LANUV-Mitarbeiter widerspricht der Auffassung des Deponiebetreibers -Umweltskandal zieht Kreise

Mit dem Umweltskandal in der zur Deponie umgewandelten Abgrabung der Firma Nottenkämper hängt auch ein Prozess zusammen, der am Landgericht Bochum in der zweiten Strafkammer stattfindet und der sich gegen einen Gahlener Bürger richtet.

Giftmüll: Abgelagerte Ölpellets

Falschen Abfallschlüsselnummer

Dem Gahlener, der Mitgesellschafter der Firma Ruhrcarbon ist, die in der Lieferkette zwischen der Ruhr Oel GmbH (= Teil der BP) in Gelsenkirchen, der Firma RZB und der Deponie Nottenkämper versteckte Ölpellets geliefert hat, wird von der Bochumer Staatsanwaltschaft vorgeworfen, einen Abfall geschaffen zu haben und mit einer falschen Abfallschlüsselnummer an die Firma RZB geliefert zu haben, von wo er zur Deponie Nottenkämper gelangte.

Im Rahmen des Verfahrens, das ein Mitarbeiter von Schermbeck-Online in Bochum verfolgte, wurden bislang zahlreiche Zeugen gehört. In deren Aussagen tauchten inzwischen Details auf, die die bisherige öffentliche Sehweise von Kontrollmaßnahmen in ein anderes Licht rücken.

Ölpellets in verkapselter Form

Im Verfahren wurde Dr. Ulrich Malorny als Zeuge vernommen. Er ist Mitarbeiter des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV). Im Verlauf der Sitzung stellte er in Kenntnis der Tatsache, dass die Ölpellets in verkapselter Form auf der Deponie Nottenkämper angeliefert wurden, sinngemäß die Behauptung auf, die Firma Nottenkämper hätte das Schweröl in den auf ihrer Deponie abgelagerten Ölpellets eigentlich riechen können.

Kein Ölgeruch erkennbar

Weil die Firma Nottenkämper gegenüber der Öffentlichkeit bislang die Auffassung vertrat, man habe auch bei mehr als 1000 LKW-Ladungen keinen Ölgeruch erkennen können, haben wir den LANUV-Mitarbeiter um eine nähere Erläuterung für seine Darstellung vor dem Gericht gebeten.

Wir erhielten folgende schriftliche Stellungnahme:

„Bei den Ölpellets handelt es sich um ein rußhaltige, schwarze schmierige Masse, welche einen stark mineralölhaltigen Geruch hat. Die Ölpellets (kleine Kügelchen) lassen sich mit anderen Stoffen nicht vermischen. Das schmierige Gemisch lagert sich nur um die Kügelchen herum ab. Beim Zerreiben kommt deutlich der schmierige mineralölhaltige Charakter zum Vorschein. Nach meiner fachlichen Meinung hätte das Material bei einer organoleptischen Ansprache (Ansprache über die Sinnesorgane z. B. nach Aussehen – Farbe, Konsistenz, makroskopische Inhaltsstoffe – und Geruch) auffallen müssen.“ Auf unser Nachfrage, warum Dr. Malorny so sicher sein könne, dass man Ölpellets riechen kann, wurde mitgeteilt: „Die Ölpellets wurden vom LANUV beprobt und untersucht. Uns sind die Eigenschaften des Materials bekannt. Der Geruch ist für mineralölhaltige Produkte typisch.“

Firma Nottenkämper hält sich bedeckt

Auf die Frage, wieso die Firma Nottenkämper den Geruch der Pellets nicht wahrgenommen habe, antwortete die LANUV: „ Hierzu kann aus hiesiger Sicht nicht Stellung genommen werden. Das LANUV war nicht bei der Annahme der Abfälle auf der Deponie dabei. Zu berücksichtigen ist, dass bei der Ansprache des Materials über die Sinnesorgane, diese nicht bei jedem Menschen gleich ausgebildet sind.“ H.Scheffler

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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