Mit der Inbetriebnahme des kalten Nahwärmenetzes im Neubaugebiet Spechort startet in Schermbeck ein zentrales Projekt der kommunalen Wärmewende. Entwickelt und umgesetzt wurde das System von den Gemeindewerken Schermbeck gemeinsam mit der GELSENWASSER AG, die auch Planung, Bau und Betrieb verantwortet.
Lange Entwicklungsphase hat sich ausgezahlt
Bei einem gemeinsamen Termin am 17. April würdigten Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft die Bedeutung des Projekts. Mit dabei waren unter anderem Bürgermeister Mike Rexforth, Hubert Große-Ruiken, VB-Vorstand Stephan Korte sowie weitere Vertreter der Gemeindewerke und der „Schermbecker Boden“.
Bürgermeister Mike Rexforth betonte die Tragweite des Vorhabens: „Mit dieser Inbetriebnahme setzen wir einen wichtigen Meilenstein für eine klimafreundliche und zukunftssichere Wärmeversorgung in unserer Gemeinde.“ Gleichzeitig verwies er auf die lange Entwicklungsphase: „Was lange währt, wird endlich gut.“
Ursprünglich sei geplant gewesen, die Energieversorgung stärker in kommunaler Hand zu halten. Die heutige Dimension des Projekts habe man zu Beginn noch nicht absehen können. Nun zeige sich, wie kommunale Wärmewende, technologische Innovation und Klimaschutz konkret vor Ort zusammenwirken.

Effiziente Technik überwiegend im Untergrund
Das System basiert auf oberflächennaher Geothermie. Rund 30 Erdwärmesonden reichen bis in eine Tiefe von etwa 176 Metern und erschließen ganzjährig relativ konstante Temperaturen im niedrigen einstelligen bis mittleren zweistelligen Bereich. Die Energie wird über ein unterirdisches Leitungsnetz im Quartier verteilt.
Die eigentliche Wärme- und Kälteerzeugung erfolgt dezentral in den Gebäuden über Wärmepumpen. Diese nutzen das niedrige Temperaturniveau des Netzes für Heizung, Warmwasser und im Sommer auch zur Kühlung.

Im Baugebiet fällt auf, dass es keine Schornsteine gibt. Statt klassischer Heizungsanlagen kommt moderne Gebäudetechnik zum Einsatz. Ein Großteil der Infrastruktur liegt unsichtbar im Boden. Durch das niedrige Temperaturniveau entstehen deutlich geringere Wärmeverluste als bei herkömmlichen Fernwärmesystemen, was die Effizienz erhöht.
Bei der Planung orientierte man sich unter anderem an einem vergleichbaren System im nahegelegenen Wulfen, das bereits seit den 1980er-Jahren betrieben wird. Eine zentrale Erkenntnis daraus lautet: Die Wirtschaftlichkeit hängt maßgeblich von einer hohen Anschlussquote ab.
Vor diesem Hintergrund entschied sich der Rat für eine verpflichtende Einbindung der Gebäude in das Wärmenetz. Individuelle Heizlösungen innerhalb des Baugebiets sind damit zugunsten eines stabilen und effizient betriebenen Gesamtsystems ausgeschlossen.
Großprojekt mit Perspektive für die Region
Das Nahwärmenetz versorgt künftig rund 49 Baugrundstücke mit etwa 80 Wohneinheiten. Ziel ist es, schnell eine hohe Anschlussrate zu erreichen. Entsprechend groß ist das Interesse an einer zügigen Bebauung.
Die Investitionskosten liegen bei über drei Millionen Euro, rund 40 Prozent davon wurden durch Fördermittel gedeckt. Eine besondere Herausforderung stellte die Genehmigung der Tiefenbohrungen dar, bei denen der Schutz des Grundwassers sichergestellt werden musste.

Auch die Projektpartner betonen die Bedeutung des Vorhabens. Aus dem laufenden Betrieb sollen wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden:„Mit dem erfolgreichen Start des Regelbetriebs zeigen wir, dass kalte Nahwärme auf Basis oberflächennaher Geothermie zuverlässig und effizient funktioniert“, erklärten die Geschäftsführer der Gemeindewerke Schermbeck. Gleichzeitig sei das Projekt eine wichtige Grundlage für zukünftige Quartierslösungen, sowohl in der eigenen Kommune als auch darüber hinaus.
Für die Eigentümer bedeutet das System eine Wärmeversorgung ohne klassische Heizkessel. Das reduziert Wartungsaufwand und erhöht den Komfort im Alltag.
Mit dem Projekt im Spechort übernimmt Schermbeck eine Vorreiterrolle und zeigt, dass die Wärmewende auch auf kommunaler Ebene konkret umgesetzt werden kann, effizient, klimafreundlich und langfristig tragfähig.























