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Schlagwörter Beiträge mit Schlagwörtern "Flüchtlinge"

Flüchtlinge

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Ankommen in Dorsten – mit Unterstützung des Jugendgremiums „Jugend in Aktion“

DORSTEN. (pd) Rund 40 „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ (kurz UMF) betreut das Jugendamt der Stadt. Um es den Jugendlichen leichter zu machen, Dorsten kennen zu lernen und hier wirklich anzukommen, ist nun das Projekt „Mein Dorsten – meine Stadt“ gestartet.

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Flüchtlinge machen Praktikum in mehreren Schermbecker Unternehmen

In Zusammenarbeit mit Tobias Krause (r.) von der Caritas Dinslaken-Wesel e.V. bemüht sich die Schermbeckerin Gabi Roring (2.v.r.), Flüchtlingen zu einer Beschäftigung zu verhelfen.

Inzwischen haben mehrere Schermbecker Unternehmen Flüchtlingen ein Praktikum, einen 450-Euro-Job oder einen Ausbildungsplatz angeboten. Zu ihnen gehört auch Alexandra Schult (l.), die Chefin der Gaststätte Overkämping.

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Kommunales Integrationszentrum bietet kostenlose Fortbildungen für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe
Ehrenamtliche leisten im Kreis Wesel einen unverzichtbaren Beitrag zur Integration von Geflüchteten. Ihr Engagement erstreckt sich über alle wichtigen Bereiche der Orientierung und Alltagsbewältigung. Sie helfen bei Behördengängen, dem Erlernen der deutschen Sprache und sind wichtige Bezugspersonen für persönliche Nöte und den Aufbau sozialer Kontakte.

Für vor Krieg und Verfolgung geflohene Mitmenschen investieren viele Ehrenamtliche gerne einen Großteil ihrer Freizeit. Die Begegnung und der Austausch mit Flüchtlingen aus anderen Kulturkreisen bereichert. Gleichzeitig erleben viele Flüchtlingshelferinnen und -helfer auch hohe Belastungen und Grenzsituationen.

Das Kommunale Integrationszentrum Kreis Wesel bietet für in der Flüchtlingshilfe engagierte Organisationen und Einzelpersonen eine professionelle Begleitung und zielgerichtete Fortbildungen an.

Ab Mitte Februar 2017 beginnt eine Reihe von  kostenfreien Abendveranstaltungen etwa zur erfolgreichen Zusammenarbeit mit Behörden, der Vernetzung des Ehrenamts oder der Beantragung  von Fördermitteln. An zwei Abenden werden bedarfsgerechte Einzelfallberatungen zur Bewältigung von individuellen Problemlagen und zur Umsetzung  konkreter Projekte angeboten.

Häufig stellen Ehrenamtliche Fragen zum Umgang mit den vielfältigen kulturellen Prägungen von Neuzugewanderten und Geflüchteten. Durch unterschiedliche Erwartungen oder Werteorientierungen entstehen Missverständnisse und teilweise auch Konflikte. Dem Umgang mit Menschen anderer kultureller Hintergründe und der Weiterentwicklung eigener interkultureller Kompetenz widmen sich zwei Seminarabende mit einem Grundlagen- und einem Vertiefungsmodul.

Mit der fachlichen Durchführung der Veranstaltungen hat das Kommunale Integrationszentrum Kreis Wesel das Düsseldorfer IMAP-Institut beauftragt. Die Seminarreihe ist für die Teilnehmer kostenfrei und wird aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) gefördert. Die Teilnehmenden erhalten eine Teilnahmebescheinigung. Die Fortbildungen werden zu unterschiedlichen Terminen in verschiedenen Städten und Gemeinden im Kreis Wesel angeboten, um allen Interessierten eine Teilnahme zu ermöglichen.

Die vollständigen Programme mit allen Seminarterminen stehen unter https://www.kreis-wesel.de/de/themen/kommunales-integrationszentrum/ zum Download bereit. Für weitere Informationen steht Herr Muntzeck vom Kommunalen Integrationszentrum unter der Telefonnummer 0281/207-2209 oder unter bildung-und-integration@kreis-wesel.de zur Verfügung. 

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Schermbecker Ludgerusgemeinde sammelte Lebensmittel

Schermbeck Die Aktion „Ein Teil mehr kaufen“, die von der Pfarrgemeinde St. Ludgerus veranstaltet wurde, hat sich gelohnt. Im Umfeld des Erntedankfestes hatte die Pastoralreferentin Birgit Gerhards angeregt, Lebensmittel zu sammeln. Unterstützt wurde sie bei der Idee, Hungrige zu speisen, in besonderer Weise von der Frauengemeinschaft der Ludgerusgemeinde.

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Pfarrer i. R. Wolfgang Bornebusch hat sich vorgenommen, Flüchtlinge, die es hierher nach Schermbeck verschlagen hat, zu interviewen und ihre Fluchtgeschichten festzuhalten. Ihre Veröffentlichung soll dazu beitragen, ein wenig mehr darüber zu erfahren, was für Menschen mit was für Geschichten und Problemen zu uns kommen und nun mit uns leben.

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Pfarrer i. R. Wolfgang Bornebusch hat sich vorgenommen, Flüchtlinge, die es hierher nach Schermbeck verschlagen hat, zu interviewen und ihre Fluchtgeschichten festzuhalten.  

Interview mit Roozbeh

Mein Interviewpartner heißt mit Vornamen Roozbeh. Er bittet mich, seinen Nachnamen hier nicht zu nennen und auf ein Foto zu verzichten. Er hat Angst, dass das Interview sonst negative Folgen für seine Familie

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Sehr geehrter Herr Rexforth,

ihre Mitarbeiterin, Frau Irmgard Schwenk, hat während einer CDU-Mitgliederversammlung am 26.04.2016 mitgeteilt, dass von den 295 in Schermbeck lebenden Flüchtlingen nur wenige Personen einen Asylantrag gestellt haben. Mehr als die Hälfte aller Flüchtlinge sind noch nicht registriert. Der Presse ist zu entnehmen (DIE WELT 25.04.2016), dass bundesweit 400.000 Asylgesuche noch unbearbeitet herumliegen und 300.000 Personen zudem auf einen Termin warten, um überhaupt einen Antrag stellen zu können.

