SCHERMBECK. Die Absage des Gourmetfestes „Schermbeck genießen“ hat die Gemeinde überrascht und ist mit großem Bedauern aufgenommen worden.
Grund dafür sei, dass nach den wetterbedingten Umsatzausfällen im letzten Jahr, ein Teil der Gastronomen ihre Teilnahme für 2017 abgesagt. Dies führe dazu, dass einerseits die Finanzierung nicht gegeben ist und andererseits keine ausreichende, konzeptbedingte Anzahl an Speisen mehr angeboten werden kann.

Wie berichtet, haben Winfried und Oliver Wirtz das Fest absagen müssen, weil es trotz intensiver Bemühungen nicht gelungen sei, die nötige Teilnehmerzahl für das Fest zu gewinnen. Man habe die nötige Zahl „fast sicher gehabt“, sagt Oliver Wirtz. 

 

„Das ist sehr, sehr schade“, sagte er über die Entscheidung, die er und sein Vater getroffen haben. „Viele wollen es nicht glauben“, fasst er die Reaktionen auf die Absage zusammen.

Viel Herzblut

Über 15 Jahre habe seine Familie „viel Herzblut“ in diese Veranstaltung investiert. „Aber die Zahlen müssen passen.“ Daher sei es angesichts der schwierigen Finanzierung nötig gewesen, „die Reißleine zu ziehen“. Zu den wetterbedingten Umsatzausfälle der Teilnehmer kommt erheblicher Aufwand, der für Personalkosten und die Leihgebühren für das Küchen-Equipment anfällt, ergänzt Winfried Wirtz.

Er und Sohn Oliver haben viel Material für das Fest gekauft. Es fülle ein 120 Quadratmeter großes Lager, so Oliver Wirtz. „Die ersten Angebote sind da“, das Material zu kaufen. Ob es im kommenden Jahr einen erneuten Versuch für „Schermbeck genießen“ geben wird, vermag Wirtz nicht abzuschätzen. Er möchte sich auf seine Agentur konzentrieren.

Große Lücke

„Wir bedauern das äußerst“, sagt Wirtschaftsförderer Friedhelm Koch. Dieses Aus sei mit „negativen Auswirkungen verbunden“. Die Veranstaltung habe Schermbeck in der Region und darüber hinaus bekannt gemacht. Das Fest habe den Restaurants und Hotels sowie dem Einzelhandel im Ort, zumal in Kombination mit dem Sommerstraßenfest, gut getan. Da das Fest bereits in etlichen Veranstaltungskalender terminiert war, habe die Absage die Gemeinde „kalt erwischt“, so Koch weiter.

Die Gemeinde hat bei vielen Dingen rund um die Organisation beigetragen.„Schermbeck genießen war eine Errungenschaft für die Gemeinde. Über viele Jahre haben wir dieses Event, ein Magnet für Schermbeck und dem Kreis Wesel mit über 50 bis 60.000 Besuchern an drei Tagen, gepflegt und ausgebaut. 

Ebenso hat die Gemeinde und der Großteil der Politik hinter dem Fest gestanden und entschieden, keine Standgebühren zu erheben. In den vergangenen Jahren hatte es Diskussionen in diese Richtung und Vergleiche mit dem Trödelmarkt auf dem Rathausparkplatz gegeben. Zu den Kosten hinsichtlich der Platzgebühr vor dem Rathaus sagt Friedhelm Koch, dass dies in den Anfängen von „Schermbeck Genießen“ ein Diskussionsthema war und immer wieder neu aufgekeimte. 

Es werde jetzt darum gehen, so der Wirtschaftsförderer, Gespräche in Richtung einer Fortsetzung zu führen. Vielleicht lasse sich mit dem Marketingverein etwas anpacken, nennt Koch eine Idee. Die Absage sei aber „jetzt richtig schlimm“.

Katastrophal

Als eine „Katastrophe“ für Schermbeck beschreibt Bürgermeister Mike Rexforth den Ausfall von Schermbeck-Genießen. „Nach so vielen Jahren, wo sich die Familie Wirtz zusammen mit der Gemeinde für unsere schöne Kommune eingesetzt hat, sehe ich den Wegfall von Schermbeck-Genießen als katastrophal an“, so Rexforth.
Nachvollziehbar seien die Gründe. Ebenso sollte das wirtschaftliche Risiko für den Veranstalter nicht unterschätzt werden. „Und wenn dann noch ganz viele Sponsoren ausfallen und das wirtschaftliche Risiko immer größer wird, wird es natürlich ganz schwierig, solch ein Event am Laufen zu halten“, bedauert Mike Rexforth diese Entscheidung der Familie Wirtz.

Umsatzstarkes Wochenende für Einzelhändler

Viele Menschen kamen an diesen Tagen im Sommer aus Nah und Fern angereist. Bummeln und genießen, aber auch shoppen gehen, sprich – Mittelstraße rauf und runter. Dies bedeutete somit ein Plus in der Kasse der Einzelhändler, denn diese Wochenenden gehörte zu den umsatzstärksten Tagen im Jahr.
„Deshalb gilt es jetzt relativ schnell alle Kräfte zu bündeln und nach einer Lösung suchen, um die wirklich große Lücke zu schließen“, so Rexforth.

