitschaft, das Gebäude den Dammern mit allen Pflichten und Rechten zu überlassen. Im April 2009 fand die erste Gründungsversammlung mit zehn Mitgliedern statt und im November 2009 wurde der Kauf des ehemaligen Trafo-Häuschens zwischen dem Verein und dem bisherigen Eigentümer RWE notariell besiegelt.

Strommuseum Trafo-Haeuschen in Schermbeck

Termin
Am Samstag, 8. September ab 15 Uhr findet das jährliche Turmfest im Jugendhaus am Elsenberg, unter dem Motto „Kunst am Turm“, statt.

Weitere Infos unter: Turmverein Damm e. V..de
Petra Bosse

 

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