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Hubert Schäpers, Horst Schmitter (v.r.) und Karlheinz Bartsch (l.) dankten Juliane Ullrich für die kostenlose Bereitstellung einer Großraum-Garage. Foto Scheffler

Dankeschön für´Familie Ullrich

Schermbeck Mit einem Blumenstrauß und Süßigkeiten bedankten sich Horst Schmitter, Hubert Schäpers und Karlheinz Bartsch bei den Eheleuten Juliane und Oliver Ullrich.

   Das Ehepaar Ullrich hatte drei Monate lang eine Großraum-Garage kostenlos zur Verfügung gestellt, damit dort Fahrräder abgestellt und repariert werden konnten. Nur durch diese Möglichkeit zur großzügigen Lagerung von Fahrrädern konnten Horst Schmitter, Hubert Schäpers und Karlheinz Bartsch eine Hilfsaktion für Flüchtlinge starten. 65 Fahrräder wurden von der Bevölkerung zur Verfügung gestellt, in der Garage überprüft und fahrtüchtig für fünf Euro pro Stück an Flüchtlinge abgegeben. Zehn Fahrräder wurden an die Caritas in Dorsten übergeben.

   „Wir möchten uns bei allen Sponsoren bedanken“, freut sich Horst Schmitter über die Unterstützung. Noch heute bekommen Horst Schmitter und Hubert Schäpers einzelne Fahrräder angeboten, die sie zu Hause reparieren. Größere Mengen Fahrräder können sie derzeit nicht annehmen, weil ihnen in Ortskernnähe ein geeigneter Aufbewahrungsort fehlt. H.Sch.

Hubert Schäpers, Horst Schmitter (v.r.) und Karlheinz Bartsch (l.) dankten Juliane Ullrich für die kostenlose Bereitstellung einer Großraum-Garage. Foto Scheffler
Hubert Schäpers, Horst Schmitter (v.r.) und Karlheinz Bartsch (l.) dankten Juliane Ullrich für die kostenlose Bereitstellung einer Großraum-Garage. Foto Scheffler

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Leonie Groß-Fengels und Antonia Wiesner (v.l. Foto: Helmut Scheffler

Zwei Zehntklässlerinnen der Gesamtschule forschten zu dieser Fragestellung

Schermbeck Ein aktuelleres Thema hätten die beiden Gesamtschülerinnen Leonie Groß-Fengels und Antonia Wiesner für ihre Teilnahme am Wettbewerb „Jugend forscht“ wohl kaum finden können. Sie befassten sich mit dem Thema „Flüchtlinge in Schermbeck“, beobachteten in dem Zusammenhang die Eingliederung von Flüchtlingskindern in den Schulalltag der Gesamtschule und starteten im November eine „Umfrage zur Einstellung gegenüber Flüchtlingen in Schermbeck“.

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Eine eventuell erforderliche Gahlener Unterkunft für 120 Flüchtlinge soll auf der hellen Ackerfläche südlich (r.) des Wesel-Dattel-Kanals errichtet werden. Luftbild: Helmut Scheffler, 12. Mai 2016.

Gahlener Bürgerforum wurde vom Bürgermeister Mike Rexforth umfangreich informiert

Gahlen Der Bau eines Wohnheimes für zunächst 120 Flüchtlinge am westlichen Teil der Kirchstraße in Gahlen ist nach Mitteilung des Bürgermeisters Mike Rexforth „nur befristet vom Tisch“. Das Planungsverfahren wird allerdings fortgesetzt, um in dem Moment, wenn die Gesamtzahl der Flüchtlínge in Schermbeck etwa die Zahl 400 erreicht hat (derzeit sind es 295), innerhalb von vier Monaten den zweigeschossigen Bau in Modulbauweise komplett fertig stellen zu können.

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In den Räumen des Rheinisch-Westfälischen Hofes und auf dem Hof gab es am Sonntag im Rahmen des erstes „Speak-Dates“ zahlreiche 1:1-Gespräche zwischen Personen mit Deutsch als Muttersprache und Flüchtlingen. Foto: Scheffler
Erstes „Speak-Date“ fand am Sonntag im Rheinisch-Westfälischen Hof statt

Schermbeck Die Premiere ist gelungen. Beim ersten „Speak Date“ in der Flüchtlingsunterkunft Rheinisch-Westfälischer Hof wurden am Sonntagnachmittag gleich zwei Ziele erreicht: Die Kontakte zu den Flüchtlingen wurden intensiviert und die Flüchtlinge konnten ihre Sprachkenntnisse einmal im Gespräch mit anderen Personen als mit ihren Deutschlehrern unter Beweis stellen.

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Vier Männer starteten eine handwerkliche Hilfsaktion
Schermbeck Mit einer solch großen Resonanz hatten Hubert Schäpers, Karl-Heinz Bartsch, Horst Schmitter und Gerd Kensy nicht gerechnet, als sie in der vergangenen Woche die Bevölkerung baten, intakte oder reparaturbedürftige Fahrräder am Hufenkampweg 2 abzugeben.

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Die Zeichnung zeigt das geplante „Abrahamhaus“. Der untere Teil zeigt die Ansicht von der Straße „Im Trog“ aus, der obere Teil die Ansicht von der Stadionseite aus. Repro: Helmut Scheffler

Schermbeck Das „Abrahamhaus“, welches der SV Schermbeck zur Betreuung von Flüchtlingen auf dem Gelände des Waldsportplatzes errichten möchte (wir berichteten), wurde im Rahmen einer Sondersitzung des Gemeinderates am Mittwoch von den Politikern begrüßt.

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Pfarrer i. R. Wolfgang Bornebusch hat sich vorgenommen, Flüchtlinge, die es hierher nach Schermbeck verschlagen hat, zu interviewen und ihre Fluchtgeschichten festzuhalten. Ihre Veröffentlichung soll dazu beitragen, ein wenig mehr darüber zu erfahren, was für Menschen mit was für Geschichten und Problemen zu uns kommen und nun mit uns leben. Diesmal geht es um Mahmoud al-Masri und seine Familie.

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Das Handy meist die einzige Verbindung zu anderen Familienmitgliedern

Wie setzt sich die Verteilung der Flüchtlinge eigentlich zusammen? Kann sich eine Gemeinde für die Aufnahme bewerben, oder kann eine Gemeinde sich gegen Zuweisungen von Flüchtlingen wehren?
Die Zuteilungen oder die Verteilung von Flüchtlingen auf die einzelnen Bundesländer wird in Deutschland streng geregelt. So richtig rund und optimal läuft es momentan nicht, wie Bürgermeister Mike Rexforth ebenfalls feststellen konnte.

