Eine lebendige Gemeinschaft

Schermbeck Luitgard Blömer ist neue Vorsitzende der Frauenhilfe in der Evangelischen Kirchengemeinde Drevenack, zu der auch die evangelischen Frauen des Schermbecker Ortsteils Damm gehören. Einstimmig wurde die 60-jährige Dammerin und Leiterin der Dorstener Astrid-Lindgren-Schule am Mittwoch im Landhaus Wortelkamp gewählt.

Mit der einstimmigen Wahl erhielt Luitgard Blömer die erste Anerkennung für ihre bisherige Arbeit im dreiköpfigen Leitungsteam, die sie im Jahre 2015 von der Dammerin Inge Ufermann übernommen hatte. Zusammen mit Edith Jörres und Inge Burre hatte sie in den letzten Monaten die Feier des 110-jährigen Bestehens der Drevenacker Frauenhilfe vorbereitet, das am Mittwoch im Beisein von 95 Frauen bei Wortelkamp unter dem Motto „Alt, aber kein bisschen altmodisch“ gefeiert wurde.

Im Landhaus Wortelkamp feierte die Drevenacker Frauenhilfe am Mittwoch ihr 110-jähriges Bestehen. Foto: Helmut Scheffler
Im Landhaus Wortelkamp feierte die Drevenacker Frauenhilfe am Mittwoch ihr 110-jähriges Bestehen. Foto: Helmut Scheffler

Nach einer vom Pfarrer Helmut Joppien geleiteten Andacht ließ Luitgard Blömer anhand zahlreicher Fotos die bisherige Entwicklung der Frauenhilfe Revue passieren. Eine Urkunde vom 22. September 1906 belegt, dass der Frauenverein als Zweigverein der unter dem Protektorat der Kaiserin Auguste Viktoria stehenden Frauenhilfe anerkannt wurde. Bei ihren kirchengeschichtlichen Arbeiten hat die inzwischen verstorbene Drevenackerin Isabella Benninghoff-Lühl festgestellt, dass es bereits vier Jahre vorher eine Gründungsversammlung für den „Kirchlichen Frauen- und Jungfrauenverein“ gab.

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Im ersten Jahrzehnt war die Resonanz recht dürftig. Im Jahre 1912 wurden nur 18 Mitglieder registriert. Nach dem Ersten Weltkrieg stieg die Zahl der Mitglieder bis 1922 auf 39. Isabella Benninghoff-Lühl berichtet von der jährlichen Adventsfeier als dem Höhepunkt des Vereinslebens: „Sie fand bis 1915 bei Schüring (später Nossack) im Restaurant „Zur Post“ am Peddenberg statt, ehe sie dann ins Lokal Kühnen/Trotzenberg verlegt wurde.“

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bei den Begegnungen der Frauenhilfe eifrig gehandarbeitet. Die Verlosungen bei den Adventsfeiern füllten in jedem Jahr die Kasse auf. Entscheidende inhaltliche Änderungen traten ein, als sich die Frauen davon lösten, strumpfstrickenderweise dem Pastor am Vorstandstisch zuzuhören. Die Frauen gestalteten selbst Andachten und organisierten informative Vorträge. „Ganz allmählich gaben die Frauen ihre Zurückhaltung auf, dachten mit und beteiligten sich an Diskussionen“, berichtete Luitgart Blömer von den Erzählungen der ehemaligen Vorsitzenden Charlotte Heidermann.

Die neue Vorsitzende Luitgard Blömer (Mitte) wird von Edith Jörres (l.) und von Inge Burre (r.) unterstützt. Foto: Helmut Scheffler
Die neue Vorsitzende Luitgard Blömer (Mitte) wird von Edith Jörres (l.) und von Inge Burre (r.) unterstützt. Foto: Helmut Scheffler

Die Freude an der Handarbeit wurde nicht aufgegeben. „Wir arbeiten, um zu helfen“, hieß das Motto einer Gruppe von 27 Frauen, die ab 1975 vierzehntäglich abends nähte oder werkelte.

Schwerpunkt in den 1970er- und 1980er-Jahren war die Partnerschaft mit der damaligen DDR. Mit Eifer wurden Päckchen und Pakete mit Dingen gepackt, die es damals drüben nicht gab. Auch nach der „Wende“ blieb die Partnerschaft mit Zernitz im Kreis Kyritz erhalten.

Zum Leitungsteam der Frauenhilfe gehören heute neben der Vorsitzenden Luitgard Blömer auch die Dammerin Inge Burre und Edith Jörres. Beide haben sich viele Jahre hindurch um die Frauenhilfe verdient gemacht. „Ich bin glücklich über die aktive Frauenhilfe und deren tolle Ideen und über die Bereitschaft zahlreicher Frauen, Verantwortung zu übernehmen, lobte Pfarrer Joppien im Beisein des stellvertretenden Presbyteriumsvorsitzenden Werner Bußmann die Frauenhilfe, die das ganze Jahre über dazu beitrage, den Zusammenhalt im Gemeindeleben zu fördern.

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Nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken und dem gemeinsamen Singen von Liedern, die vom Organisten Marco Rohde am E-Piano begleitet wurden, befasste sich Dagmar Müller als Leitende Pfarrerin der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland und ihrer diakonischen Einrichtungen in einem längeren Vortrag mit ausgewählten Psalmen aus dem fünfteiligen Psalter.

In einem lustigen Einakter schilderten Inge Burre und Pastor Joppien mit Unterstützung eines zehnköpfigen Chores das Leben eines Ehepaares, das im Alltag wenig Zeit miteinander verbringt.

Zu den Gratulanten gehörte Margret Schieferstein vom Kreisverband der Frauenhilfe, die den Drevenacker Frauen Gastfreundschaft, Lebendigkeit und Bereitschaft zur Unterstützung des Kreisverbandes als besondere Gütezeichen bescheinigte. Glückwünsche überbrachten auch Hannelore Karbenk von der Schermbecker Frauenhilfe und Thea Neuenhoff von der Brüner Frauenhilfe, die am Jahresende aufgelöst werden soll.

Die Kollekte während der Jubiläumsfeier erbrachte einen Betrag in Höhe von 385,71 Euro, welcher der Kindernothilfe zur Verfügung gestellt werden soll, damit Menschen in Haiti nach dem verheerenden Hurrikan geholfen werden kann. H.Scheffler

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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