Ostern, das höchste christliche Fest im Jahr, wird auch bei unseren europäischen Nachbarn mit traditionellen Bräuchen gefeiert.

Ein Besuch der Ostermesse gehört in coronafreien Jahren ebenso dazu wie ein üppiges Festmahl. Auch bemalte Eier und das Osterlamm spielen während der Feiertage in weiten Teilen Europas eine wichtige Rolle. Allerdings unterscheiden sich die Gewohnheiten teilweise erheblich. Wir haben einen Blick über einige Grenzen geworfen.

  • Osterglocken statt Osterhasen
  • Prozessionen in Südeuropa
  • Höhepunkt am Ostersonntag
  • Ein festliches Menü darf nicht fehlen
  • Vom Brauchtum zum Kulturerbe

Spaniens Prozessionen in der Semana Santa

Auch wenn es in Spanien weder Ostereier noch Osterhasen gibt, spielt die Semana Santa – die Heilige Woche – eine ganz besondere Rolle im liebsten Urlaubsland der Deutschen. Überall finden Prozessionen statt, bei denen viele Gläubige sich in ein Büßergewand hüllen. Die größten Prozessionen gibt es am Karfreitag. Ihren Höhepunkt erreicht die Karwoche mit den Festlichkeiten am Ostersonntag, bei denen das obligatorische Festmahl nicht fehlen darf. Besonders beliebt sind Lamm und der Stockfisch, el bacalao. Für Naschkatzen gibt es je nach Region flor de pascua, ein zartes Gebäck in Blumenform, oder monas de pascua.

Die Colomba pasquale
Die Colomba pasquale darf zu Ostern in Italien nicht fehlen. Foto: lavaligiainviaggio auf Pixabay:

In Italien gehört die Colomba pasquale dazu

Auch hier stehen neben opulenten Menüs im Kreis der Familie oder mit Freunden zu Ostern große Prozessionen an. Zur Erinnerung an den Leidensweg Christi findet die Prozession am Karfreitagabend schweigend statt. Sie bildet den Auftakt zum Osterwochenende. Zu den Höhepunkten gehört das Festmahl Pranzo di Pasqua am Ostersonntag nach der Messe, der diesmal eine Prozession in gehobener Stimmung vorausgeht. Das mehrgängige Menü kann sich über einen Großteil des Tages erstrecken und endet traditionell mit einem gebackenen Hefeteig in Form einer Taube, der Colomba pasquale. Der Ostermontag, der in Italien verniedlichend Pasquetta heißt, ist weniger besinnlich. Meist wird er bei einem Ausflug im Freundeskreis begangen. Natürlich sind auch dabei leckeres Essen und reichlich Vino im Gepäck.

Osterhasen
Erst im 19. Jahrhundert setzte sich der Osterhase als Symboltier durch.

In Frankreich ersetzen Osterglocken den Osterhasen

Statt an den Osterhasen glauben die Kinder in Frankreich, dass die bunten Eier und die Schokolade von den Osterglocken gebracht werden. Die Kirchturmglocken verstummen nämlich nach alter Tradition am Gründonnerstag, weil sie nach Rom „fliegen“ müssen. Dort werden sie gesegnet, um am Ostersonntag als Osterglocken wieder zurückzukehren. Dabei verlieren sie die mitgebrachten bunten Eier und Schokolade in Glockenform.

Auch in der Heimat der Nouvelle Cuisine gehört gutes Essen zu einem gelungenen Fest. In vielen Familien kommt zum Hauptgang in Anspielung auf das Osterlamm eine Lammkeule auf den Tisch.

Was wäre Ostern ohne Ostereier
Was wäre Ostern ohne Ostereier? Foto: silviarita auf Pixabay

Fleischweihen und Ratschen in Österreich

Einmal abgesehen von lokalen und regionalen Besonderheiten wie Fleischweihen am Karsamstag im Süden der Alpenrepublik kommt uns das Ostern in Österreich ziemlich bekannt vor. Hier wie dort werden jede Menge Eier gefärbt und für Kinder versteckt. Eine Eigenart in vielen Regionen Österreichs ist das sogenannte Ratschen auf einem Holzschrapinstrument in der Karwoche.

Da bis Ostersonntag keine Glocken läuten, ziehen stattdessen die Kinder „ratschend“ durch die Straßen und sagen Sprüche auf. Die UNESCO hat den Brauch sogar in ihr „Immatrielles Kulturerbe“ aufgenommen. Beispielhaft für die zahlreichen Sprüche hat die Österreichische UNESCO Kommission auf ihrer Webpräsenz den folgenden veröffentlicht: „Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss. Kniet’s nieder, kniet’s nieder auf euere Knie, bet’s drei Vater Unser und ein Ave Marie”. Als Belohnung gibt es für den Nachwuchs dafür beim sogenannten Absammeln Süßigkeiten, Ostereier oder auch kleine Geldbeträge.

Wie auch immer Sie die Ostertage in diesem Jahr verbringen, wir wünschen allen Leserinnen und Lesern:

Frohe Ostern, Buona Pasqua, Felices Pascuas, Joyeuses Pâques!