„Alle Jahre wieder“ treffen sich acht gestandene Männer, um gemeinsam über Pfingsten in der Wildnis zu campieren. „Irgendwo im Nirgendwo“, im Wald zwischen Rhedebrügge und Bocholt, liegt das Dschungelcamp der „Alten Germanen“. Entstanden ist die reine Männergruppe 1977 aus der gemeinsamen Ferienlagergruppe St. Ludgerus heraus. „To, to alte Germanen, sagte Pastor Anton Benning immer zu uns. Das hat uns bei der Namensfindung beflügelt“, erinnert sich Michael Grüter an diese Zeit.

Jahre später
Heute, 38 Jahre später folgen Grüter, Volker Oening, Martin Thiemann, Norbert und Manfred Dahlhaus, Heinrich Schick, Manfred Kempken und Andreas Klein immer noch dem „Ruf der Wildnis“. Obwohl einige mittlerweile nicht mehr in Schermbeck wohnen und in Deutschland verteilt als Handwerker, Theologe, Architekt, Physiker, Studenten und Chemiker arbeiten, reisen sie jährlich etliche Kilometer an, um diese alte Gemeinsamkeit nicht zu vernachlässigen.

Die "Alten Germanen" in ihrem Lager vor dem neuen Steinofen. (v. li.) Leon Nappenfeld, Juri Dahlhaus, Nils Nappenfeld, Gerrit Kempken, Heinrich Schick, Norbert Dahlhaus, Michael Grüter, Manfred Dahlhaus und Martin  Thiemann)
Die „Alten Germanen“ in ihrem Lager vor dem neuen Steinofen. (v. li.) Leon Nappenfeld, Juri Dahlhaus, Nils Nappenfeld, Gerrit Kempken, Heinrich Schick, Norbert Dahlhaus, Michael Grüter, Manfred Dahlhaus und Martin Thiemann)

Zuerst zu den Eltern
So auch in diesem Jahr. Traditionell trafen sich die „Alten Germanen“ am Freitagabend bei Hanne Schick, in der Gaststätte Nappenfeld. Von dort aus ging es dann, einem sich immer wiederholenden festen Tourenplan folgend, weiter Richtung Zeltlager. „Zuerst fahren immer bei meinen Eltern vorbei. Die haben uns das Bier kaltgestellt, warten schon ungeduldig auf uns und freuen sich riesig, wenn wir dann zu später Stunde kommen“, berichtet Manfred Dahlhaus. Anschließend geht es zum Schwarzbrot-Essen nach Triptrap. Je nach Lust und können solche Besuche schon mal etwas länger dauern, so dass die Gruppe dann meistens erst in den frühen Morgenstunden ihr 35 Kilometer entferntes Zeltlager erreichen. Eine Nonstop-Tour gab es noch nie.

Ohne Holz kein Feuer und kein Essen. Die Jugend sorgte für Nachschub.
Ohne Holz kein Feuer und kein Essen. Die Jugend sorgte für Nachschub.

Einfaches germanisches Leben
Im sogenannten „Dschungelcamp“ erwartet alle ein einfaches, germanische Leben. Und genau das genießen die acht „Alten Germanen“ an den drei Tagen in vollen Zügen. Einige Söhne haben sich ihren Väter in den letzten Jahren angeschlossen, ansonsten haben Fremde und Frauen, außer Mädchen und Töchter, hier keinen Zutritt.
Vielleicht gut so, denn ein Luxusleben, außer Wald, Vogelgezwitscher und Freiheit gibt es hier nicht. Kleine Lagerhygiene ist angesagt, Baden und Waschen in der Aa, und Toilettengang mit Spaten. Das alles spart Zeit. Zeit, die aber für eine enge Gemeinsamkeit, Spielen und Singen genutzt wird. Es kam auch schon mal vor, dass sich plötzlich mitten der Nacht Besuch ansagte. „Kurz nach Mitternacht stand plötzlich, mitte der 80ziger Jahre, die Blaskapelle Schermbeck vor unserem Zelt und brachten uns ein Ständchen“, erinnert sich Michael Grüter. Er ist seit Beginn der Chefkoch im Lager und sorgt immer wieder mit kulinarischen Neuheiten für das leibliche Wohl. Neuster Luxus seit zwei Jahren ist ein selbstgebauter Steinofen.

alte Germanen Lager

Intensive Gespräche und frischer Spargel

Pizza, grüner blancierter Spargel an Ruccula und Balsamico standen Pfingsten auf der Speisekarte. „Es gab aber auch schon Erdbraten oder Zwiebelsuppe. Im ersten Jahr allerdings hatten wir nur zwei Kisten Bier zur Verpflegung mit“, erinnert Grüter lachend. Langeweile kennen die „Alten Germanen“ nicht. Entweder es wird gesungen, musiziert, neue Spiele erfunden oder einfach in langen und sehr intensiven Gesprächen über das Leben philosophiert.
„Wichtig für mich ist, dass wir über all die Jahre immer da anknüpfen, wo wir aufgehört haben“, sagt Heinrich Schick. „Für mich ist das hier Tiefgang mit vielen guten Gesprächen“, so Michael Grüter. „Für mich ist das primitiver Luxus und das finde ich als was ganz Besonderes“, so der 22jährige Student Gerrit Kempken, der seinen Vater seit einigen Jahren begleitet.

Seit über 30 Jahren ist Michael Grüter der Lagerkoch und verwöhnt die "Alten Germanen" mit immer wieder neuen Rezeptideen und kulinarischen Speisen.
Seit über 30 Jahren ist Michael Grüter der Lagerkoch und verwöhnt die „Alten Germanen“ mit immer wieder neuen Rezeptideen und kulinarischen Speisen.

Etwas ausgwildert
Pfingstmontag bauten die „Alten Germanen“ ihre Zelte in der Wildnis wieder ab. Etwas ausgewildert, dafür aber wieder um viele Erfahrungen reichen brachen sie die Heimreise an. „Wir hoffen, dass unsere Kinder für uns im hohen Alter ein barrierefreies Lager gestalten“, sagte schmunzelnd Manfred Dahlhaus am Ende der Tour. Ein Wunsch ganz im Sinne aller, die Kopfnickend diesem Wunsch unterstrichen. Petra Bosse

Ohne Holz kein Feuer. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen?
Ohne Holz kein Feuer. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen?
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