Guter Korn aus der Brennerei Dirk Böckenhoff wird zu Desinfektionsmittel weiterverarbeitet

Raesfeld-Erle. Das klare, hochprozentige Destillat läuft derzeit etwas schneller über die Böden der Brennerei Böckenhoff in Erle. Ziel ist es, aus dem Alkohol von Böckenhoff Desinfektionsmittel herzustellen.

Corona-Desinfektionsmittel aus Kristallkorn von Dirk Böckenhoff Erle
Immer wachsam sein, damit auch nichts schief läuft beim Destillieren. Fotos: Petra Bosse

„Der Kristallkorn wird zwar nur als Desinfektionmittel verwendet, ist aber trotzdem lecker. Viel zu schade eigentlich dafür“ sagt Kornbrenner Dirk Böckenhoff lachend am Mittwochmorgen nach einem kleinen Schluck seiner erstgezogenen Probe.

Desinfektionsmittel sind derzeit Mangelware

In Zeiten der Coronakrise läuft auch bei Böckenhoff alles ander, als gewohnt. Während gerade im Frühling der gute Korn sonst seinen letzten Feinschliff erhält, wird aktuell der „Hochgeistige“ aus dem Schatten der Erler Kirche nicht wie sonst in die eigenen Flaschen abgefüllt.

Desinfektionsmittel und Alkohol in reinster Form ist derzeit in Deutschland Mangelware. Das spürt auch Dirk Böckenhoff, denn seit mehreren Tagen laufen seine Brennereien auf Hochtouren. Mehrere 1000 Liter des guten Klaren brennt Böckenhoff für Apotheken. Im Betrieb sind derzeit beide Brennereien. Die Obstbrennerei in Dorsten und die Erler Brennerei, die den letzten Feinschliff macht.

Corona-Desinfektionsmittel aus Kristallkorn von Dirk Böckenhoff Erle
Kornbrenner Dirk Böckenhoff in Erle.

Korn läuft schneller über die Brennböden

Um die großen Mengen zu schaffen, läuft der Korn schneller über die Brennböden, sprich, er werde zügiger destilliert als sonst, wie Böckenhoff sagt. Die Erler Brennerei schafft diese Menge locker. Zum Glück, denn bei vielen Schnaps- und Alkoholherstellern, die selber nicht mehr brennen oder nur in kleinen Mengen, wird der Vorrat an Alkohol knapp.

Deshalb habe Böckenhoff auch schon Anfragen aus der Region bekommen, ob er nicht etwas von seinem edlen Tropfen verkaufen möchte. Hier bleibt sich aber Dirk Böckenhoff treu. Außerdem würde dies dann auch seine Kapazitäten überfordern.

Corona-Desinfektionsmittel aus Kristallkorn von Dirk Böckenhoff Erle
Immer ein wachtsames Auge haben bei der Destillation ist wichtig. Auch wenn es sich diesmal um Desinfektionsmittel für Apotheken handelt.

Getreide aus Dorsten und Wasser aus Haltern

Die Zutaten des 97,3 prozentigem Alkohols, der später als Desinfektionsmittel verwendet wird, sind genauso hochwertig wie sonst auch: Getreide aus Dorsten und Kirchhellen sowie Wasser aus den Halterner Sanden. Bedingt durch eine Ausnahmegenehmigung, die noch bis Mai läuft, hat der Zoll den Klaren von der Alkoholsteuer befreit. So kostet der Liter mit 97,7 % Vol. Alkohol rund 15 Euro.

Diese Ausnahmeregelung gelte allerdings nur für Apotheken und Reinigungsfirmen, nicht für Privatleute, denn dann sei er laut Bestimmung Trinkalkohol.

Corona-Desinfektionsmittel aus Kristallkorn von Dirk Böckenhoff Erle

Aufarbeitung in den Apotheken

Bevor der Korn als Desinfektionsmittel zum Einsatz kommt, müssen die jeweiligen Apotheken vorab noch, damit die Haut nicht so austrocknet, ihn zu einem Teil mit Wasser, sowie Wasserstoffperoxid und Glyzerin aufarbeiten. „Dann ist das nach der WHO-Formel das fertige Desinfektionsmittel“, fügt Böckenhoff hinzu.

Noch zwei, drei Tage soll der Apotheker-Korn laufen. Dann muss aber auch wieder der Vorrat für den eigentlichen Verkauf, der Kristallkorn, aufgefüllt werden. „Wir können jetzt nicht alles in einem Topf schütten. Der Korn ist zwar auch 1 A-Ware, aber der richtige Kornkenner würde sagen, dass er anders schmeckt als sonst“. Und das soll auf keinen Fall so sein, denn trotz Coronakrise wird auch der neue Korn aus Erle seine hochwertige Qualität behalten.

Petra Bosse

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