Ein spannendes Duell an der Vogelstange krönte das Schützenfest Altschermbeck 2025. Mit dem 483. Schuss holte Ralf Grömping den Vogel von der Stange. Königin ist Michaela Deuster.

Bereits am frühen Vormittag herrschte reges Treiben an der Vogelstange in Altschermbeck an der Erler Straße. Das überraschte kaum jemanden, denn hinter den Schützen lag eine ereignisreiche Nacht. Beim festlichen Königsball wurde das noch amtierende Königspaar Florian Weßel und Kathrin Felisiak zusammen mit dem Throngefolge Nina Große-Ruiken, Sven Felisiak, Isabell Schwering und Martin Große-Ruiken noch einmal ordentlich gefeiert.

Zuvor fand eine feierliche Parade statt, bei der zahlreiche Zuschauer am Ehrenmal und entlang der Erler Straße mitfieberten. Höhepunkt war die Einweihung der vierten Schützenfahne. Die Stimmung war ausgelassen, gleichzeitig stieg die Spannung. Wer würde das sympathische Königspaar ablösen?

Ziel anvisiert – wer trifft den Vogel?
Schon früh am Morgen traten die Schützen an, um sich an den Insignien des hölzernen Vogels zu versuchen. Flügel, Apfel, Zepter und Krone wurden nach und nach abgeschossen. Nach einer kurzen Schießpause ging es dann in die entscheidende Phase.
Jetzt wurde es spannend. Simon Bremer und Ralf Grömping standen im Finale um die Königswürde, ein Duell mit Wiedererkennungswert. Für Grömping war es nämlich schon der zweite Anlauf: Im vergangenen Jahr hatte er sich ein knappes Rennen mit Florian Weßel geliefert und den Kürzeren gezogen.


Die entscheidenden Schüsse
Dieses Mal stand ihm mit Simon Bremer ein ebenso entschlossener Konkurrent gegenüber. Und der ließ keine Zweifel aufkommen: Nach einem sicheren Treffer wackelte der Vogel bedenklich. Eigentlich hing er nur noch irgendwie an der Stange. Man hätte ihm fast zurufen wollen: „Halte durch!“ – aber da war es auch schon vorbei.
Dann kam der große Moment. Um 15.41 Uhr fiel mit dem 483. Schuss der Vogel von der Stange. Ralf Grömping hatte den entscheidenden Treffer gelandet. Er kürte Michaela Deuster zur Königin.

Die Insignien gingen an:
- Krone: Leonard Heier
- Reichsapfel: Tim Schuknecht
- Zepter: André Lutter
- Linker Flügel: Ryan Rauße
- Rechter Flügel: Johannes Triptrap


Musik, Stimmung und ein bisschen Tradition
Auch in diesem Jahr ließ es sich die Abordnung der Kiliangilde Schermbeck nicht nehmen, beim Altschermbecker Fest dabei zu sein. Für den richtigen Ton sorgte die Blaskapelle Einklang – mit schwungvollen Märschen, viel Herzblut und ordentlich Wumms. Sogar der noch amtierende Königin Kathrin Felisiak griff zwischendurch selbst zu den Trommelstöcken und zeigte, dass er nicht nur beim Schießen im Takt bleiben kann.
Während die Großen sich bei kühlen Getränken und am Schießstand bestens unterhielten, kamen auch die kleinen Nachwuchskilianer auf ihre Kosten. Für sie gab es ein buntes Zauberprogramm – mit Glitzer, Staunen und ganz viel „Wow“.

Königsschuss mit Bedeutung
König Ralf Grömping schilderte den entscheidenden Moment mit klaren Worten: „Was das für ein Gefühl war, als der Vogel fiel? Unglaublich. Ich war früher Offizier, und dann mal ganz vorne zu stehen und draufzuhalten, das ist schon was Besonderes. Wenn er dann tatsächlich fällt, umso besser. Als Kilianer ist das sowieso etwas, das man nicht vergisst.“ Verwurzelt in Altschermbeck
Ralf Grömping, 53 Jahre alt und vom Beruf Elektrotechniker, beschreibt sich selbst als „Schermbecker Jung – oder besser gesagt: Altschermbecker.“ Er sei hier aufgewachsen, habe schon früh als Offizier mitgemacht und nehme nun in anderer Rolle am Schützenfest teil. Auch Michaela Deuster bringt eine lange Verbindung zum Ort mit: „Ich war früher Offizier und freue mich, jetzt auf ganz andere Art wieder dabei zu sein.“ Im vergangenen Jahr habe es mit dem Königspaar nicht geklappt, diesmal habe es gepasst. „Es war spannend bis zum Schluss. Aber wir haben’s geschafft“, sagte sie.

Königin: „Ganz spontan – aber voller Vorfreude“
Ob das Königsjahr geplant war? Die neue Schützenkönigin winkte lachend ab. „Nein, ganz und gar nicht. Das war total spontan.“ Umso größer sei nun die Freude über die neue Rolle. Gemeinsam mit dem Thron freue sie sich auf viele schöne Momente – mit den Altschermbeckern und Schermbeckern. „Wir wollen einfach möglichst viel Zeit miteinander verbringen.“ Seit mehr als 20 Jahren lebt sie mit ihrer Familie in Schermbeck. „Geboren bin ich in Berlin, aber Schermbeck möchte ich nicht mehr eintauschen. Wir sind hier angekommen. Und das fühlt sich gut an.“

Heimat gefunden – persönliche Worte des Bürgermeisters
Nach der Gratulation an das neue Königspaar nutzte Bürgermeister Mike Rexforth die Gelegenheit, um ein paar persönliche Worte zu sprechen, mit Blick auf die neu geweihte vierte Altschermbecker Schützenfahne und die Bedeutung von Gemeinschaft und Heimat.
„Heimat ist da, wo man sich wohlfühlt“, sagte Rexforth und erinnerte an eine Begebenheit vor knapp zwei Jahren. Damals habe er mit dem heutigem König gemeinsam bei Overkämping gesessen, und mit dabei war auch der heutige Ehrenherr, für den es der erste Besuch in einer typischen Dorfkneipe war. „Er saß da, ein bisschen irritiert, darf man ruhig sagen“, so Rexforth. „Aber wir haben ihm gesagt: Du musst das Dorfleben einmal richtig erleben, sonst kommst du nicht an.“ Im Laufe des Abends, bei ein paar Bieren, sei aus dem anfänglichen Zögern eine neue Vertrautheit entstanden. „Heute ist er voll dabei, übernimmt Verantwortung, bringt sich ein. Genau so funktioniert Heimat. Und genau das lebt ihr hier in Altschermbeck.“

Die Nacht ist noch lange nicht zu Ende
Nach dem spannenden Vogelschießen zieht das neue Königspaar mit dem Thron ins Festzelt ein. Dort wird weiter gefeiert, getanzt und gelacht. Wie es in Altschermbeck seit jeher üblich ist, wird auch diese Nacht vermutlich erst dann enden, wenn der neue Tag längst begonnen hat.
Ein weiteres Highlight für die Altschermbecker Schützengilde war in diesem Jahr die beeindruckende Zahl von 1419 Schützeneintragungen.





