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Gahlen Zu einer Informationsveranstaltung der Gemeinde Schermbeck zum geplanten Bau einer Flüchtlingsunterkunft in Gahlen lädt Bürgermeister Mike Rexforth für den 15. Februar (Montag) um 19 Uhr in den Festsaal der Gaststätte Holtkamp, Kirchstraße 37, ein.

Eine Ankündigung mit einem weiteren Foto des geplanten Standortes der Gahlener Flüchtlingsunterkunft finden Sie <<<hier>>>.

Flüchtlinge in Gahlen

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Pfarrer i. R. Wolfgang Bornebusch hat sich vorgenommen, Flüchtlinge, die es hierher nach Schermbeck verschlagen hat, zu interviewen und ihre Fluchtgeschichten festzuhalten. Ihre Veröffentlichung soll dazu beitragen, ein wenig mehr darüber zu erfahren, was für Menschen mit was für Geschichten und Problemen zu uns kommen und nun mit uns leben.

Flüchtling

Kwadwo Frimpong, von seinen Freunden Nana genannt, ist vierzig Jahre alt und kommt aus Ghana, genauer: aus der Stadt Wa. Und hier möchte ich gleich innehalten, denn Wa ist nicht irgendein verschlafener und unbedeutender Ort. Wa liegt im Norden Ghanas und ist die Hauptstadt der „Upper West Region“ und des „Wa Municipal District“. Zugleich aber ist Wa die Stadt, in der das Volk der Wala seinen Stammsitz hat. Hier residiert der König der Wala. Hier hat er seinen beeindruckenden, in traditioneller Lehmbauweise gebauten, Palast, umgeben von einer mit weißen Zinnen bekrönten Mauer.
Mein Interviewpartner gehört nicht dem Volk der Wala an. Sein Großvater zog aus einer deutlich südlicher gelegenen Region hinauf in den Norden, nach Wa. Aber er spricht doch das ortsübliche Wala, eine der 79 lokalen Sprachen und Idiome der vielen Ethnien Ghanas, darüber hinaus auch Ashanti, die Sprache der größten Bervölkerungsgruppe Ghanas, und Englisch, die Amtssprache auf Grund der kolonialen Vergangenheit des Landes. In Ghana spricht fast jeder mehrere Sprachen.
Wa (übersetzt „Kommt her!“) lag an einer wichtigen Handelsroute, die vom Sahelgebiet an die atlantische Küste führte. Über diese Handelsroute gelangte der Islam in den Norden Ghanas. Eine beeindruckende Moschee aus dem 15. Jahrhundert ist Zeuge einer weit zurück reichenden muslimischen Tradition in dieser Region. Noch heute ist Wa ein muslimisches Zentrum. Die Muslime sind hier eindeutig in der Mehrheit – in einem Land, das ansonsten mehrheitlich christlich geprägt ist.
Aufgewachsen in einem muslimisch geprägten Umfeld
In diesem Umfeld wuchs Kwadwo Frimpong in einer weitverzweigten muslimischen Großfamilie – mit einem Zwillingsbruder und einer Schwester – auf. 9 Jahre ging er zur Schule, so sagt er. Die allgemeine Schulpflicht besteht in Ghana aus einer sechsjährigen Grundschule und einem sich anschließenden Besuch der „Junior Secondary School“. Eine berufliche Ausbildung hat er nicht durchlaufen. Er arbeitete nach dem Schulabschluss in einem Geschäft mit einem, so verstehe ich ihn, sehr breitgefächerten Angebot. Radios und Fernseher habe er verkauft, auch Schlüssel und vieles andere mehr.
Vor 14 Jahren heiratete er. Er ist Vater von zwei Töchtern, die heute 9 und 13 Jahre alt sind. Die Ehe aber ging in die Brüche. Im Jahre 2007, also nicht lange nach der Geburt seiner zweiten Tochter, kam es zur Trennung. Zu seinen Töchtern, so sagt er, hatte er aber auch danach immer eine intensive und gute Beziehung.
Kwadwo Frimpong konvertiert zum Christentum
2012 konvertierte Kwadwo Frimpong zum Christentum. Er hatte im Fernsehen – zusammen mit seinem Zwilllingsbruder – immer wieder einen christlichen Prediger namens T. B. Joshua aus Nigeria gehört. Dieser beeindruckte und berührte ihn mit seiner Botschaft so sehr und so tief, dass er Christ sein wollte und sich auch als solcher betrachtete. Ohne getauft zu sein. Ohne wirklich im christlichen Glauben unterrichtet worden zu sein. Ohne einer konkreten Kirchengemeinde beigetreten zu sein.
Er bekannte sich – genauso wie sein Zwillingsbruder – in seinem muslimischen Umfeld wohl auch ganz offen zu seinem Christsein. Dies blieb nicht ohne Folgen.
In Ghana leben Christen und Muslime in der Regel friedlich miteinander
An dieser Stelle muss ich kurz unterbrechen. Ghana gilt als ein Land, in dem Muslime und Christen in der Regel friedlich zusammen leben. Das bestätigte mir auch mein Gesprächspartner. Kritisch wird die Situation aber immer dann, so sagt Kwadwo Frimpong, wenn ein Muslim zum Christentum konvertiert und damit abtrünnig wird.
Das entspricht Erfahrungen, die ich selber 2010/2011 in Jordanien gemacht habe. Dort können Christen in der Regel völlig sicher und unbedroht leben. Zu Weihnachten 2010 richtete der jordanische König eine Grußbotschaft an die Christen des Landes und betonte ausdrücklich, dass Christen zur Geschichte und Kultur dieses Landes gehören.
Dennoch hat die Deutschsprachige Evangelische Gemeinde von Amman, der Hauptstadt Jordaniens, den Beschluss gefasst, dass in ihr generell keine Personen getauft werden, die in irgendeiner Form einen muslimischen Hintergrund haben, weil dies für die betroffene Person selbst eine massive Bedrohung darstellt wie auch für die Gemeinde insgesamt.
Kwadwo Frimpong wird von seiner Familie bedroht
Nun weiter: Die Großfamilie – sein Vater, ein ehemaliger Polizeioffizier, war schon vor etlichen Jahren gestorben – konnte und wollte, so verstehe ich ihn, diesen Schritt nicht akzeptieren. Sie setzte ihn massiv unter Druck. Sie schüchterte ihn ein. Sie bedrohte ihn.
Seine Töchter, die er ebenfalls als Christinnen bezeichnet, brachte er angesichts dieser Situation in Sicherheit. Sie leben nun bei einer Bekannten in einem Ort namens Boko – von Wa, so meint er, etwa soweit entfernt wie Franfurt a. M. von Schermbeck.
Der Konflikt spitzte sich im Jahre 2014 so sehr zu, dass man ihm am Ende drohte, ihn zu erschießen. Er sah darauf hin keinen anderen Ausweg, als zu flüchten. Und zwar unmittelbar. Ohne jede Vorbereitung. Ohne sich mit seinen Töchtern oder seinem Zwillingsbruder darüber noch besprechen zu können. Nur mit seinem gesparten Geld im Portemonnaie, seinem Pass und einer Tasche mit ein paar Habseligkeiten. Dies alles spielte sich, so habe ich verstanden, im November 2014 ab.
Über die deutsche Botschaft nach Deutschland
Ziel seiner Flucht war zunächst Accra, die Hauptstadt Ghanas. Dort suchte er die Deutsche Botschaft auf, um ein Visum für Deutschland zu beantragen. Er war sich keineswegs sicher, dass er eines bekommen würde. Er versuchte es einfach. Mit Erfolg, so sagt er..
Den, der schon einmal auf die Internetseite der Deutschen Botschaft von Ghana geschaut hat, wird das wundern. Die Erteilung eines Visums ist normalerweise an eine ganze Reihe von Bedingungen geknüpft (Buchungsbestätigung für Hin- und Rückflug, Hotelbuchung für Deutschland oder Nachweis einer sonstigen Unterkunft, Nachweis ausreichender finanzieller Mittel usw.)
Trotz entsprechender Nachfragen bleibt Kwadwo Frimpong dabei: Er bekam ein Visum – für einen 14tägigen Urlaubsaufenthalt in Deutschland. Mit einem Visum für Hin- und Rückflug gelangte er dann von Accra über Lissabon zum Hamburger Flughafen. Von dort gind es zum Hamburger Hauptbahnhof. Dort, so erzählt er, machte er Rast, setzte sich irgendwo hin und schlief ein. Als er wieder aufwachte, waren Portemonnaie, Pass und Tasche gestohlen. Völlig verwirrt lief er durch die Stadt. Schließlich wurde er von einigen grün uniformierten Männern angesprochen. Diese brachten ihn, so sagt er, zu einer Einwanderungsbehörde oder einem Flüchtlingsbüro, wo man ihn – so habe ich ihn verstanden – registrierte und ihm die Fingerabdrücke abnahm. Von Hamburg aus wurde er dann von einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge zur anderen verwiesen. So kam er über Dortmund, Essen und Wickede schließlich nach Schermbeck. Im kommenden Februar lebt er schon ein ganzes Jahr unter uns – mit einer „Aufenthaltsgestattung zur Durchführung des Asylverfahrens“.
„Manchmal muss ich zuviel denken.“
Ich habe ihn in seiner Bleibe besucht. In einer Wohnung, die dem katholischen Pfarrheim unmittelbar benachbart ist. Insgesamt sechs Flüchtlinge, allesamt junge Männer, sind hier untergekommen. Fünf kommen aus Ghana, einer aus Mali. Er teilt sein Zimmer mit zwei Landsleuten aus Ghana, einem Christen und einem Muslim.

