Am Montag bekam Günther Heyne den goldene Meisterbrief der Handwerkskammer Düsseldorf überreicht.

Als Karosseriebauermeister erhielt der Dammer Günther Heyne am Montag den goldenen Meisterbrief der Handwerkskammer Düsseldorf. Als Obermeister der Innung für Karosserie- und Fahrzeugbau Niederrhein überreichte Klaus Bückendorf den Meisterbrief in der Betriebshalle.

Zu den ersten Gratulanten während des anschließenden Empfangs im Wohnzimmer der Familie an der Rittstege 3 gehörte Dr. Frank Bruxmeier, der Geschäftsführer des Bildungszentrums Handwerk Duisburg.

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Als Obermeister der Innung für Karosserie- und Fahrzeugbau Niederrhein überreichte Klaus Bückendorf (r.) dem Dammer Karosseriebauermeister Günther Heyne (2.v.l.) am Montag den goldenen Meisterbrief. Dr. Frank Bruxmeier (2.v.r.), der Geschäftsführer des Bildungszentrums Handwerk Duisburg, gehörte zu den ersten Gratulanten, auch für Ingeburg Heyne (l.), die ihren Mann im Familienbetrieb jahrzehntelang unterstützte. Foto: Helmut Scheffler

In geselliger Runde konnte der 70-jährige Jubilar den Gästen viel aus seiner Ausbildungszeit und der anschließenden Berufstätigkeit erzählen. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg hatte Günther Heynes Vater Fritz am 3. November 1937 einen Betrieb gegründet, in dem in der Anfangszeit LKW-Aufbauten und Fahrerhäuser gebaut und repariert wurden und Stellmacherarbeiten ausgeführt wurden.

Nach der Entlassung aus der Dammer Schule im Jahre1961 begann Günther Heyne seine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Karosseriebauer im väterlichen Betrieb, bevor er weiter berufliche Erfahrungen bei Ford Fischer in Bochum sammeln konnte. Wegen gesundheitlicher Probleme des Vaters kehrte Günther Heyne nach einem Jahr in den väterlichen Betrieb zurück. Als es dem Vater wieder besser ging, wurde Günther Heyne Mitarbeiter der BMW-Firma Zacharias in Wesel.

Zweisitziges Coupé war das Meisterstück

Nach der Beendigung seines 18-monatigen Wehrdienstes in Borken besuchte Günther Heyne in den Jahren 1970 bis 1971 erfolgreich die Meisterschule in Kaiserslautern. Am 25. Juni 1971 wurde ihm von der Handwerkskammer der Pfalz der Meisterbrief überreicht. Sein Meisterstück, ein kompletter Neubau eines zweisitzigen Coupés auf der Basis eines NSU TT, erhielt in Damm wegen seines bizarren Aussehens den Namen „Ufo“ als Kurzbezeichnung für „unbekanntes Fahrobjekt“. Von dieser Machart gab es weltweit nur ein einziges handgefertigtes Exemplar.

Nach siebenjähriger Tätigkeit als Meister im väterlichen Betrieb übernahm Günther Heyne vom Vater den Betrieb. Unterstützt von zwei Lehrlingen und von Ehefrau Ingeburg im Bereich typischer Aufgaben von Unternehmerfrauen, begann Günther Heyne mit der Umstellung auf einen Reparaturbetrieb für Automobile. Um den wachsenden Aufgaben gerecht zu werden, wurden 1999 die Betriebsräume umgebaut, modernisiert und erweitert. „Im Februar 1999 wurde unser Betrieb zum Eurogarant-Karosserie-Fachbetrieb ernannt“, erinnert Günther Heyne an einen wichtigen Schritt in der innerbetrieblichen Entwicklung.

Drei Jahre später, am 10. Juli 2002, bestand sein Sohn Carsten die Meisterprüfung an der Handwerkskammer für den Regierungsbezirk Münster. Anfang 2007 wurde er Werkstattmeister und zweiter Geschäftsführer der „Karosserie Heyne GbR“. Nach einer umfangreichen Modernisierung des Werkstattgebäudes im Jahre 2010 wurde Carsten Heyne am 1. Januar 2011 alleiniger Inhaber des Familienbetriebes.

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Das Ehepaar Günther (l.) und Ingeburg Heyne mit Sohn Carsten (2.v.l.) und Enkel Ben (2.v.r.). Foto: Helmut Scheffler

Für Günther Heyne bedeutete die Übergabe an den Sohn die Chance, Zeit für sein Steckenpferd zu gewinnen. Die Begeisterung für Oldtimers begann zwar schon wesentlich früher, wie eine Fotosammlung im Hause Heyne beweist, aber um einen Betrieb wirtschaftlich führen zu können, eignet sich ein Hobby mit viel Arbeit bei wenig Geld wesentlich weniger gut als das laufende Geschäft der Reparatur von aktuellen Fahrzeugen.

Oldtimerspezialist

Das langjährig gewachsene Knowhow im Umgang mit Oldtimern führte dazu, dass der Betrieb Heyne im Juli 2012 vom Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) als „Oldtimerspezialist“ zertifiziert wurde und dadurch die Voraussetzungen zum Führen des Zusatzschildes „Fachbetrieb für historische Fahrzeuge“ führt.

Im Gespräch mit den Innungsvertretern bedauerte Günther Heyne, der etwa 15 Lehrlinge ausgebildet hat, die Nachwuchsprobleme im Handwerk, die über die Jahre zu einem Fachkräftemangel geführt haben. Die Gespräche über die Motivation junger Menschen, über deren Interesse am Handwerk, über ständig steigende Auflagen für Betriebe und die ständig weiter zurückgegangenen Aufenthaltszeiten im Betrieb zeugten von der Notwendigkeit, die Ausbildung zu reformieren. H.Scheffler

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Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.