Der CDU Neujahrsempfang 2026 mit Schulministerin Dorothee Feller im Schermbecker Rathaussaal stand ganz im Zeichen der Bildung und des sozialen Engagements. Über 1.000 Euro Spenden kamen zusammen. Die Veranstaltung verband landespolitische Perspektiven mit kommunalen Herausforderungen vor Ort.

Kopf nicht in den Sand stecken
Ulrich Stiemer eröffnete den Abend und begrüßte die zahlreichen Gäste, darunter Bürgermeister Mike Rexforth und seinen Dorstener Amtskollegen Tobias Stockhoff, Charlotte Quick MdL sowie als Hauptrednerin Dorothee Feller, Schulministerin des Landes Nordrhein-Westfalen.
Ulrich Stiemer spannte in seiner Rede einen Bogen von seiner eigenen Schulzeit in den 1950er-Jahre bis in die Gegenwart und machte deutlich, wie sehr sich Bildung und gesellschaftliche Erwartungen verändert haben. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung eines modernen Schulsystems und verwies auf die besondere Rolle Schermbecks als Bildungsstandort.

Im Anschluss übernahm Charlotte Quick die Anmoderation und Vorstellung der Ministerin. Dorothee Feller nutzte den Neujahrsempfang bewusst für einen größeren Blick auf die Lage. Angesichts der internationalen Krisen warnte sie vor Resignation: „Dann kann man natürlich hingehen und sagen: Das ist alles anstrengend – wir stecken den Kopf in den Sand. Ich muss Sie heute einladen, es nicht zu tun.“
Dorothee Feller verband das mit einem Appell zur Verteidigung demokratischer Werte: „Wenn wir erleben, dass unsere demokratischen Strukturen insgesamt unter Druck stehen, dann sind wir besonders gefordert, uns für unsere Werte einzusetzen.“ Optimismus bedeute dabei nicht Schönfärberei, sondern Handlungsbereitschaft: „Optimismus bedeutet, die Möglichkeiten der Gestaltung zu nutzen.“

Bildungspolitik und konkrete Reformansätze
Den Schwerpunkt ihres Vortrags legte Dorothee Feller auf Bildungspolitik und konkrete Reformansätze. Sie begrüßte ausdrücklich den Kurs der Gemeinde, in Schulbau zu investieren: „Dass Sie sagen: Nein, wir investieren in Schule, in Bildung und damit in die nächste Generation – das ist der richtige Schritt.“
Feller erläuterte zudem die Prioritätensetzung der Landesregierung in schwierigen Haushaltsjahren und stellte klar, dass das Schulministerium nicht über Kürzungen in den Schulen sparen werde: „Wir haben im Kabinett gesagt: Wir werden nicht im Schulbereich sparen. Wir werden das nicht tun.“ Gleichzeitig machte sie deutlich, warum klare Leitlinien nötig seien. Nordrhein-Westfalen habe vier Bildungsziele formuliert, von der Reduktion nicht erreichter Mindeststandards bis zur Stärkung sozial-emotionaler Kompetenzen und einer besseren Anschlussperspektive Schule–Beruf.
Besonders eindringlich schilderte Dorothee Feller die Problemlage bei den Basiskompetenzen. Studien hätten gezeigt, dass „bis zu 25 Prozent“ der Grundschulkinder Mindestanforderungen in Kernbereichen nicht erreichten. Für sie sei das nicht nur eine Bildungs-, sondern auch eine Teilhabefrage: „Bildung heißt Teilhabe. Bildung heißt auch, meine Rechte wahrnehmen können. Und wenn ich nicht lesen kann, kann ich das nicht.“

ABC-Klassen und Personaloffensive
Als zentrale Gegenmaßnahmen beschrieb Dorothee Feller Programme zur Stärkung von Lesen, Rechnen und Schreiben sowie die Einführung sogenannter ABC-Klassen als vorbereitende Förderung für Kinder, die beim Schuleintritt grundlegende Vorläufer-Kompetenzen noch nicht ausreichend mitbringen. Gleichzeitig räumte sie die Herausforderung des Lehrkräftemangels offen ein und verwies auf ein Maßnahmenpaket zur Personalgewinnung: „Seit Sommer 2022 bis Dezember 2025: 11.000 Menschen mehr im Schulsystem.“
Auch die Rolle der Schulen im gesellschaftlichen Wandel griff Dorothee Feller auf, inklusive einer klaren Wertschätzung der pädagogischen Arbeit vor Ort: „Grundschule hat einen riesigen Respekt verdient.“ Und sie dankte ausdrücklich allen Lehrkräften und Professionen an Schulen für die tägliche Leistung.