Kwadwo Frimpong (ganz links) mit dem dacapo-Chor beim Singen auf dem „Markt der Hilfe“ am 28. Novmeber 2015
Kwadwo Frimpong (ganz links) mit dem dacapo-Chor beim Singen auf dem „Markt der Hilfe“ am 28. November 2015

Über seinem Bett hängt ein Crucifixus. Sein muslimischer Zimmernachbar war damit nicht einverstanden, aber er bestand darauf, die Umgebung seines Bettes frei gestalten zu dürfen. Die christlich-muslimischen Beziehungen sind hier nicht ganz spannungsfrei.
Wie es ihm hier in Deutschland gefällt? „Sehr gut, hier bin ich sicher“, lautet seine Antwort. Aber er fühlt sich einsam. Ein Lichtblick ist für ihn die wöchentliche Probe im dacapo-Chor der Schermbecker katholischen Kirchengemeinde. Die ist für ihn ganz wichtig. Da hat er offensichtlich ein kleines Stück Heimat gefunden.
Zum Deutschunterricht aber schafft er es nicht immer. Warum nicht? „Manchmal muss ich einfach zuviel denken“ sagt er. Als ich ihn frage, was genau er damit meine, verliert er die Fassung: Er weiß nicht, wie es seinen Töchtern geht. Er weiß nicht, ob sie dort gut versorgt werden und wirklich in Sicherheit sind. Er konnte sich nicht von ihnen verabschieden. Er hat inzwischen einen Freund in Accra telefonisch erreicht. Der will nun nach Boko fahren und nach seinen Töchtern schauen. Nun wartet er auf Nachricht. Ungeduldig. Es ist kaum auszuhalten.
Vor seinem Abflug von Accra nach Hamburg hatte er noch von Freunden in seiner Heimatstadt erfahren, dass nach ihm auch sein Bruder geflohen sei. Noch an demselben Tage. In die Ghana benachbarte Elfenbeinküste. Seitdem hat er nichts mehr von ihm gehört. Wie soll man lernen, wenn man keine Antworten findet auf all die Fragen, die einen Tag und Nacht quälen und nicht loslassen? Trotzdem: Kwadwo Frimpong weiß genau, wie wichtig es für ihn ist, Deutsch zu lernen. Er will es auch.
Kwadwo Frimpong möchte getauft werden!
Ich frage ihn, was er denn arbeiten wolle, wenn man ihn ließe. Immer nur herum zu sitzen, auf den nächsten Tag zu warten ohne Internet und Fernsehen, das ist nicht nur langweilig, das macht auch mürbe. Seine Antwort: „Ich würde gerne, solange ich noch kein Deutsch kann, in der Küche eines Restaurants das Geschirr spülen.“ Ein bescheidener Wunsch. Es wäre schön, wenn er sich realisieren ließe. Zunächst aber hat er noch einen anderen Wunsch: Er möchte getauft werden. Er möchte zur hiesigen katholischen Kirchengemeinde gehören!
Wolfgang Bornebusch, Pfarrer i. R.