Mit der Familie Wirtz wurden schon vonseiten der Gemeinde erste Vorgespräche geführt. „Familie Wirtz hat signalisiert, gemeinsam mit uns an weiteren Ideen mitzuarbeiten“, so Mike Rexforth.

Wolfgang Lensing

„Es ist schade für den Ort, aber absolut nachvollziehbar“, sagt Wolfgang Lensing, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, über die Entscheidung. Wenn es nicht gelinge, die Qualität einer Veranstaltung zu halten, weil die Gastronomen fehlen, bleibe kaum eine andere Wahl. Es werde jetzt darum gehen zu versuchen, im nächsten Jahr eine ähnlich attraktive Veranstaltung auf die Beine zu stellen, blickt Lensing voraus. In diesem Jahr sei das nicht mehr möglich, ist er überzeugt. So kurzfristig sei das nicht machbar.
„Das ist auch ein deutlicher Verlust für die Kaufmannschaft“, stellt er fest. Das parallel von der WG organisierte Sommerstraßenfest habe deutlich von „Schermbeck genießen“ profitiert. Auch ein, zwei Wochen nach dem Fest habe es höhere Umsätze gegeben, schildert er eine Erfahrung der Kaufleute. Auch diese Nachwirkung fällt erst einmal weg.

Petra Bosse

 

3 Kommentare

  1. Hallo,
    wir kommen aus Dinslaken und haben dieses Event regelmäßig, auch bei schlechtem Wetter besucht. Wir bringen vollstes Verständnis für die Gastronomie auf, die eine enorme logitische Leistung zu bewältigen hat. Wir haben das ganze immer als ein Werbe-Event der Gastronomie verstanden, diese Werbung dürfte aber jeglichen Werbeetat sprengen. Sorry, auch Schermbeck hat sich hervorragend präsentiert.
    Eine kleine Frage am Rande:
    Wann öffnet sich Schermbeck für Reisemobilisten? Der Ort hätte längst einen Stellplatz nötig. Wir wurden auf Reisen schon öfter von Wohnmobilisten auf Schermbeck und Umgebung angesprochen und mussten die Frage nach einem Stellplatz leider immer negativ beantworten.

  2. Ein weiterer Grund für die Absage der Gastronomie ist wohl auch die hohe Standmiete für die Plätze. Diese müssen erst einmal wieder eingebracht werden. Bei einem hohen Minus überlegt man sich 2 x, ob man beim nächsten Mal noch einmal mitmacht. Des Weiteren muss auch das zusätzliche Personal bezahlt werden und der Ausfall in der eigenen Gastronomie.

  3. Im Grundkonzept von Schermbeck Genießen (lang ist es her, 12 Jahre?) war ursprünglich vorgesehen, dass kleine kulinarische Raffinessen zum Verweilen einladen. Im Gespräch waren immer so 3€ für eine durchaus (sehr) kleine Portionen, so dass man an einem Tag die Chance hatte, jedes der ansässigen Restaurants kennenzulernen und sich von unterschiedlichen Ideen der unterschiedlichen Köche begeistern zu lassen.

    Irgendwie ist daraus nichts geworden. Schon vor 10 Jahren gab es schnell halbe Enten, üppige Portionen Kartoffelsalat und vieles mehr, so dass zwei Gerichte teilweise von der Menge schon weit mehr als eine vollwertige Mahlzeit darstellte, zum anderen man hier bei zwei Portionen schon bei Preisen lag, wo ich mir für 5-6€ mehr auch ein argentinisches Rinderfilet im Steakhaus bestellen kann, was ich dann auch statt eines Besuches bei Schermbeck Genießen getan habe – denn die tollen Ideen und das „probieren“ blieben ja leider aus und wenn es nur um das einverleiben einer guten Mahlzeit geht, dann weiß ich als ansässiger schon, wo ich hingehe …

    Das Problem für die Restaurants ist hier dann auch, dass sich dadurch der Gewinn wahrscheinlich nicht mehr Homogen verteilt hat. Die Besucher haben dann oft nur eine Mahlzeit gegessen, und dann natürlich nur das, wo sie in dem Moment besonders Hunger draufhatten, und sind dann wieder gegangen. Im Prinzip also am Ende doch nur eine „Massenabfertigung“ des Besucherstroms bei dem das lukrativste Restaurant die Nase vorn hatte. Dass dann am Ende kein Restaurant mehr bock hat (außer natürlich die, welche seit über 10 Jahren jedes Jahr dabei sind), wer könnte es den Besitzern verübeln. Da waren sicherlich einige Restaurants dabei, für die das ein Verlustgeschäft oder eine Nullnummer gewesen ist, während andere sich die Taschen voll gemacht haben.

    Wirklich Schade.

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