Der Bundestag hat am Donnerstag, 21. Februar 2019 den Antrag der AfD zum Thema Wolfsmanagement und -monitoring „Herdenschutz und Schutz des Menschen im ländlichen Raum – Wolfspopulation intelligent regulieren“, sowie den Antrag der FDP-Fraktion „Gefahr Wolf – Unkontrollierte Population stoppen“ abgelehnt.

(pd/bos). Die AfD forderte in ihrem Antrag die Bundesregierung auf, ein Projekt zur Neufestlegung des Status der in Deutschland lebenden Wölfe und Wolfsmischlinge zu initiieren.

Es solle der Erhaltungszustand der Tierart Wolf dargelegt und die Habitat-Analyse für Deutschland aktualisiert werden, bis eine eindeutige Zuordnung zu der zu schützenden Unterart Canis Lupus Lupus festgestellt werden kann.

Die Vorgaben im Bundesnaturschutzgesetz zum Schutz von Weidetieren und Menschen im ländlichen Raum müssten konsequent umgesetzt werden. Und weiter forderte die AFD auf, dass neue gesetzliche Grundlagen im Naturschutz und im Jagdrecht geschaffen werden, um „Problemtiere“ und Wolfsmischlinge jagen zu können, sowie eine regionale Obergrenze einzuführen, um bei Überschreitung den Wolf bejagen zu dürfen. Um die Rechtssicherheit im Umgang mit Wolfspopulationen zu erhöhen, sollten problematische Einzelwölfe oder Rudel klar definiert werden. Zu schützen sei nur der Gemeine Wolf, Kreuzungen zwischen Hunden und Gemeinen Wölfen hingegen nicht.

Die Interessen der Weidetierhalter sollten mit denen des Naturschutzes gleichgestellt werden, hieß es im Antrag weiter.

Einheitliche Standarts für Wolfsmanegement

Der FDP-Antrag beinhaltete im Wesentlichen, dass die Regierung einen Gesetzentwurf vorlegt, in dem der Wolf als jagdbare Tierart in das Bundesjagdgesetz aufgenommen werden soll. Auf EU-Ebene solle der Wolf in den Anhang V der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie aufgenommen werden, damit er in die Verordnung über die Jagdzeiten aufgenommen werden kann.

Die Liberalen setzten sich ferner für einheitliche Standards für ein bundesweites Wolfsmanagement und Wolfsmonitoring ein. Für die Schadensprävention und für Wolfsgeschädigte sollten zusätzliche finanzielle Mittel bereitgestellt werden.

Wolf steht an der Spitze der Nahrungskette

Dazu erklärte Fraktion der CDU/CSU, dass die kontroverse und emotionale Diskussion um den Wolf im Bereich des Artenschutzes einmalig sei. Die Ausbreitung des Wolfes sei aber nicht nur ein Erfolg des Naturschutzes, sondern auch ein Zeichen der Anpassungsfähigkeit dieser Art.

Der Wolf sei Generalist hinsichtlich des Lebensraums und des Nahrungsspektrums und stehe an der Spitze der Nahrungskette. Die Bestandsentwicklung der Wolfspopulation sei dementsprechend positiv und liege nach offiziellen Angaben mittlerweile bei 60 Rudeln und einigen Einzeltieren.

Bau von Zäunen nicht der richtige Weg

In den Medien kursierende Zahlen von mehr als 1000 Wölfen in Deutschland seien dagegen nicht verifiziert. Diese Entwicklung zeige aber auch, dass Handlungsbedarf bestehe.

Eine Fragmentierung der Landschaft durch die Errichtung von Zäunen sei hier nicht der richtige Weg. Hier bestehe noch Forschungs- und Klärungsbedarf.

Ein emotionales Thema

Die Fraktion der SPD erklärte zum Antrag der AFD, dass es sich hierbei ohne Frage um ein emotionales Thema handele, das viele Menschen in Deutschland bewege. Es sei dabei die Aufgabe von Politikern, diese Ängste ernst zu nehmen, aber nicht weiter zu schüren, sondern verantwortungsvoll an den Lösungen zu arbeiten.

