Hendrik Bienbeck und Julia Ufermann sind jetzt Altschermbecks neue Regenten

Spannende Königsschießen hat es schon mehrfach im Königreich der Altschermbecker Kilianer gegeben.

Am frühen Nachmittag konnte Hendrik Bienbeck (r.) noch nicht ahnen, dass er – wie sein Vater Thomas (l.) im Jahre 2011 – als König in spe die Altschermbecker Vogelstange verlassen würde. Foto: Helmut Scheffler

Aber ein Schütze, der dreimal als König in spe umjubelt wurde, bis beim dritten Mal wirklich ein letzter fingerdicker Span als Reststück von Werner Steinkamps Vogel herunterfiel, das ist einmalig in der 140-jährige Geschichte der Gilde. Mit dem 575. Schuss gelang Hendrik Bienbeck heute um 15.45 Uhr ein Königsschuss voller Dramatik.

Vogelstange-Kilian-Altschermbeck
Foto: Petra Bosse

Langsam begonnen

Dabei hatten die Kilianer den Tag so gemächlich begonnen. Nach einem üppigen Frühstück im Festzelt machten sie sich auf den Weg. Im Kerkerfeld hatten sie sogar noch Zeit, bei der vor 25 Jahren gegründeten Vereinigung der Kilian-Fans eine Getränkepause einzulegen. Dann folgten sie zügig dem Vogelträger Pierre Weber über die Schetterstraße und Erler Straße zur Vogelrute bei Große-Ruiken, wo nach dem gemeinsamen Beten des „Vater unser“ Königin Michaela Hindricksen und König Ralf Sühling, der übrige Thron und Pastor Klaus Honermann die ersten Schüsse auf den Vogel abgaben.

Vogelstange-Kilian-Altschermbeck
Wo muss man dem Vogel zusetzen, damit er sich von der Stange löst? Diese Frage erörterte Hendrik Bienbeck mehrfach mit der Standaufsicht Benedikt Triptrap. Foto: Helmut Scheffler

Insignien

Mit dem 28. Schuss aus dem KK-Gewehr holte Werner Schäfer um 11.13 Uhr Uhr die Krone herunter. Frank Köther sicherte sich den Reichsapfel, Dirk Weber das Zepter, Marvin Knoll den linken Flügel und Berthold Bienbeck um 13.14 Uhr mit dem 300. Schuss den rechten Flügel.

Viele Besucher an der Vogelstange
Große und kleine Besucher an der Vogelstange warten geduldig und unter Anspannung. Foto: Petra Bosse

Viele Besucher an der Vogelstange

Der früher übliche Besuch der Altschermbecker Kilianer auf der Schermbecker Vogelrute am Waldweg wurde diesmal zur Gaststätte Overkämping verschoben. Der Gegenbesuch der Schermbecker konnte wie immer an der Altschermbecker Vogelstange erfolgen. Im Waldstück wurde es am frühen Nachmittag sehr eng. Hochsommerliches Wetter trug ebenso zum starken Besuch bei wie der freie Frühnachmittag der Mühlenteich-Kilianer, die sich erstmals das Schießen der Schwesterngilde anschauen konnten.

Spannung pur bei König Ralf Sühling
Spannung pur bei König Ralf Sühling. Foto: Petra Bosse

Der harte Kern

Schon zeitig reduzierte sich die Zahl der Schützen, die unter Leitung der Standaufsicht von Benedikt Triptrap zur Schrotflinte griffen, auf einen „harten Kern“, zu dem Reinhard Volks, Matthias Stenkamp, Hendrik Bienbeck, Tobias Assenmacher, Jan Speckamp, Rene Kemper und Bernd Becker gehörten. Gegen 15 Uhr griffen nur noch Rene Kemper, Hendrik Bienbeck und Bernd Becker zum Gewehr.

Spannung pur bei König Ralf Sühling
Und jetzt? Foto: Scheffler

Erster Jubel 

Lange anhaltender Jubel schallte um 15.17 Uhr über den Platz, als Hendrik Bienbeck das angeblich letzte Stück des Vogels aus luftiger Höhe geholt hatte. Die Musikkapelle steuerte ein „Hoch soll er leben“ bei und zog das Lied auch weiter durch, als vom Schießstand längst signalisiert worden war: Da hängt ja noch ein Stück.

Spannung pur bei König Ralf Sühling
Der letzte Rest. Foto: Petra Bosse

Nervenkitzel

Neuer Anlauf, neue Schusswechsel, erneut schoss Bienbeck ein Stück ab und wieder jubelte das Schützenvolk, und dem vermeintlichen König wurde ein zweites Mal vergeblich gratuliert. „Wahnsinn“, kommentierte später Hendrik Bienbeck diesen Nervenkitzel. Erst beim dritten Mal, als ein fingerdicker Span aus dem Kugelfang herunterfiel, stand der Sieger fest.

„Ich bin einfach nur glücklich, dass es so ein junger Thron ist und das die Jugend diese Tradition so lebt und weiterführt. Herzlichen Glückwunsch an den König und seiner Königin“.

Zitat:Michaela Hindricksen

Gratulanten

Der 23-jährige Bankkaufmann Hendrik Bienbeck wurde auf den Schultern der Kilianer ins 50 Meter entfernte Haus Große-Ruiken getragen, wo unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Thronbesetzung beraten wurde. Zu den ersten Gratulanten gehörte sein Vater Thomas Bienbeck, der die Kilianer im Jahre 2011 mit Petra Triptrap regierte und dessen Cousin Berthold Bienbeck die Kilianer mit Ingrid Bienbeck, der Mutter des jetzigen Königs, ins Jubiläumsjahr 2002 hineinführte. Johann Bienbeck, der Großenkel des jetzigen Königs, regierte 1978 mit Monika Gehling.

Der Thron der Kilianer Altschermbeck
Der Thron der Kilianer Altschermbeck 2017/18. Foto:Petra Bosse

Der Thron 2017/18

Knapp zwei Stunden nach dem Königsschuss wurde das neue Königspaar im Festzelt inthronisiert. Königin wurde die 24-jährige Ergo-Therapeutin Julia Ufermann. Die neuen Regenten werden während ihrer einjährigen Regierungszeit von den Ehrenpaaren Felix Ufermann/Sophie Scholtholt und Marius Sühling/ Britta Steinkamp unterstützt. Mit dem Krönungsball, der von der „Musikkapelle Holtwick“ und von der Band „Mainstreet“ musikalisch gestaltet wurde, endete das dreitägige Schützenfest der „Dörfler“. Text:Helmut Scheffler-Fotos: Bosse/Scheffler

 

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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