Wir in Erle – Ich werde Genosse. Dieses Thema wird die Erler in den nächsten Monaten beschäftigen.

Erle. Idealismus, Herzblut und Heimatliebe bringen die Beteiligten schon mit. Ihr großes Ziel: Ein Dorfgemeinschaftshaus für Erle. Kostenpunkt: 2 Millionen Euro. Das Geld soll mithilfe der Bewohner und Bürger zusammenkommen. Genauer: Mit der Bürgergenossenschaft Erle eG.

Das Besondere daran: Jeder kann sich beteiligen und selbst Gründer werden. Mit einem Mindestbeitrag von 300 Euro. Bürgermeister Andreas Grotendorst rechnet durch: Wenn sich 6.666 Menschen mit dem Mindestbetrag eintragen, hat die Gemeinde Erle/Raesfeld das Geld zusammen. „Einen Plan B gibt es nicht“, betont er.

Dorfgemeinschaftshaus Erle

Genosse werden bedeutet, nicht sponsern, sondern das Geld von der linken, in die rechte Tasche parken. Oder anders ausgedrückt: Statt unter dem Kopfkissen, im Schließfach oder auf einem Sparbuch ohne nennenswerte Zinsen und Erträge vor sich hindümpeln zu lassen und auf Dauer mehr Inflationsverluste zu haben als Gewinn, dann lieber in die Genossenschaft umzuparken und Gründer werden.

Bürgermeisters Herzensangelegenheit

Das neue Erler Projekt – ein Dorfgemeinschaftshaus mit Gastronomie, Saal, Dorfplatz und Anbindung an die weiteren geplanten Projekte im Rahmen des Dorferneuerungsprojektes – ist eine Herzensangelegenheit von Bürgermeister Andreas Grotendorst. „Ich bin Erler und möchte es noch in meiner Amtszeit hinbekommen. Ich empfinde das Projekt als einen großen Glücksfall, denn wer hat so etwas denn überhaupt schon gemacht?“ Und genau so ist es. Dieses Projekt wird, wenn es wirklich klappt, wovon die Initiatorengruppe überzeugt ist, einmalig in Deutschland sein. Deshalb werde sich die Gemeinde auch mit einem großen Anteil daran beteiligen, fügte Grotendorst hinzu.

Andreas Grotendorst
Bürgermeister Andreas Grotendorst brennt für dieses einmalige Projekt.

Neuer Dorfmittelpunkt soll entstehen

Das Projekt ist auf dem Gelände rund um den Dorfkern geplant. Johannes Böckenhoff hat sein Grundstück an die Gemeinde Raesfeld/Erle mit einem weinenden Auge verkauft. Doch zugleich freut er sich, dass hier ein neuer Mittelpunkt für das Dorf entstehen soll. Ein Ort, der immer belebt ist und Menschen zusammenbringt.

Geplant ist im Rahmen des Dorfentwicklungskonzeptes der Bau eines neuen Dorfhauses durch eine Bürgergenossenschaft, ein neuer Dorfplatz, ein Mehrfamilienhaus und die Verkehrsberuhigung der Schermbecker Straße im Dorfkern von Erle.

Dorfgemeinschaftshaus Erle
Arno Brömmel möchte neuer „Kranführer“ werden

Hintergrund ist auch der, dass Arno Brömmel sich aus seiner Gaststätte hinausziehen möchte. Viele Menschen treffen sich hier regelmäßig zum Stammtisch und anderen Anlässen. Im Sommer war der Biergarten immer mit Leben gefüllt. Doch das Gebäude ist alt und eine Sanierung würde noch mehr kosten, als ein Neubau.

Brömmel wird bald Vergangenheit sein

Im Saal von Brömmel-Wilms fanden in den letzten Jahrzehnten nicht nur Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen statt. „Früher hatten wir zwei bis drei Hochzeiten die Woche“, so Arno Brömmel. Der Saal war aber auch in all den Jahren die „Bühne“ für großes und kleines Theater. Angefangen von der EAV, Kleinkunstbühne, Karneval, Vereine, Generalversammlungen, plattdeutsches Theater, Frauen- und Seniorengemeinschaften. Alles tummelte sich im „schönen Saal“ von Brömmel-Wilms. Bis heute ist die „Kneipe in unserer Straße“ der Treffpunkt für alle, die Gemütlichkeit, ein geselliges Beisammensein mit Freunden und Cliquen lieben. Selbst die ehrwürdige „Schützenfahne“ hat dort ihren festen Platz.

Dorfgemeinschaftshaus Erle

Ein Projekt für das Leben im Dorf

Ganz nach dem Motto einer Bürgergenossenschaft „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele“ entsteht hier ein Projekt für das Leben im Dorf. Für die Menschen. Für die eigene Heimat und die Infrastruktur vor Ort.

Im Herbst sollen die Bagger anrücken. Daher muss das Geld recht schnell zusammenkommen. Stichtag ist am Montag, der 31. August. Bis dahin kann sich jeder als Gründer und Genossenschaftsmitglied eintragen.

Dorfgemeinschaftshaus Erle
Die Initiatorengruppe vom Dorfgemeinschafthaus

15 Multiplikatoren, die in Erle bekannt sind, sollen das Projekt bewerben. Helfen soll zudem eine Facebook-Kampagne über das Portal Raesfeld-online. Zudem wurden 10.000 Flyer gedruckt.

Der Erler Architekt Bernfried Lammersmann vom Büro Thieken und Partner aus Dorsten hat schon einen Entwurf für das Gebäude erstellt. Dieser orientiert sich an der landwirtschaftlichen Nutzung der zuvor abgerissenen Scheune.

Was gibt es für die Genossen?

Bauen wird das Dorfgemeinschaftshaus die Volksbank Erle. Pächter und Betreiber der Gastronomie wird André Wachtmeister aus Raesfeld sein. Gastwirt Arno Brömmel hat sich bereit erklärt, dass er dort als Wirt weiterarbeiten wird, wenn er seine Gaststätte geschlossen hat. Diese soll mittelfristig abgerissen werden.

Dorfgemeinschaftshaus Erle
Enthüllung des ehrgeizigen Projektes in Erle auf dem Hof Böckenhoff am Dienstag.

Was gibt es für die Genossen? Keine Dividende, erstmals, so Michael Weddeling, Vorstand Volksbank Erle, der diesen Bau als einmalige Chance für Erle sieht. Statt Dividende haben aber die Genossen dafür gesorgt, dass das kulturelle Leben, die Dorfgemeinschaft, mein Dorf, meine Kneipe weiterhin bestehen bleibt.

Freuen dürfen sich die Gründungsmitglieder aber dann einmal jährlich auf die jährliche Mitgliederversammlung mit Freibier. Als Starter-Paket erhält jeder darüber hinaus ein Erler Sixpack mit einem Fläschchen Gründergeist von Böckenhoff und eine Anstecknadel, welche die außergewöhnliche Form von Erle darstellt sowie eine Mitgliedsurkunde. Nur eins wird es nicht geben: Keinen Unterschied zwischen Großinvestoren oder ob jemand nur einen Anteil zeichnet.

Petra Bosse

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