Bei dem von der Fraktion der AfD angesprochenen Hybriden gebe es lediglich zwei dokumentierte Einzelfälle, gegen die bereits Maßnahmen ergriffen worden seien. Auch verdoppele sich die Wolfspopulation in den besiedelten Gebieten nicht endlos, wie die AfD Fraktion glauben machen wolle, sondern es liege in der Natur des Wolfes, dass sich die Jungwölfe neue Reviere suchten und eine Ausbreitung in der Fläche stattfinde.

Festzuhalten sei, dass das Thema sehr ernst genommen werde und die Sicherheit des Menschen stets die oberste Priorität habe. Seit der Rückkehr des Wolfes vor 20 Jahren habe es in Deutschland und auch europaweit keine dokumentierte Aggression des Wolfes dem Menschen gegenüber gegeben. Dies sei auch darauf zurückzuführen, dass bereits seit langem sorgfältig mit diesem Thema umgegangen und in Prävention und Entschädigung investiert werde.

schutz für Schafherden vor dem Wolf
Foto: Pixabay

Probleme bei Schäfern stammen nicht vom Wolf

Die Fraktion DIE LINKE. führte in Bezug auf die von der AfD-Fraktion angesprochene Verdopplung der Wolfspopulation aus, eine Population entwickle sich nur solange sehr stark, wie freie Lebensräume vorhanden seien. Es gebe eine natürliche Grenze, die durch das verfügbare Nahrungsangebot und den Lebensraum gesetzt werde.

Die Anhörung habe deutlich gezeigt, dass die Probleme der Schäfereibetriebe nicht vom Wolf herrührten. Vielmehr müssten die Schäfereien oftmals aufgeben, weil ihre wichtige Arbeit, u. a. in der Landschaftspflege, durch die Landwirtschaftsförderung nicht ausreichend honoriert werde.

Viele Betriebe hätten daher bereits lange vor der Rückkehr des Wolfes in ihre Region die Arbeit einstellen müssen. Auf die übrigen Betriebe kämen durch den Wolf erhebliche Zusatzkosten für den Herdenschutz zu, die sie oftmals aufgrund der bereits angespannten Lage nicht mehr bewältigen könnten. Daher müsse prinzipiell die Lage der Schäfereibetriebe verbessert werden und es müsse dringend über eine andere Förderung nachgedacht werden.

Mehr Forschung für Herdenschutz

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN begrüßte die Versachlichung der Debatte um das Thema Wolf. Sie machten darauf Aufmerksam, dass die Bevölkerung und auch die tierhaltenden Betriebe erwarteten, dass Maßnahmen auf den Weg gebracht würden, die den Herdenschutz verbesserten und eine finanzielle Unterstützung lieferten. Es müsse mehr Forschung für den Herdenschutz geleistet werden und Antworten auf noch nicht gelöste Probleme gefunden werden.

Sie bewerten positiv, dass sich bis auf zwei Ausnahmen alle Fraktionen dazu bekennen würden, dass der Wolf eine streng geschützte Art sei und dies auch so bleiben solle. Derzeit weise der Wolf in Deutschland noch keinen günstigen Erhaltungszustand auf.

Ökonomische Rahmenbedingungen

Weiter heißt es: Die Anhörung habe in erschreckender Deutlichkeit gezeigt, dass der Wolf für die schafhaltenden Betriebe zwar ein Problem sei, aber nicht das Problem, das zu ihrer Existenzgefährdung führe. Vielmehr seien die ökonomischen Rahmenbedingungen dafür verantwortlich. Die Fraktion appellierte an die Koalitionsfraktionen, hier zügig gegenzusteuern.

Der eingebrachte Antrag der Koalition benenne zwar das Problem, biete aber keinerlei Lösungsansätze, wie die in der Anhörung diskutierte Einführung einer Weidetierprämie. Die Schäferei werde auch aus ökologischer Sicht heraus unbedingt gebraucht, sie sichere wertvolles Dauergrünland, das anders nicht bewirtschaftet werden könne. Im Übrigen sei es wichtig, die Gefährdung durch Wildtiere insgesamt in den Blick zu nehmen, insbesondere den steigenden Wildschweinbestand.

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