In der Brichter Turmstation wurde eine Ausstellung eröffnet. Es ist die dritte Ausstellung, die Martin Splitt als Eigentümer des Turmes seit 2014 in dem jetzt 76 Jahre alten Gebäude ermöglicht.

Schermbeck „Eine Treibholz-Geschichte von Afrika nach Texel“ heißt eine Ausstellung, die am Donnerstag in der Turmstation „Alter Postweg“ im Schermbecker Ortsteil Bricht eröffnet wurde.

Es ist die dritte Ausstellung, die Martin Splitt als Eigentümer des Turmes seit 2014 in dem jetzt 76 Jahre alten Gebäude ermöglicht.Afrikanischer Baumstamm wurde zu einem Kunstwerk

Ein einziger Gegenstand, ein Baumstamm, steht im Mittelpunkt der Ausstellung. Aber die Geschichte seiner Herkunft, seines Auffindens und seines Weges zur Turmstation in Bricht wurde so spannend aufbereitet, dass die Vernissage am Donnerstag für die Teilnehmer zu einer eindrucksvollen Kunst-Präsentation wurde.

Brichter Turmstation
Martin Splitt (r.) konnte für die neue Ausstellung in seiner Brichter Turmstation den Östreicher Theodor Brockmann (l.) gewinnen, von dessen gefundenem Baumstamm und der Nachbildung in Blech der Fotograf Ralf Knüfken (Mitte) ganze Fotoserien erstellte. Foto: Helmut Scheffler

Im Juni 1997 sind sie sich erstmals begegnet, ein geschwungener Baumstamm, dem man die Spuren einer langen Seereise ansieht, und der damals noch in Bottrop wohnende Maschinenbau-Ingenieur Theodor Brockmann.

Die Begegnung fand am Strand der niederländischen Nordsee-Insel Texel statt. „Ich war sofort von der außergewöhnlich schönen Figur dieses Baumes gefangen“, erinnerte Brockmann am Donnerstag an die erste Begegnung und fügte hinzu, „als erstes grub ich ein Loch in den Sand und stellte ihn auf.“

Der Östreicher Theodor Brockmann
Der Östreicher Theodor Brockmann

Ein paar Tage später holte er den Baum mit Hilfe eines Freundes und eines Fahrrades vom Strand. Vollgesogen mit Meerwasser, war der Baumstamm unvorstellbar schwer.

Zwei Jahre später brachten Brockmanns Schwiegereltern diesen Baumstamm mit nach Bottrop. Dort konnte der Stamm weitertrocknen. „Anschließend sägte ich die obersten fünf Zentimeter ab, damit er aufrecht in unserem Wohnzimmer stehen konnte“, fuhr Brockmann in seiner Erzählung fort.

Der Östreicher Theodor Brockmann

Das abgesägte Stück diente zur Baumartbestimmung. Dabei stellte es sich heraus, dass es sich um ein Teilstück eines afrikanischen Nussbaums handelte. Er musste also in Afrika ins Meer gelangt sein und die komplette Strecke nach Texel getrieben sein. Theodor Brockmann hat unter Berücksichtigung der Meeresströmungen und der Geschwindigkeit des treibenden Wassers errechnet, dass der Baumstamm zwischen ein und zwei Jahre gebracht hat, um nach Texel zu gelangen.

Der Östreicher Theodor Brockmann

Weil ihm die Gestalt des Baumstamms so gut gefiel, hat ihn der gelernte Betriebsschlosser Brockmann aus Stahlblech nachgebaut. Die Freude an kreativen Schaffensprozessen begann im Jahre 1992 als Gegenpol zu den vielen naturwissenschaftlichen Fakten, mit denen er während der schulischen und beruflichen Ausbildung konfrontiert wurde. Bereits im Jahr darauf beteiligte er sich an einer Ausstellung Bottroper Künstler.

Der hölzerne Baumstamm und sein Duplikat aus Blech läuteten den Start für eine Foto-Aktion ein, bei der der seit 15 Jahren in Östrich wohnende Brockmann von Marc Vengels und von Ralf Knüfken unterstützt wurde.

Vielzahl von fotografischen Arrangements

Fünf Jahre lang haben sie den Baumstamm und seine Nachbildung aus Stahlbech zu verschiedenen Stellen in der Landschaft transportiert und dort fotografisch ins jeweilige Umfeld eingebettet. Dabei entstand eine Vielzahl von fotografischen Arrangements, die an den Wänden des kleinen Raumes der Turmstation betrachtet werden können.

Zuschuss in Höhe von 4000 Euro

„Ich bin begeistert und überrascht, wie originell der Turm genutzt wird“, bescheinigte Michael Sonfeld dem Weseler Facility Manager Martin Splitt. Als ehemaliger Liegenschaftler der RWE Deutschland AG hatte Sonfeld im Jahre 2014 die für den Netzausbau bei gleichzeitiger Verkabelung nicht mehr benötigte Turmstation zum symbolischen Preis von einem Euro an Martin Splitt übergeben, weil ihn dessen Nutzungskonzept beeindruckt hatte.

Außerdem gab es einen Zuschuss in Höhe von 4000 Euro, weil RWE die Abrisskosten erspart blieben. Bis 2011 war der Turm Teil des RWE-Freileitungsnetzes für die Ortsversorgung der beiden ehemals selbstständigen Gemeinden Bricht und Schermbeck.

 

Martin Splitt bietet ab und zu Veranstaltungen an, die den alten Turm zu einem Kommunikationszentrum werden lassen. Dazu gehören auch Ausstellungen. Die jetzige Ausstellung kann noch heute und morgen jeweils zwischen 11 und 19 Uhr besichtigt werden. Der Turm befindet sich in der Nähe des Hauses Nummer 91 an der Alten Poststraße. Der Eintritt ist frei. H.Scheffler    

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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