Herzblut für die Heimat –  Mike Rexforth. Ein Bürgermeister mit Bodenhaftung

Das etwas andere Interview mit dem Bürgermeister führte Marie-Therese Gewert

Schermbeck. Er trägt eine blaue Jeans. Ein weißes Hemd und weiße Schuhe: Mike Rexforth. 48 Jahre alt. Bürgermeister von Schermbeck.

Ich begegne ihm an einem Sommertag im Juli. Mitten im Rathaus, im politischen Herzen des Ortes. Aufgeschlossen bittet er mich in sein Büro. Durch die Fenster ist der Mühlenteich zu sehen.

Bürgermeister von Schermbeck Mike Rexforth.

Im Büro selbst scheint alles schon ein bisschen in die Jahre gekommen zu sein: Ein fleckiger Teppich. Ein großer Tisch mit alten Stühlen. Weiter hinten ein Schreibtisch auf dem sich Zettel und Dokumente stapeln. Er schaut darauf: „Ich möchte wissen, worüber ich rede“, begründet er das augenscheinliche Chaos.

Ein Büro mit Leben gefüllt

Ein genauer Blick hinter die Kulissen verrät: Hier steckt mehr drin, als Beobachter auf den ersten Blick ahnen. Rexforth füllt sein Büro mit Leben. Fotos seiner Familie sind aufgestellt. Beruf und Leidenschaft verbinden sich in diesem Raum. Ein Anzeichen dafür ist auch der Schallplattenspieler. Rexforth verrät: „Ich bin ein Jäger und Sammler. Ich sammle Musik“. Seine Schwäche. „Meine Frau sagt: Jetzt reicht`s. Ich sage: Es reicht nie“.

Bürgermeister von Schermbeck Mike Rexforth.

Mit Heinz-Bernd Töns vom Vinyl-Café „Schwarzes Gold“ in Dorsten ist der Familienvater gut befreundet – gelegentlich tauschen sie Platten aus. Als CDs auf den Markt kamen, gab er seine damalige Sammlung ab. „Ein Fehler“, sagt er heute.

Mühsam suchte er zahlreiche Exemplare wieder zusammen. An die 20.000 Schallplatten habe er nun in seiner Sammlung. Angefangen von Vinyl-Platten aus den 60-er Jahren bis in die heutige Zeit. Von Rock, Pop, Blues bis hin zu Mainstream und darüber hinaus. „Ich bin offen für Neues und Unbekanntes“. Ein kleiner Teil davon verbirgt sich in den Schränken seines Büros.

Bürgermeister von Schermbeck Mike Rexforth.

Melodien im Herzen

Wenn er seine Reden selbst schreibt, ohne Ghostwriter, hört er am liebsten Sting. „Der ist ruhiger“. Als Kind der 80-er Jahre ist der „Boss von Schermbeck“ ein großer Fan vom „Boss“ Bruce Springsteen. Auf rund zehn Konzerten von ihm war er. Mit seiner Frau besucht er regelmäßig das „Halderner“ Pop Festival. Er hat Musik im Ohr, Melodien im Herzen und Geschichten im Kopf. „Mit den Detektiven aus Die-Drei-Fragezeichen bin ich groß geworden.“ Drei von 192 Hörspielkassetten fehlen noch.

Bürgermeister von Schermbeck Mike Rexforth.

Auf Nummer sicher gehen

In einer Ecke hinter der Tür steht eine weiße Gitarre. Mit einem Autogramm von Angela Merkel. „Das ist eine weitere Leidenschaft von mir“, gesteht er. Der Vater von fünf Kindern sammelt Gitarren. Spielen kann er sie nicht. Als Kind stand er immer auf dem Fußballplatz. Bei jedem Wetter kickte er den Ball für den SV Schermbeck – und er war gut. Hätte auch in Vereinen der höheren Liga spielen können, wollte aber privat und beruflich auf Nummer sicher gehen – und blieb. Den SV Schermbeck begleitet er fast 35 Jahre seines Lebens. Nach seiner Zeit als Fußballspieler trainierte er die Jugend, wofür Rexforth den Ehrenamtspreis des Deutschen Fußballbundes erhielt.

Der perfekte Mann

Mike Rexforth wirkt wie ein optimistischer Mann, der andere mitreißen kann. Wie ihn seine Frau beschreiben würde? „Keine Ahnung“. Kurzerhand ruft er sie an. „Er ist liebevoll, aufmerksam, herzlich“, sagt sie am Telefon. „Der perfekte Mann“. Nicht viel anders spricht er von ihr als Anker. Er ist zum zweiten Mal verheiratet. Kommt mit der Mutter seiner drei ersten Kinder noch heute gut klar.

