An einigen Stellen in Dorsten, Raesfeld und Schermbeck scheint das Grundwasser zu sehr belastet zu sein. Das legen Proben aus privaten Brunnen nahe. Das Trinkwasser ist davon aber nicht betroffen. Die Bauern wehren sich gegen Vorverurteilung.

Im September 2021 hatte das Labormobil der Umweltschutzorganisation VSR-Gewässerschutz in Dorsten Station gemacht. Private Brunnenbesitzer konnten hier ihre mitgebrachten Wasserproben analysieren lassen. Von 64 Proben hätten etwa zehn den Nitrat-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten, berichtet der VSR. Damit ist das Wasser für den menschlichen Verzehr und die Bewässerung von selbst gezogenem Gemüse ungeeignet.

Den höchsten Nitratwert enthielt laut VSR eine Probe mit 92 mg/l aus Altschermbeck. Weitere stark belastete Brunnenproben kamen aus Erle mit 70 Milligramm pro Liter (mg/l), aus Rhade mit 75 mg/l, aus Barkenberg mit 71 mg/l und aus Gahlen mit 81 mg/l.

Wie schädlich ist Nitrat?

Bei Nitrat handelt es sich um eine Stickstoffverbindung, die natürlich im Boden vorkommt. Pflanzen brauchen Stickstoff zum Wachstum und zur Ausbildung des Blattgrüns, weshalb Nitrat ein großer Bestandteil von Düngemitteln ist. Generell ist Nitrat in moderaten Mengen für den Menschen unbedenklich. Problematisch wird es dann, wenn es bei der Verdauung im Körper zu Nitrit umgewandelt wird. Diese chemische Verbindung kann bei Säuglingen zu schweren Gesundheitsschäden führen und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Daher wird die Aufnahme von zu großen Mengen Nitrat nicht empfohlen.

Wie kommt Nitrat ins Grundwasser?

Das Umweltbundesamt sieht die stickstoffhaltige Düngung in der Landwirtschaft als den wichtigsten Faktor für die Belastung des Grundwassers mit Nitrat. So werden neben Mineraldünger auch Gülle aus Mastställen oder Biogasanlagen auf den Feldern ausgebracht. Was die Pflanzen nicht verbrauchen und was nicht natürlich zersetzt wird, gelangt dann ins Grundwasser. „18 Prozent des Grundwassers in Deutschland hält den geltenden Schwellenwert von 50 Milligramm Nitrat je Liter nicht ein“, so das Umweltbundesamt.

Auch der Autoverkehr und die dabei entstehenden Stickstoffoxide tragen zur flächenhaften Belastung des Grundwassers mit Nitrat bei.

Ist das Trinkwasser betroffen?

Das Wasser aus der heimischen Leitung ist hingegen sicher, betont das Umweltbundesamt. So stellten die Wasserversorger sicher, dass der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter nicht überschritten wird. „Um diesen Grenzwert einzuhalten, mischen die Wasserversorger häufiger unbelastetes mit belastetem Rohwasser, vertiefen oder verlagern Brunnen und schützen so das Trinkwasser und unsere Gesundheit“, heißt es.

Strengere Regeln für die Bauern

Um die daraus entstehenden Kosten möglichst gering zu halten, setzen die Bundesregierung und die EU bereits seit einigen Jahren auf strengere Regeln für die Landwirtschaft. So soll etwa sparsamer und zielgerichteter gedüngt werden. Strengere Vorgaben hatten bereits zu einer deutlichen Reduzierung der ausgebrachten Menge geführt. So sei 2017 direkt nach dem Inkrafttreten der neuen Düngeverordnung bundesweit etwa mehr als ein Viertel weniger Klärschlamm verdüngt worden, berichtet der Deutsche Bauernverband.

Die Landbetriebe, die unter großem wirtschaftlichen Druck produzieren müssen, haben diese Vorgaben in der Vergangenheit regelmäßig kritisiert. So hatte etwa der Deutsche Bauernverband wiederholt argumentiert, die Landwirte würden zum Sündenbock gemacht und müssten bei geringerer Düngung Ernteeinbußen hinnehmen. Angesichts des enormen Preiskampfes bei Lebensmitteln drohe vielen Betrieben dann das wirtschaftliche Aus.

Landwirte kritisieren Messmethode

Auch die örtlichen Landwirte sehen sich zu Unrecht in der Kritik. So seien die Proben unsachgemäß aus privaten Brunnen gezogen worden, und könnten daher kein allgemeines Zustandsbild zeigen. „Private Gärten sind oft überdüngt“, erklärt ein Dorstener Landwirt im Gespräch mit der Redaktion. „Vermutlich würde eine Bodenprobe den Eigentümer sehr überraschen und eine Erklärung für die schlechten Nitratwerte liefern“. Ein weiteres Problem sei, dass viele Brunnen nicht angemeldet seien und sich so der Kontrolle der Unteren Wasserbehörde entziehen. „Wir ärgern uns jedes Jahr über den VSR-Gewässerschutz, der ein verzerrtes Bild von der Landwirtschaft zeichnet“, so der Agrarfachmann.

Tatsächlich sei es so, dass moderne Methoden bei der Landbewirtschaftung zu einem deutlichen Rückgang beim Nitrateintrag in den Boden geführt hatten. „Daher werden die Nitratwerte auch in Zukunft immer weiter abnehmen“, so der Dorstener Landwirt. Man pflege bereits seit 30 Jahren eine gute Zusammenarbeit etwa mit dem RWW, um den Wasserschutz zu verbessern.

Ökologische Landwirtschaft als Zukunftsmodell?

Umweltschutzverbände sprechen sich in diesem Zusammenhang für eine Förderung ökologischer Landwirtschaft aus. Auch die Organisation VSR-Gewässerschutz betont die Vorteile: „Die Landwirtschaft hat ein großes Potenzial, die produzierten Bio-Lebensmittel aus der Region selbst zu vermarkten. Für den Öko-Landbau bietet sich dadurch eine große Perspektive“, so Pressesprecher Harald Gülzow. „Der Landwirt erhält einen fairen Preis, ist nicht abhängig von Zwischenhändlern und kann so den Fortbestand seines Betriebes sichern. Schlussendlich ist der größte Gewinner jedoch die Umwelt: Durch die schonende Bearbeitung der Ackerflächen werden Boden, Klima und Gewässer geschützt.“

Die heimischen Landwirte sehen das kritisch. „Zwar sagen viele Verbraucher, dass sie Biolebensmittel bevorzugen, aber gekauft werden dann doch wieder die Produkte, die am billigsten sind“, erklärt ein Bauer aus Dorsten. Daher hätten Biohöfe oft große Probleme, ihre Waren an den Mann zu bringen. Der Versuch der Politik, fairere Preise für die Bauern zu ermöglichen, scheitere oft an der überwältigenden Marktmacht der Discounter und würde nur die Zwischenhändler reich machen, so der Standpunkt des Landwirts.