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In der Nacht von Sonntag auf Montag gab es in Schermbecks Nachbarort Raesfeld einen Brandanschlag auf das Hotel Eppping, das künftig als Flüchtlingsunterkunft dienen sollte. Die Bevölkerung zeigt sich sehr betroffen, zumal in Raesfeld in den letzten Wochen sehr viel Positives für Flüchtlinge getan wurde.

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Pfarrer i. R. Wolfgang Bornebusch hat sich vorgenommen, Flüchtlinge, die es hierher nach Schermbeck verschlagen hat, zu interviewen und ihre Fluchtgeschichten festzuhalten. Ihre Veröffentlichung soll dazu beitragen, ein wenig mehr darüber zu erfahren, was für Menschen mit was für Geschichten und Problemen zu uns kommen und nun mit uns leben. Der Interviewpartner ist diesmal Kwadwo Frimpong.

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Bürgermeister Mike Rexforth stellte sich den Fragen der Jugendlichen
Schermbeck Die Flüchtlingssituation in Schermbeck stand im Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung im Jugendheim „YOU“, zu der Jugendleiter Patrick Bönki am Montagabend Bürgermeister Mike Rexforth begrüßen konnte.
„Der größte Teil der Flüchtlinge ist zwischen 15 und 25 Jahre alt; das sind Leute, auf die ihr als Jugendliche im Alltag am ehesten trefft“, begründete Rexforth sein Anliegen, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Nach einem einführenden Referat stellte sich der Bürgermeister den wenigen Fragen der Jugendlichen.
Mit der Frage „Wer von euch hat schon mal mit dem Gedanken gespielt, von zu Hause wegzugehen ?“ begann Rexforth sein Referat. Die meisten Besucher reckten ihre Hände hoch, worauf Rexforth hinzufügte: „Jetzt stellt euch vor, wie sehr es Menschen antreibt, ihre Heimat zu verlassen, wenn es für sie nichts zu essen und zu trinken gibt oder wenn Krieg, Terror und Verfolgung sie bedrohen.“
Flüchtende Menschen habe es schon immer gegeben, erinnerte Rexforth unter anderem an die frühen 1990er-Jahre, als Schermbeck mehr als 400 Flüchtlinge aufnehmen musste. Rexforth erklärte den Jugendlichen den Verteilungsschlüssel, bei dem die Einwohnerzahl ebenso berücksichtigt werde wie die Gemeindefläche und die Steuerkraft. Wenn in Deutschland eine Millionen Flüchtlinge registriert würden, dann müsse Schermbeck etwa 215 Flüchtlinge aufnehmen. Derzeit leben in Schermbeck 280 Flüchtlinge. Etwa 70 Prozent dieser Flüchtlinge hätten die Chance auf Anerkennung ihres Asylgesuches.
Rexforth kennzeichnete die Unterbringung der Flüchtlinge in Schermbeck. 44 wohnen in der ehemaligen Uefter Schule, 85 in einem ehemaligen Arbeiterwohnheim an der alten Poststraße. 30 im Rheinisch-Westfälischen Hof. Im Ecco-Hotel und in einer Werkshalle in Bricht sollen jeweils 80 Flüchtlinge untergebracht werden. „Fast 110 leben in Privatwohnungen“, freute sich Rexforth über die Bereitschaft der Schermbecker, Wohnungen zur Verfügung zu stellen.

Bürgermeister Mike Rexforth sprach mit Jugendlichen im „YOU“ an der Kempkesstege über die Flüchtlingssituation in Schermbeck. Foto: Helmut Scheffler
Bürgermeister Mike Rexforth sprach mit Jugendlichen im „YOU“ an der Kempkesstege über die Flüchtlingssituation in Schermbeck. Foto: Helmut Scheffler

In der anschließenden Fragerunde legte Rexforth Wert darauf, Vorurteile abzubauen. Nach den vorliegenden Statistiken gebe es keine erhöhte Kriminalität bei Flüchtlingen. „Wenn in Schermbeck die Steuern erhöht werden, dann hat das andere Gründe“, stellte Rexforth fest und verwies auf 10 000 Euro, die der Gemeinde Schermbeck vom Bund und vom Land pro Flüchtling und Jahr zugeteilt würden.
„Seid als YOU offen!“, ermunterte der Bürgermeister die Jugendlichen, als er nach Möglichkeiten befragt wurde, sich für Flüchtlinge zu engagieren. Er empfahl, auf die jugendlichen Flüchtlinge zuzugehen, sie an die Hand zu nehmen, um ihnen zu zeigen, wo man gleichaltrige Deutsche kennen lernen könne, wie der Öffentliche Personenverkehr funktioniere oder wo sich Geschäfte, Ärzte oder Spielplätze befänden. Als eine besonders gute Form der Unterstützung bezeichnete Rexforth Patenschaften. Zeitliche Verpflichtungen gebe es dabei nicht. „Wir sind froh über jeden“, so Rexforth, „der sich in seiner Freizeit mit Flüchtlingen beschäftigt.“ Dabei verwies er auf zahlreiche Beispiele von Hilfsangeboten wie Sprachunterricht, Kleiderkammern und Begleitdienste. Die Mehrheit der Schermbecker Bevölkerung sei positiv gestimmt. Einen praktischen Tipp gab Rexforth den Jugendlichen mit auf den Heimweg: „Nehmt doch einfach einen jugendlichen Flüchtling mit ins YOU oder in euren Sportverein!“ Er selbst will in Kürze mit dem Gemeindesportverband sprechen, um Chancen zur Integration von Flüchtlingen in Sportvereine auszuloten. H. Scheffler

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Aufmerksame und aufgeschlossene Jugendliche stellten im YOU Fragen an Bürgermeister Mike Rexforth

Traut euch! Nehmt euch ein Herz und die Flüchtlinge an die Hand! Zeigt ihnen eure Gemeinde! Geht mit ihnen in den Supermarkt und erklärt ihnen, wo es was gibt. Viele können nicht lesen oder wissen nicht, was in den Verpackungen ist. Zeigt ihnen wo der Arzt, die Bushaltestelle ist, oder wo sie Billard spielen können und wo und wann sie sich mit Gleichaltrigen treffen können!

So lautete in groben Züge die Bitte von Bürgermeister Mike Rexforth an die Jugendlichen im YOU.