Bürgermeister Rexforth als Familienmensch

Der Familienmensch versteht sich auch mit seinen Bürgermeister-Kompagnons der umliegenden Orte. Freundschaftlich und kollegial. In enger Zusammenarbeit denken sie über Lösungen für die Region nach. Er könnte sich auch vorstellen, mit ihnen zu grillen. Aber: „Wenn ich mich auch noch in meiner Freizeit mit ihnen treffen würde, würde meine Frau sich sicher beschweren“, meint er. Sie sieht ihm schon an, wenn seine Gedanken zuhause wieder um Politik und Probleme kreisen und er den Kopf nicht leer bekommt.

Bekennender Tatortfan

Als Bürgermeister bleibe ihm ohnehin weniger Zeit für seine Familie als ihm lieb ist. „Tina trägt das alles mit“, sagt er. Einmal in der Woche schaltet der bekennende Tatortfan sonntagabends den Fernseher an, um mit ihr auf der Couch die Kommissare auf Spurensuche zu begleiten.

Mit seinem Vater züchtete er einst Tauben. In der Natur kann er am besten von der Arbeit abschalten – beim Angeln oder auf langen Spaziergängen mit seinem Hund. Bei Action-Filmen im Kino. „Der Pate“ ist einer seiner Lieblinge. Dieses verruchte Leben, die Verstrickungen der spannenden Schattenwelt. Das interessiert ihn. Ebenso wie „Stand by me“, „E.T.“, aber auch die klassische „Biene Maja“. „Und das Sandmännchen – grandios.“ Das Programm für seine jüngsten Kinder aus zweiter Ehe. Zwei und vier Jahre alt.

Studium in Duisburg

Nach seinem Abitur am St. Ursula Gymnasium in Dorsten trat er einen Zivildienst beim Deutschen Roten Kreuz in Dorsten an. Er studierte in Duisburg, arbeitete währenddessen als Gemeinde-Inspektor-Anwärter in Schermbeck. Nach seinem Abschluss als „Diplom Verwaltungswirt“ blieb er weiterhin in seiner Heimat. Zunächst als Sachbearbeiter im Steueramt, dann als Leiter des Sozialamts und der Finanzverwaltung. Er wurde früh auf Führungspositionen vorbereitet.

Bürgermeister von Schermbeck Mike Rexforth.

Während seiner Station im Sozialamt erlebte er acht Jahre lang die Ängste und Nöte der Menschen hautnah mit. Zu Zeiten der Balkankrise. Flüchtlinge kamen und gingen, was ihm zeigte, wie wichtig Integration ist. „Man lernt, auf Probleme der Menschen nicht mit Bürokratie zu reagieren“. Doch auf manche Dinge bereitet einen keiner vor.

Aufgrund seiner Integrationsprojekte für Flüchtlinge sind er und seine Familie angefeindet und bedroht worden. Eine große Herausforderung für ihn und seine Liebsten. Ein dunkles Kapitel mit rechtspopulistischem Hintergrund und Strafverfolgung, das glücklicherweise überstanden ist.

Fest verwurzelt mit seinem Ort

Politiker seien alle gleich, sagen Politikverdrossene oft. Aber vielleicht gibt es sie noch: diese Politiker, die auf dem Boden bleiben – nie im Rampenlicht stehen wollten, bis ihnen eine solche Aufgabe zugetragen wurde. So war Rexforth bis zu seinem Amtseintritt in keiner Partei. Er weiß, wo sein Platz ist. Ist fest verwurzelt mit seinem Ort.

Mike Rexforth ist in Schermbeck geboren und aufgewachsen. Will seine Heimat voran bringen. Ergebnisse sehen. Zeit mit seiner Familie verbringe. Auch wenn er für seinen Beruf brennt: „Meine Kinder wünschen sich, mich als Papa um sich zu haben.“
„Ich war nie dieser reine Politiker auf dem Weg zum Landtag“, meint er. Auch die Bürgermeister der umliegenden Orte seien nicht so.

Bürgermeister von Schermbeck Mike Rexforth.

Seine Ziele hat er erreicht. Weiter will er nicht. In Berlin oder großen Städten würde er nicht mehr mit den Bürgern arbeiten. „Ich weiß, wo meine Grenzen sind und möchte nicht die Bodenhaftung verlieren.“ Wenn er hier als Bürgermeister arbeiten und wirken kann, sehe er seine Ergebnisse.

Seit vier Jahren sitzt er im höchsten Amt von Schermbeck. Einen kleinen Traum für danach hätte er auch schon: Er möchte mehr Zeit mit seiner Familie verbringen und „aus Jux gesagt“: Sein „Boss“ im eigenen Schallplattenladen sein.
Weitere Infos zu ihm unter: www.mike-rexforth.de

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celawie
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