Rettet die Reisebüros! Schermbecker Reisebüros zeigen Gesicht und demonstrieren.

Vor dem Rathaus in Schermbeck haben am Mittwoch Betreiber von Reisebüros Schermbeck, Kamp-Linfort und Oberhausen mit leeren Koffern und leeren Liegestühlen demonstriert. Sie möchten auf ihre finanzielle Notlage aufmerksam machen und forderten vor allem finanzielle Hilfen in der Corona-Krise.

Schermbecker Reisebüros demonstrieren Corona
Foto: privat

Schermbeck (pd/bos). Corona hat die Reisebüros des Reiseweltmeisters Deutschland in einem Ausmaß getroffen, wie keine andere Branche. Weltweite Reisewarnungen wurden ausgesprochen, Einreiseverbote verhängt. Die Reisebranche steht seit Anfang März still.

„Zehntausend Reisebüros verzeichnen keinerlei Einkünfte. Auch in der Gemeinde Schermbeck!“, sagt Frank Herbrechter vom Schermbecker Reisebüro und Orginasator der Demonstration.

Corona Rettet die Schermbecker Reisebüros Demo

In dieser Woche gehen Reisebüros bundesweit auf die Straße und fordern Hilfen, faire Entlohnung für gute und bereits geleistete Arbeit, Soforthilfen ohne Rückführung und einen staatlichen Reisesicherungsfond für Reisebüros. Die Kosten dafür sollten nachträglich von den Reisebüros erstattet und auf die Preise umgelegt werden.

Von Politik und Medien vergessen

Tourismus in Deutschland bedeutet 290 Milliarden Euro Umsatz und ca. 2.300 Reiseveranstalter mit insgesamt rund 3 Millionen Beschäftigten.  Tourismus ist Reisebüro, rund 10.000 Reisebüros in diesem Konstrukt sind ein unverzichtbares Teil. „Und alle diese Reisebüros sind die, die von der Politik und den Medien komplett vergessen werden. Alleine in Schermbeck gibt es drei stationäre Reisebüros mit mehr als einem Dutzend Mitarbeitern. Namentlich sind das „Ihre Reiseoase“, das „Schermbecker Reisebüro I MoreCruises GmbH“ und der „Gahlener Reiseshop“, so Herbrechter.

Corona Rettet die Schermbecker Reisebüros Demo
Frank (l.) und Katrin Herbrechter vom Schermbecker Reisebüro sowie Ulla Dusek und Frauke Albers von der Reiseoase Schermbeck

Reisebüros sind elementare Stützen der Touristik in einem nur gemeinsam lebensfähigen Modell. Ohne Veranstalter, Busunternehmen, Fluggesellschaften, Hotels, örtliche Agenturen und Reiseleiter sind Reisebüros unvorstellbar. Umgekehrt wären diese Branchenzweige auch ohne diese nicht überlebensfähig. In der Politik wird die Tourismusbranche gerade auf TUI, Lufthansa, Hotels und Gastronomie reduziert.

Von den ca. 10.000 Reisebüros mit rund 100.000 Mitarbeitern sind jetzt mehr als die Hälfte von der Schließung bedroht (Quelle: DRV). Im schlimmsten Fall droht Mitarbeitern in kleinen, mittelständigen Betrieben und Kettenbüros die Arbeitslosigkeit, viele haben schon heute ihren Arbeitsplatz verloren oder sind in der Kurzarbeit.

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Die politischen Entscheidungen haben den Reisebüros die wirtschaftliche Grundlage entzogen, es gibt keine Reiseneubuchungen, nur Stornierungen, wenig Umbuchungen, aktuell null Provision und, noch schlimmer, die Rückforderungen der Veranstalter von bereits geflossenen Provisionen. Reisebüros erhalten diese allermeist nach erfolgter Abreise der Kunden. Millionenfach in Milliardenhöhe. Auch die Flut der Rückfragen verunsicherter Kunden ist riesig und wird kostenfrei bearbeitet, da die Vertragspartner der Kunden, die Reiseveranstalter, nicht erreichbar sind.

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Notleidende Reisebüros dürfen nicht ausgegrenzt werden, im Moment finden sie jedoch in der öffentlichen Diskussion nicht statt. Viele sind Reisebüro: Inhaber, Mitarbeiter, Auszubildende und deren Familien leben von der Arbeit am Kunden. Die Situation hat sie zuerst getroffen, bei null Einnahmen mit laufenden Kosten. Sie werden die letzten sein, bei denen das Geschäft wieder anläuft.

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Christoph Wrobel und Jessica Troska vom Gahlener Reiseshop

Die Tourismusbranche ist bereit, so lange still zu stehen, solange sie damit Leben retten kann. Wenn wir dieses Opfer für unsere Gesellschaft erbringen, muss die Gesellschaft auch bereit sein, uns über die Zeit des Stillstandes zu unterstützen. Helfen Sie in dieser besonderen Situation auf die Anliegen der Reisebüros aufmerksam zu machen: sprechen Sie mit den Reiseexperten, der Politik, den Medien über die Nöte der Reisebüros und buchen Sie Ihre Reisen lokal bei den Urlaubsexperten in Deutschland und besonders in der Gemeinde Schermbeck. Heute und auch in Zukunft. 

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