CDU Neujahrsempfang 2026 mit Schulministerin Dorothee Feller: Neubau als Signal
Nach dem Vortrag der Ministerin übernahm Mike Rexforth und bedankte sich zunächst für die enge, persönliche Gesprächsbereitschaft: „Ich bin sehr dankbar, dass Sie heute hier sind und der Basis zuhören.“ Anschließend stellte er die Lage der Gemeinde dar, von Verwaltungsthemen über Flüchtlingsunterbringung bis zu großen Struktur- und Bauprojekten.
Im Mittelpunkt stand das Großprojekt neue Grundschule. Der erste Spatenstich stand heute um 11 Uhr an. Mike Rexforth machte deutlich, warum Schermbeck trotz finanzieller Belastung an dem Vorhaben festhält: „Wir lassen uns nicht beirren. Auch wenn es keine direkten Fördermittel für einen Neubau gibt, sagen wir ganz bewusst: Wir machen das. Warum? Weil Bildung der Schlüssel ist.“

Der Bürgermeister betonte, der Neubau sei eines der größten Bauvorhaben der Gemeinde. Kritik werde kommen, auch persönlich, räumte er ein. Seine Antwort darauf sei eindeutig: „Wenn Sie mich fragen, ob ich diesen Weg heute noch gehen würde, dann beantworte ich die Frage mit einem klaren Ja.“ Begründet wurde das mit dem veränderten Verständnis von Schule: „Schule ist heute ein zweites Zuhause. Ganztagsbetreuung bis 17 Uhr – hier findet vieles von dem statt, was früher das Familienleben ausgemacht hat.“
Wachsende Aufgabenlast und klare Forderungen
Mike Rexforth verband das mit einem Appell an die Öffentlichkeit: „Kritik ja – aber bitte erst, wenn Sie die Fakten kennen. Thekenparolen brauchen wir nicht. Informieren Sie sich.“ Bildung sei nicht nur Zukunftssicherung, sondern auch demokratierelevant: „Bildung kostet Geld, ja – aber sie ist der Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit unserer Kinder und Enkelkinder. Sie ist die Zukunftsfähigkeit unserer Demokratie.“

Neben Bildungsthemen sprach Mike Rexforth offen über kommunale Finanzen und die wachsende Aufgabenlast. Er forderte, neue Leistungen müssten auch solide gegenfinanziert werden: „Wenn Leistungen versprochen werden, dann müssen sie auch bezahlt werden.“ Zugleich warnte er davor, dass dauerhaft fehlende Finanzierungslogik die Handlungskraft der Kommunen und damit das Vertrauen in staatliche Strukturen beschädige.
Zukunft der Mittelstraße
Ein weiteres Thema war die Zukunft der Mittelstraße. Mike Rexforth verlangte eine Entscheidung bis zum Sommer und betonte, es gehe nicht nur um Verkehrsfragen, sondern um die Rolle des Ortskerns insgesamt: „Es ist jetzt an der Zeit, Mut zu zeigen, Farbe zu bekennen und eine Entscheidung zu treffen.“ Sein Leitsatz dazu: „Stillstand ist keine Option.“

Zum Schluss bedankte sich Mike Rexforth ausdrücklich bei den Mitarbeitern der Verwaltung im Rathaus, in Außenstellen, Schulen, auf dem Bauhof und ausdrücklich auch bei den Reinigungskräften: „Ihr alle sorgt jeden Tag dafür, dass diese Gemeinde funktioniert.“
Der CDU Neujahrsempfang 2026 mit Schulministerin Dorothee Feller zeigte, wie eng große bildungspolitische Linien, kommunale Realität und konkrete Projekte vor Ort zusammenhängen und dass der Neubau der Grundschule in Schermbeck nicht nur ein Bauvorhaben, sondern ein politisches Signal ist.

Grundschule hat einen riesigen Respekt verdient
Ministerin Dorothee Feller























