Dorsten. Barbara Klobuschs Liebe zu den Schildkröten begann vor über 25 Jahren, als sie eine Wasserschildkröte von einem Halter übernahm, der sie aus Zeitgründen nicht mehr artgerecht pflegen konnte.

„Da wir im Garten einen großen Teich haben, ließ ich ‚Schildi‘ dort frei und war natürlich sehr enttäuscht, sie im Herbst nicht mehr zu sehen. Im Frühjahr tauchte sie dann aber plötzlich wieder auf. Auf diese Weise lernte ich damals unter anderem auch, dass Schildkröten Winterstarre halten.“ Immer mehr Besitzer von Wasserschildkröten übergaben Barbara ihre Schützlinge, im Wissen, dass sie bei ihr besser aufgehoben sind, als in einem kleinen Wasserbecken im Wohnzimmer.

Barbara Klobuschs
Barbara Klobusch

Schildkröten kann man nicht nebenher halten

Schildkröten sind keine Spielzeuge. Sie brauchen mehr Pflege, als man denkt. Zuhauf und bedenkenlos wurden früher eine Zeit lang die kleinen Wasserschildkröten für ein Taschengeld nebenbei verschenkt, ohne nachzudenken, ob der Beschenkte überhaupt die Möglichkeiten zur Unterbringung hat, denn aus münzgroßen „Babyschildis“ werden schnell mal untertellergroße ausgewachsene Reptilien. Das hat sich zum großen Teil geändert, dennoch ist die Unwissenheit bei vielen Haltern und auch Beschenkten damals und auch teilweise heute noch groß: Falsches Futter, falsche Haltung, keine regelmäßigen Kontrollen beim Tierarzt –die gepanzerten Freunde litten und leiden stumm.

Schildkröten sind zudem auch keine Teddybären, die man bei Bedarf knuddeln und dann wieder in die Ecke stellen kann. So wurden zahlreiche Wasserplanscher in Tümpeln und kleinen Seen absolut nicht artgerecht „entsorgt“, Landschildkröten am Straßenrand ausgesetzt. „Viele Fundtiere wurden zum Glück bei mir abgegeben, die ich anschließend gerne in gute Hände vermittelte und plötzlich war ich mittendrin, ein ‚Übergangsheim‘ für Wasserschildkröten zu errichten“, erzählt Barbara Klobusch. Die Station war nicht geplant, aber nun ist die Tierfreundin mit vollem Herzen dabei.

„Schildkrötenauffangstation Dorsten e. V.“

„Ich suchte anfangs viel Kontakt zu kundigen Schildkrötenhaltern, las aber auch zahlreiche Bücher über die artgerechte Haltung und habe wirklich oft nachgefragt, bis ich mich in der Lage sah, den Schildis übergangsweise ein gutes Zuhause anzubieten“, erzählt Bärbel Klobusch. Aus den Schildkrötenhaltern, die mit der Dorstenerin ihr Wissen teilten, wurden gute Freunde und aus dem Übergangsheim für Fundschildkröten eine Auffangstation mit anerkanntem Tierheimstatus.
2009 gründete Barbara Klobusch mit weiteren sechs Tierfreunden die „Schildkrötenauffangstation Dorsten e. V.“, die zeitgleich Mitglied im Landestierschutzverband wurde. „Nachdem uns die Firma Siemens 15 Kühlschränke für die Überwinterung der Landschildkröten gespendet hatte, nahmen wir erstmalig auch Überwinterungsgäste auf, entwurmten und wogen sie regelmäßig, ließen sie aber ansonsten bis März im kühlen Substrat schlafen. Diesen Überwinterungs-Service bietet die Auffangstation auch weiterhin für die Besitzer der Reptilien an.

Ehrenamt

Alle freiwilligen Helfer kümmern sich liebevoll um die mehr als 100 Schildkröten, die zurzeit hier auf der Station leben. Jede der bis zu 25 Arten, die die Station beherbergt, hat spezielle Wünsche hinsichtlich Gehege und Futter. Für einige ist die Station eine Urlaubsunterkunft, Fundtiere warten darauf, abgeholt oder vermittelt zu werden, es gibt aber auch Tiere, die aus völlig falscher Haltung hierhergekommen sind und nun ihr Gnadenbrot genießen dürfen. Brot ist jetzt in diesem Zusammenhang vielleicht nicht der richtige Ausdruck, es müsste eher „Gnadenkraut“ heißen, denn Schildkröten lieben Wildkräuter wie Löwenzahn oder Brennnessel, Himbeerblätter und gerne auch mal Malven. Auf keinen Fall dürfen Salate oder Obst gefüttert werden. Auch Fleisch ist tabu, ihre notwendige Eiweißration holen sich die Turtles selbst in Form von Regenwürmern oder Schnecken.

Die Förderung durch das Land NRW

11.000 Euro bekam der Verein 2012 vom Land NRW. Geld, mit dem die Station umgebaut, renoviert und erweitert werden konnte. Zahlreiche der mittlerweile 120 Mitglieder arbeiteten etliche Stunden ehrenamtlich, schnitten Hecken, legten neue Gehege, eine Wildblumenwiese und einen Platz für ein Demonstrationsgehege sowie eine Grillecke an. Regelmäßiges Unkraut zupfen, Hecken schneiden, Futter sammeln – das hält halt zusammen und „so sind wir eine große Familie geworden“, ist Barbara Klobusch gerührt. „Viele der Helfer sind für mich wirkliche Freunde geworden“, fährt die erste Vorsitzende des Vereins fort.

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Das Geld durch die Förderung ist längst verbraucht und so finanziert sich die Station durch Mitgliedsbeiträge und Spenden, aber auch durch regelmäßige Tage der offenen Tür oder durch die „Türen-auf-Tage“ mit der WDR-Maus. Durch diese Aktionen kommen Spendengelder zusammen, die Bärbel, wie sie von ihren Freunden genannt wird, gut gebrauchen kann. Alleine die Stromkosten der Kühlschränke für die Überwinterung, sowie Wasser und Futter verschlingen erhebliche Summen. In medizinischer Hinsicht ist die Station dagegen zum Glück sehr gut aufgestellt. In Nadine und Ingo Diegel aus Schwelm fand Bärbel ein Tierarztehepaar, das auf die Behandlung der Dinos spezialisiert ist, die gepanzerten Freunde zum Selbstkostenpreis, oft auch gratis behandeln und mittlerweile zu ihren engsten Freunden gehören.

Wenn Sie die ehrenamtliche Arbeit der Station finanziell unterstützen möchten, finden Sie hier die Kontodaten:

Schildkrötenauffangstation Dorsten e. V.
Nikolausweg 2
46282 Dorsten
Telefon: 02362-702967
Mobil: 0174-7496106
E-Mail: [email protected]

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