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Liebe Schermbecker Jugendliche,

die Kriege im Nahen Osten und in Afrika vertreiben Tausende Menschen aus ihrer Heimat. Sie suchen Schutz in sicheren Regionen des eigenen Landes oder in angrenzenden Staaten. Viele kommen auf lebensgefährlichen Wegen nach Europa.

Auch Schermbeck wird, wie die meisten Kommunen in Deutschland, viele Flüchtlinge aufnehmen. Inzwischen sieht man viele Menschen im Stadtbild, die offensichtlich woanders herkommen.

Wer sind die Leute, die hierhin gelangen?
Wo kommen sie her?
Wo werden sie wohnen?
Wie lange werden sie bleiben?
Wie kann ich helfen, damit ein Zusammenleben in Schermbeck gelingt?

Am 21.12.2015 um 18:30 Uhr stelle ich mich euren Fragen im

YOU Schermbeck, Kempkesstege 2

Hol dir deine Informationen aus erster Hand, nicht von irgendwem, stell deine Fragen am 21.12.2015 um 18:30 im YOU!

Die Veranstaltung wird von der Evangelischen Kirchengemeinde Schermbeck und von mir als Bürgermeister der Gemeinde Schermbeck für Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahren organisiert.

Ich würde mich über eure Teilnahme sehr freuen.

Euer Bürgermeister

Mike Rexforth

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Hintere Reihe (v. l.): Maharezgi Meseret, Yodet Abrham Welday, Mikiala Beraki, Fsaha Nguwe, Daniel Biedu Weldu, Abderhuman (Somalier). Vorne (v. l.) Ammanuel Tsegay, Mahamed (Somalier).

Erklärung
der Evangelischen Kirchengemeinde Gahlen,
der Evangelischen Kirchengemeinde Schermbeck
und der Katholischen Kirchengemeinde St. Ludgerus

Flüchtlinge ln §chermbeck

Kriege irn Nahen Osten und in Afrika verursachen die größten Flüchttlingsbewegungen seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Mehrheit der Flüchtlinge erhält Hilfe in sicheren Regionen des eigenen Landes oder in angrenzenden Staaten. Viele kommen auf lebensgefährlichen Wegen auch nach Europa.

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Hintere Reihe (v. l.): Maharezgi Meseret, Yodet Abrham Welday, Mikiala Beraki, Fsaha Nguwe, Daniel Biedu Weldu, Abderhuman (Somalier). Vorne (v. l.) Ammanuel Tsegay, Mahamed (Somalier).

Pfarrer i. R. Wolfgang Bornebusch hat sich vorgenommen, Flüchtlinge, die es hierher nach Schermbeck verschlagen hat, zu interviewen und ihre Fluchtgeschichten festzuhalten. Ihre Veröffentlichung soll dazu beitragen, ein wenig mehr darüber zu erfahren, was für Menschen mit was für Geschichten und Problemen zu uns kommen und nun mit uns leben. Siehe auch hier: http://schermbeck-online.de/die-fluechtlinge-unter-uns-wer-sind-sie-2-teil-ali-rasouli/ oder hier: /http://schermbeck-online.de/die-fluechtlinge-unter-uns-wer-sind-sie-interview-von-pfarrer-i-r-wolfgang-bornebusch/

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Ammar Jlilati

Die Flüchtlinge unter uns – wer sind sie?
Pfarrer i. R. Wolfgang Bornebusch hat sich vorgenommen, Flüchtlinge, die es hierher nach Schermbeck verschlagen hat, zu interviewen und ihre Fluchtgeschichten festzuhalten. Ihre Veröffentlichung soll dazu beitragen, ein wenig mehr darüber zu erfahren, was für Menschen mit was für Geschichten und Problemen zu uns kommen und nun mit uns leben.

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Bürgermeister Mike Rexforth teilt mit:

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Schülerinnen Antonia W. und Leonie G. der Gesamtschule Schermbeck beschäftigen sich im Rahmen des Förderkurses „Jugend forscht“ mit dem Thema Flucht aus der Heimat. Hierbei beleuchten sie explizit die Situation der Flüchtlinge in Schermbeck. In diesem Zusammenhang interessieren sie sich vor allem für die Meinungen der Bürgerinnen und Bürger zu diesem Thema sowie die Lebenslage der Flüchtlinge vor Ort. Die Grundlage ihres Forschungsprojektes ist eine Meinungsumfrage innerhalb der Schule und der Gemeinde.

Aus diesem Anlass werden die beiden Schülerinnen zusammen mit mir und Pfarrer i. R. Wolfgang Bornebusch am Dienstag, 17.11.15 um 14:00 Uhr im Rathaus der Gemeinde Schermbeck , Raum 252, ihr Projekt gerne vorstellen wollen. Dabei würden wir uns über eine rege Teilnahme und Unterstützung freuen.

Mit freundlichem Gruß

Mike Rexforth

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„Eine rasche Integration der Flüchtlinge in Arbeit muss das A und O unserer Arbeit in den Jobcentern sein – und die kann nur dann erfolgreich geleistet werden, wenn der Bund endlich aufhört, bei der Finanzausstattung der Jobcenter zu sparen“, so der Vorsitzende des Sozial- und Jugendausschusses des Landkreistages Nordrhein-Westfalen, Cay Süberkrüb, Landrat des Kreises Recklinghausen, anlässlich der Sitzung des Ausschusses, die heute in Recklinghausen stattfand.

Große Gruppen der bereits in Deutschland eingetroffenen und noch eintreffenden Flüchtlinge hätten als Kontingentflüchtlinge, anerkannte Asylberechtigte oder auch abgelehnte Asylbewerber mit unverschuldetem Ausreisehindernis Ansprüche auf Hartz-IV-Leistungen. Alleine in Nordrhein-Westfalen könnten es im kommenden Jahr nach bisherigen Prognosen der Bundesagentur für Arbeit (BA) 135.000 Personen sein. Dafür müssten die Jobcenter aus dem Nichts die notwendigen Integrationsleistungen – abgestimmt auf ganz neue Bedürfnisse und Voraussetzungen – erbringen. „Daher muss der Bund seiner gesamtstaatlichen Verantwortung nachkommen und den Jobcentern sowohl für die Personalausstattung als auch für die Verwaltungs- und Eingliederungskosten ausreichende Finanzmittel zur Verfügung stellen“, sagt Cay Süberkrüb.

