Politik, Vermarkter und Lebensmittelhandel sind in der Mitverantwortung

Kreis Wesel (pd). Nicht nur für Äpfel und Kartoffeln sieht sich der Landwirt zurzeit fallende Erzeugerpreise gegenüber, sondern auch für Rind- und Schweinefleisch sowie Milch. Ursache dafür sind zum einen die sehr guten Ernten, wie bei Kartoffeln und Äpfeln, sowie die höhere Milchmenge, aber auch das Russlandeinfuhrverbot, das zu Marktdruck in Europa geführt hat. „Die Discounter nutzen diese Situation aus und senken jetzt die Preise. Das können die Landwirte gar nicht gebrauchen. Denn es setzt sie weiter unter Druck“, kritisiert Wilhelm Neu, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Wesel.

„Lebensmittelhandel und Vermarkter müssen ihre Mitverantwortung für eine nachhaltige Lebensmittelerzeugung in Deutschland wahrnehmen“, fordert der Vorsitzende. Auf der einen Seite seien den Verbrauchern regional erzeugte Lebensmitteln sehr wichtig und die Supermärkte werben gerne mit dem „Bauern von nebenan“. Auf der anderen Seite würden sie auf die Preisschraube drücken, sobald es möglich sei. „Wie sollen die regionalen Strukturen bei einem solchen Würgegriff erhalten bleiben?“, fragt der Vorsitzende. „Hier muss das Bundeskartellamt genau hinschauen!“, fordert er.

Eines müsse Verbrauchern, Politik und Medien deutlich sein: „Wenn den Landwirten in Deutschland die Luft abgedreht wird, weil sie die Kosten nicht mehr tragen können, zerstört man langfristig die heimische Landwirtschaft. Und dann kann man nicht mehr über die Produktionsstandrads, also hohe Umweltschutz-, Tierschutz- und Arbeitsschutzmaßnahmen diskutieren“, mahnt der Vorsitzende.
Den augenblicklichen Druck auf die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise in vielen Bereichen können die Landwirte nur dann unternehmerisch bewältigen, wenn die Politik die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe stärkt, so der Vorsitzende. Zusätzliche Kostenbelastungen, die nur den Strukturwandel weiter anheizen, müssten unterbleiben. EU, Bund und Länder seien gefordert, bei der Gestaltung von gesetzlichen Anforderungen und Auflagen für landwirtschaftliche Betriebe die Realitäten der Märkte zu beachten und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu erhalten.

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