Deniz Aytekin leitete viele Jahre Spiele in der Fußball-Bundesliga sowie internationale Begegnungen und zählt zu den bekanntesten deutschen Schiedsrichtern. Beim Business-Coffee des SVS 2020 übertrug er seine Erfahrungen mit Entscheidungen, Kommunikation und Führung auf den beruflichen Alltag.
Der Business-Coffee des SVS 2020 mit Deniz Aytekin am Dienstagnachmittag war ein voller Erfolg. In der Volksbank-Arena sprach einer der bekanntesten deutschen Schiedsrichter der vergangenen Jahre vor ca. 90 begeisterten Geschäftsleuten und ein paar Ehrengästen, wie z.B. Michael Langer (Schalke04), darüber, wie sich unter Druck gute Entscheidungen treffen lassen, wie klare Kommunikation Akzeptanz schafft und wie Teams durch Wertschätzung erfolgreich geführt werden können.
Top-Schiedsrichter verbindet Profifußball mit wissenschaftlichen Erkenntnissen
Anstelle des gewohnten Business-Frühstücks hatte der Business-Club des SVS 2020 seine Gäste dieses Mal zu Kaffee und Kuchen in die klimatisierte INJOYsportsbar eingeladen. Das bewährte Veranstaltungsformat erhielt damit einen neuen Rahmen, ohne seinen eigentlichen Charakter zu verlieren. Ziel des Business-Clubs ist es, Unternehmer aus der Region miteinander ins Gespräch zu bringen und ihnen zugleich neue Impulse nicht nur für den beruflichen Alltag zu vermitteln.

Paul Underberg begrüßt die Gäste
Paul Underberg, der Deniz Aytekin aufgrund seiner guten Kontakte für die Veranstaltung gewinnen konnte, begrüßte die Gäste und stellte den Referenten vor. Beide sind als erfolgreiche Unternehmer aus gemeinsamen Zeiten in der Fitnessbrache befreundet.
Entscheidungen beginnen lange vor dem Anpfiff
Deniz Aytekin, ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter, Unternehmer und gefragter Keynote-Speaker, wurde 2019, 2022, 2024 und erneut 2026 zum DFB-Schiedsrichter des Jahres gewählt. Wie kaum ein anderer steht er für klare Entscheidungen, moderne Führung und eine Kommunikation auf Augenhöhe.
In Schermbeck gewährte der 47-Jährige einen eindrucksvollen Blick hinter die Kulissen des Profifußballs. Er schilderte, wie er sich auf die besondere Atmosphäre eines Bundesliga- oder Länderspiels vorbereitete und welche Bedeutung feste Abläufe und mentale Routinen dabeihatten.
„Der besondere Moment des Einlaufens hat mir immer sehr viel Energie gegeben“, berichtete er. Solche wiederkehrenden Momente könnten dabei helfen, den Fokus zu schärfen und sich mental auf die bevorstehende Aufgabe einzustellen.

Gute Entscheidungen unter hohem Druck
Auf dem Spielfeld müssen innerhalb weniger Sekunden Entscheidungen getroffen werden, die von Spielern, Trainern sowie den Zuschauern im Stadion und vor den Fernsehgeräten unmittelbar bewertet werden. Aytekin machte deutlich, dass gute Entscheidungen unter Druck nicht dem Zufall überlassen werden dürfen. Sie entstehen durch Vorbereitung, Erfahrung und die Fähigkeit, auch unter hoher Belastung auf erlernte Handlungsmuster zurückzugreifen.
In diesem Zusammenhang erläuterte er auch das Phänomen der „Decision Fatigue“, also die zunehmende geistige Ermüdung durch eine Vielzahl aufeinanderfolgender Entscheidungen. Um selbst in solchen Situationen handlungsfähig zu bleiben, helfen automatisierte Entscheidungsabläufe und situationsabhängig angepasste Orientierungsmuster. Mit ihnen lassen sich komplexe Situationen schnell einordnen, ohne jedes einzelne Detail vollständig analysieren zu müssen.
„Wer alle Informationen wahrnehmen will, entscheidet nie“, brachte Aytekin diesen Gedanken auf den Punkt. Entscheidend sei es daher, relevante Signale von unwichtigen Einflüssen zu unterscheiden und zugleich offen für Veränderungen in der jeweiligen Situation zu bleiben.
Erfahrungen treffen auf Führungsforschung
Seine Erfahrungen aus dem Profifußball verknüpfte Aytekin immer wieder mit Erkenntnissen aus Psychologie und Führungsforschung. Gerade diese Verbindung aus persönlichen Erlebnissen, fundierten Ansätzen und anschaulichen Beispielen machte den Vortrag für das Publikum besonders greifbar.
Respekt entsteht nicht durch Lautstärke
Besonders deutlich wurden die Parallelen zwischen Fußballplatz und Führungsalltag beim Thema Kommunikation. Aytekin schilderte, warum Härte und Lautstärke allein nur selten zu echter Autorität führen. Wer eine Entscheidung lediglich verkünde, ohne sein Gegenüber wahrzunehmen, müsse mit Widerstand rechnen. Wer dagegen klar auftrete, nachvollziehbar kommuniziere und die Perspektive des anderen berücksichtige, erhöhe die Chance, dass auch eine unangenehme Entscheidung akzeptiert werde.
Empathie und Konsequenz seien dabei keine Gegensätze. Gute Führung bedeute vielmehr, eine klare Linie zu verfolgen und gleichzeitig respektvoll mit den Menschen umzugehen. Gerade in emotional aufgeladenen Situationen komme es auf Fingerspitzengefühl, Haltung und Glaubwürdigkeit an.
Psychologische Sicherheit stärkt Teams
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die psychologische Sicherheit innerhalb von Teams. Mitarbeiter müssten Probleme ansprechen, Fragen stellen und auf Fehler hinweisen können, ohne persönliche Nachteile oder eine Bloßstellung befürchten zu müssen. Nur in einem solchen Umfeld könnten Offenheit, Lernbereitschaft und gemeinsames Verantwortungsbewusstsein entstehen.
Für die anwesenden Unternehmer, Selbstständigen und Führungskräfte fasste Aytekin diesen Zusammenhang bewusst zugespitzt zusammen: „Gute Stimmung in Teams bringt mehr Umsatz.“
Gemeint war damit keine oberflächliche Harmonie. Vielmehr ging es um ein Arbeitsumfeld, in dem Vertrauen, Offenheit und gegenseitige Wertschätzung die Grundlage dafür schaffen, dass Menschen Verantwortung übernehmen und ihre Leistungsfähigkeit entfalten können.
Literaturempfehlung für schwierige Entscheidungen
Auch eine Literaturempfehlung gab Aytekin, der selbst mehrere Bücher veröffentlicht hat, seinem Publikum mit auf den Weg. Er verwies auf den japanischen Samurai und Strategen Miyamoto Musashi. Dessen Werk „Das Buch der fünf Ringe“ beschäftigt sich mit Strategie, Wahrnehmung, Haltung und der Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen den Überblick zu bewahren.

Erfahrungen aus dem Fußball für den Berufsalltag
Mit seinem Vortrag zeigte Deniz Aytekin, dass sich viele Erfahrungen aus dem Profifußball unmittelbar auf den beruflichen Alltag übertragen lassen. Gute Entscheidungen benötigen Vorbereitung, klare Kommunikation und den respektvollen Umgang mit den Menschen, die von ihnen betroffen sind.