Dazu seien in Nordrhein-Westfalen nach derzeitiger Schätzung Mittel für etwa 800 neue Stellen für die SGB II-Bearbeitung in Jobcentern erforderlich. Die Eingliederungs- und Verwaltungskostenmittel des Bundes für die Jobcenter müssten auch daneben um jeweils 1,1 Milliarden Euro aufgestockt werden, denn: „Jede verzögerte oder nicht gelingende Integration in Arbeit bedeutet steigende Hartz-IV-Aufwendungen“, so Landrat Süberkrüb, „und damit auch der kommunalen Belastung bei den Kosten der Unterkunft (KdU)“. Der Bund beteilige sich derzeit nur zu etwa 26,4 Prozent an diesen Kosten (KdU-Basisbeteiligungssatz). Um die kommunalen Haushalte in die Lage zu versetzen, dem KdU-Druck standzuhalten, müsse der Bund seine Beteiligung auf etwa 39 Prozent erhöhen. Wenn etwa 450 Millionen Euro zusätzliche Kosten ohne Ausgleich auf die Kreise und kreisfreien Städte zukämen, scheitere der NRW-Stärkungspakt Stadtfinanzen.

Der Landkreistag Nordrhein-Westfalen (LKT NRW) ist der kommunale Spitzenverband der 30 Kreise des Landes sowie der Städteregion Aachen mit rund 10,5 von 17,5 Millionen Einwohnern.

Landkreistag Nordrhein-Westfalen, Kavalleriestraße 8, 40213 Düsseldorf, Fon: +49(211)300491-121
E-Mail: H.Schuetzmann@lkt-nrw.de
Internet: www.lkt-nrw.de

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Unterkunft in der Trappstraße in Wesel

Am späten Mittwochabend (46 Flüchtlinge) und am frühen Donnerstagmorgen (89 Flüchtlinge) sind weitere 145 Flüchtlinge mit Bussen zur Notunterkunft des Landes NRW an der Trappstraße in Wesel gekommen. Damit befinden sich dort nunmehr insgesamt 645 Flüchtlinge.

Bekanntlich wurden in den vergangenen Tagen die ersten 488 Flüchtlinge von der Notunterkunft in andere Einrichtungen verlegt. Die meisten kamen nach Kerken-Stenden, von wo aus sie in andere Einrichtungen in NRW verteilt werden. Die übrigen Flüchtlinge wurden in andere Bundesländer verteilt. Von Freitag, 9. Oktober, bis Montag, 12. Oktober, kamen dann bereits 500 neue Flüchtlinge zur Trappstraße.

Im ehemaligen Verwaltungsgebäude an der Trappstraße sind gut 200 Flüchtlinge untergebracht. Für die übrigen stehen auf dem weiträumigen Gelände Wohncontainer bereit.

Auch die neu angekommenen Flüchtlinge wurden wieder registriert und gesundheitlich untersucht. Dies bedeutet für Einrichtungsleiter Rainer Keller vom DRK und sein Team immer wieder eine logistische Herausforderung.

Beteiligt waren und sind weiterhin: DRK Kreisverband Niederrhein e.V., DRK Kreisverband Dinslaken Voerde Hünxe, MHD Wesel, JUH Dinslaken, THW Geschäftsstelle Wesel, Informations- und Kommunikationsgruppe (IuK) und das Kreisverbindungskommando. Außerdem haben neben Kreisbediensteten auch Kameradinnen und Kameraden von allen 13 Feuerwehren aus dem Kreis Wesel bei der Herrichtung der Unterkunft und der Aufnahme der Flüchtlinge geholfen.

Aufgrund der hohen Flüchtlingszahl ermuntert Gesundheitsamtsleiter Dr. Martin Binder praktizierende Ärzte und auch Ärzte im Ruhestand, die helfen wollen, sich bei ihm unter Tel. 02841 – 202 1112 oder bei Dr. Barbara Blazejak Tel. 02841 – 202 1216 zu melden. Dabei geht es besonders um Allgemeinmediziner, Chirurgen, Kinderärzte und Internisten.

Wer helfen will, kann sich beim Kreis unter der Sammelnummer 0281 – 20 7 0 melden und Hilfsangebote, auch in Form von Dolmetschertätigkeiten, anbieten.

Hilfen können per Mail an: kreishilft@kreis-wesel.de angeboten werden. Dabei sollten neben dem Hilfsangebot auch der Name, die Anschrift und telefonische Erreichbarkeit/E-Mail Adresse angegeben werden.

Informationen erhält man auch über www.kreis-wesel.de unter „Kreis hilft“.

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(Nicht erst) Neulich und immer deutlicher wird es spürbar: „Fremdenangst“ und gar „Fremdenhass“ macht sich (mal wieder) breit bei uns. Da leben wir (Eingeborenen) nun schon seit Jahrzehnten in unserem „Wohlstand“, trotz aller Probleme und Ungerechtigkeiten, welche wir auf hohem Niveau „beklagen“ können und, je nach Lage, auch hinreichend tun. Typisch deutsch?…, nein typisch „Wohlstand“… denn Krieg, Vertreibung und lebenbedrohliche Armut gibt’s ja (eigentlich) nur im Fernsehen oder eben überhaupt in den Medien, wenn da nicht… na ja, immer diese „Fremden“ wären, die jetzt tatsächlich auch bei uns vermehrt „auftauchen“…mal mehr oder weniger „heftig erlebt“ oder wenigstens in den Erzählungen an unseren Stammtischen symbolisch gegenwärtig, auch „eines Tages mal“ in unserer Nachbarschaft leben könnten. Und schon ist sie da: „Die Bedrohung durch Fremde“.

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Offener Brief an die im Rat der Gemeinde Schermbeck vertretenen Fraktionen. Verfasser: Gerhard Pszolla (Foto), Schermbeck

Die deutschen Bürgerinnen und Bürger, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Rentner und Pensionäre, die sich vorurteilsfrei in der Gemeinde Schermbeck niedergelassen haben oder vielleicht schon seit ihrer Geburt hier leben und arbeiten, tragen mit ihren persönlichen Steuerzahlungen, Beiträgen und Gebühren in nicht unerheblichem Umfang dazu bei, dass die Beschäftigten der Gemeinde Schermbeck einen relativ sicheren Arbeitsplatz und ein ebenso sicheres und auskömmliches Einkommen erzielen.

