Firma Nottenkämper informierte die Presse über den Ölpellets-Skandal

Gleich zweimal informierte heute die Firma Nottenkämper über die unerlaubte Ablagerung von Ölpellets im Bereich ihrer Abgrabung „Mühlenberg“ im Gahlener Heisterkamp.

Während abends im Café Holtkamp den Bürgern Informationen gegeben wurden, war die Presse bereits im Vorfeld zu einem Gespräch auf das Betriebsgelände der Firma eingeladen worden.

Der Strafverfolgung entzogen

Im Beisein des abendlichen Moderators Thomas Schulz nahm die geschäftsführende Gesellschafterin Pia Nottenkämper zu Beginn Stellung zu den Verantwortlichen. Der Hauptangeklagte habe sich nach einer hohen Strafandrohung durch das Gericht der Strafverfolgung entzogen. Einem weiteren angeklagten Mittäter sei in der vergangenen Woche vom Gericht eine Strafe von dreieinhalb bis vier Jahren in Aussicht gestellt worden, wen er endlich gestehe. Eine dritte Angeklagte habe vor wenigen Tagen eine Geldstrafe erhalten.

Firma Nottenkämper über die unerlaubte Ablagerung von Ölpellets
Gutachter Ulrich Lieser, die geschäftsführende Gesellschafterin Pia Nottenkämper und Geschäftsführer Thomas Eckerth (v.l.) informierten heute Nachmittag in der Firma Nottenkämper über die unerlaubte Ablagerung von Ölpellets im Bereich der Abgrabung Mühlenberg (im Hintergrund). Foto: Helmut Scheffler

Wie vom Donner gerührt

Über die bisherige Einbeziehung der Firma Nottenkämper informierte der Geschäftsführer Thomas Eckerth. „Wir waren wie vom Donner gerührt, als im Sommer 2014 die Staatsanwaltschaft und die Kripo hier erschienen“, teilte Eckerth mit.

Er wies mehrfach darauf hin, dass jener LKW-Fahrer, dessen Beobachtungen zur Feststellung des Ölpellets-Skandals führten, seine Beobachtungen nicht auf dem Gelände der Firma Nottenkämper gemacht habe. „Wir haben eng mit der Staatsanwaltschaft und mit den zuständigen Behörden zusammengearbeitet“, fügte Eckerth hinzu.

Keine Gespräche

Den Vorwurf der mangelhaften Information der Öffentlichkeit wies Eckerth deutlich zurück. Man habe jedem Auskunft gegeben, der vertraulich darum gebeten habe. „Leider“, so Eckerth, „hat von der Lokalpolitik keiner um ein Gespräch gebeten.“

Ausführlich beschrieb Eckerth die vermutete Art und Weise, wie die Pellets unbemerkt in die Abgrabung „Mühlenberg“ gelangen konnten. Die Pellets mit einem Durchmesser von etwa 5 Millimetern seien mit Siebsand vermischt und zu kugelartigen Gebilden mit einem Durchmesser von etwa vier bis fünf Zentimetern geformt und so zur Abgrabung gelangt.

Visuelle Überprüfung

Dabei seien die bereits bearbeiteten Pellets offensichtlich zwischen zwei Schichten erlaubten Materials auf einem Lkw gelagert worden. „Da müssen mehrere am Werk gewesen sein“, vermutet Eckerth. Eine Videoerfassung habe es damals an der Waage nicht gegeben. An der Ablagestelle habe es eine visuelle Überprüfung gegeben sowie einen Vergleich des Vermerks auf dem Begleitschein mit dem angelieferten Material.

Als einen „schändlichen“ Vertrauensmissbrauch bewertete Eckerth das Handeln des Hauptangeklagten, der etwa fünf Jahre lang die Prokura der Firma besaß und nebenbei ein Maklerbüro für Deponiegüter betrieb. Andere Mitarbeiter hätten trotz jahrelanger Ermittlungen aller Mitarbeiter seitens der Staatsanwaltschaft nicht belastet werden können.

Umfangreiche Untersuchungen

Der Diplom-Geologe Ulrich Lieser, der mit der Hauptfachrichtung Hydrogeologie für die Firma ahu AG tätig ist, erstellte im Auftrag der Aufsichtsbehörden und der LANUV ein Gutachten, das von der Firma Nottenkämper bezahlt wurde. Bei den umfangreichen Untersuchungen stellte er fest, dass Ölpellets in den meisten Bereichen der Abgrabung abgelagert wurden, allerdings in unterschiedlichen Tiefen bis hin zum Deponieboden. Eine Untersuchung des Sickerwassers habe keine Auffälligkeiten ergeben. Zu einem ähnlichen Ergebnis sei die Firma Consulagua gelangt, die eine Grundwasseruntersuchung vorgenommen habe.

Sickerwasserabfuhren

Als Maßnahmen empfiehlt der Gutachter eine möglichst baldige Oberflächenabdichtung, eine Belassung der Pellets in der Verfüllung, regelmäßige Sickerwasserabfuhren und eine Verbesserung des Grundwassermonitorings

Ein zweites Gutachten, das der Staatsanwaltschaft vorliegen soll und das in der zusammenfassenden Beurteilung eine stärkere Gefährdung des Grundwassers nennt, ist weder dem Gutachter Ulrich Lieser noch der Firma Nottenkämper bekannt. „Wir würden dieses Gutachten selbst gerne kennen lernen“, stellte Eckerth fest.

Mit der Abendveranstaltung, zu der dieselben Referate gehörten, und besonders mit den Fragen der Zuhörer und den Antworten darauf werden wir uns in unserer nächsten Ausgabe befassen. H.Sch.

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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