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Unterkunft in der Trappstraße in Wesel

Die ersten 488 Flüchtlinge in der Notunterkunft des Landes an der Trappstraße in Wesel sind in den vergangenen Tagen verlegt worden. Die meisten kamen nach Kerken-Stenden, von wo aus sie in andere Einrichtungen in NRW verteilt werden. Die übrigen Flüchtlinge wurden in andere Bundesländer verteilt. Von Freitag, 9. Oktober, bis Montag, 12. Oktober kamen dann 500 neue Flüchtlinge zur Trappstraße in Wesel.

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Hans Zelel hielt die Festrede beim Schermbecker Erntedankfest. Foto: helmut Scheffler

Die Festrede bei der gestrigen Erntedankfeier vor der Schermbecker Volksbank hielt der ehemalige Heimat- und Geschichtsvereinsvorsitzende Hans Zelle. Der weitaus größte Teil seiner Rede befasste sich mit dem Thema „Flüchtlinge“

„Ich denke an Flüchtlinge und Asylanten. Wie froh kann Europa heute und können auch wir sein, dass Essensvorräte für all die Flüchtlinge und Asylsuchenden vorhanden sind und wir über eine Logistik verfügen, die kurzfristig für diese unerwarteten Ankömmlinge Unterkünfte und Betreuung bereit zu stellen in der Lage ist. Der internationale Warenaustausch und die weitreichenden Verflechtungen sind uns dabei äußerst hilfreich. Und dank schulischer Bildung können Verständigungsprobleme im Vergleich zu Zeiten unserer Vorfahren leichter überwunden werden.
Darum halte ich es für notwendig, bei dem heutigen Erntekranzrichten daran zu erinnern, dass auch unsere Vorgenerationen große Flüchtlingsströme zu versorgen und unterzubringen hatten. Sie standen vor ganz anderen Schwierigkeiten allein schon wegen der beschränkten Ernährungs- und Arbeitsmöglichkeiten. Für sie war das Helfen in Notlagen trotzdem ein selbstverständliches Anliegen und eine menschliche Verpflichtung.
Deshalb möchte ich beispielhaft nur einige Ereignisse aus den letzten 400 Jahren in Erinnerung bringen, bei denen insbesondere das frühere Herzogtum Kleve und das Königreich Preußen mit ihren Menschen gefordert worden sind. Da waren zu bewältigen:
1) die Aufnahme von mehr als 200 000 Glaubensflüchtlingen, das waren Hugenotten aus Frankreich, von denen mehr als Hälfte in diese Länder kam.
2) die Wallonen und Niederländer, die insbesondere nach Wesel während der spanisch-niederländischen Auseinendersetzungen flüchteten. Diese Situation erstreckte sich über einen Zeitraum von 80 Jahren bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Dabei wurden die kriegerischen Handlungen fast ausschließlich außerhalb der Niederlande auf unserem niederrheinischen und münsterischen Territorium ausgetragen.
3) die rund 20 000 Glaubensemigranten aus dem Salzburger Land, denen das Königreich Preußen Asyl gewährte mit dem Ziel, sie insbesondere in Ostpreußen anzusiedeln. Preußen erstreckte sich damals von Tilsit bis nach Kleve und dazwischen lagen selbstständige Länder, die Schwierigkeiten bei der Durchreise bereiteten, obwohl sie zum ´Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation` gehörten. Solche Schwierigkeiten haben wir heute in Europa auch. Die meisten dieser Emigranten kamen auf unterschiedlichen Strecken auf dem Landwege an ihr Ziel. Andere kamen auf dem Wasserwege über Donau, Neckar und Rhein zu uns und landeten in Wesel. Sie mussten von hier aus den weiten Weg nach Ostpreußen antreten und kamen auch nach Schermbeck. Ein Ereignis ist in Schermbeck dokumentiert. Im August 1732 übernachteten 53 Männer, Frauen und Kinder bei Schermbecker Familien, wurden verpflegt und dann weiter über Haltern nach Lünen geleitet, wobei sie vom Schermbecker Richter Schürmann begleitet worden sind.

Hans Zelel hielt die Festrede beim Schermbecker Erntedankfest. Foto: helmut Scheffler
Hans Zelle hielt am 2. Oktober 2015 die Festrede beim Schermbecker Erntedankfest. Foto: helmut Scheffler

4) Während dieser Zeit kam ein anderes Problem auf den Niederrhein zu. Da gab es viele Ausreisewillige, insbesondere aus der Pfalz und dem Elsass, die nach Amerika wollten. Sie hatten ihre Heimat sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus konfessionellen Gründen verlassen. Und dann machte Holland die Grenze dicht; das hören wir auch jetzt. Holland sah sich nicht mehr in der Lage, für diese Ankömmlinge zu sorgen, denn die Schiffe für die Überfahrt nach Amerika stellte England. England befand sich aber im spanisch-österreichischen Krieg und stellte keine Schiffe mehr zur Verfügung. Diese Ankömmlinge mussten deshalb durch die preußische Regierung in Kleve versorgt und untergebracht werden. Sie veranlasste, dass sie Grundstücke in der großen Gocher Heide bekamen. Unter schwierigen Bedingungen schufen sie sich zunächst ihre Plaggenhütten und es entstanden die jetzt noch vorhandenen Dörfer Pfalzdorf und Louisendorf.

Genug der Beispiele. An die Völkerwanderungen im 4. und 5. Jahrhundert aus Ost-, Mittel- und Nordeuropa nach West- und Südeuropa bis nach Nordafrika, die durch den Einbruch der Hunnen mit ihren Reiterheeren ausgelöst worden sind, vermag ich gar nicht zu erinnern. Da gab es ganz andere Situationen, weil die ansässige Bevölkerung übersiedelt oder vielfach mit kriegerischer Gewalt vertrieben worden ist. Sie hausten wie die Wandalen, das waren Angehörige eines ostgotischen Volksstammes, bei dem Eindringen in Rom. Auch wir wissen nicht, was mit der hiesigen Bevölkerung geschah, als die heidnischen Sachsen im 7. Jahrhundert unsere christliche Heimat, das Hamaland, übernommen haben.
Sie erkennen daraus, dass es seit eh und je Flüchtlings- und Integrationsprobleme gegeben hat und diese in den letzten Jahrhunderten unter weit schwierigeren Voraussetzungen gelöst worden sind. Wir sollten zuversichtlich sein, auch die jetzt eingetretene Situation bewältigen zu können und insgesamt dankbar sein, dass es uns dabei noch recht gut geht.“