Wer in den vergangenen Wochen zwischen Schermbeck und Raesfeld unterwegs war, hat sie vielleicht bemerkt: Mit Stift, Papier und viel Geduld saß Emily Flade (19) am Straßenrand. Im Auftrag vom Kreis Wesel führte die Schermbeckerin insgesamt sechs Zähltermine durch. Doch was ist der Sinn des Ganzen in Zeiten von KI und Verkehrssatelliten?
„Solche Verkehrszählungen sind ein wichtiges Instrument, um aktuelle Daten zum Verkehrsaufkommen zu gewinnen“, erklärt Emily. Nur mit diesen Zahlen lasse sich einschätzen, wie stark bestimmte Strecken genutzt werden. „So kann man erkennen, ob die vorhandene Infrastruktur ausreicht oder ob langfristig Maßnahmen wie Straßensanierungen, Radwegausbau oder Verkehrsberuhigungen erforderlich sind.“
Wie kommt man an diesen Job?
Auf die Idee, diesen Job zu machen, kam Emily durch ihre Schwester, die in der Kreisverwaltung arbeitet. Als kleiner Nebenverdienst passte die Aufgabe gut. Allerdings hatte sich die 19-Jährige den Ablauf etwas moderner vorgestellt. „Es ist doch oldschooler, als ich dachte“, gibt Emily zu. „Trotzdem macht es Spaß.“
Ihre Aufgabe: Verkehrszählung zwischen Raesfeld und Schermbeck. Akribisch erfasst Emily die Anzahl an Autos, Fahrrädern und Motorrädern. Sie schaut von ihrem Block hoch, als sich wieder ein Pkw auf der Landstraße nähert. Der Wagen rauscht vorbei – wieder ein Häkchen auf dem Block. Dabei gibt es verschiedene Kategorien. Je nachdem ob ein Trecker vorbeituckert, der Bus fährt oder eine Gruppe Fahrräder an Emily vorbeikommt, landet das Häkchen in einer anderen Box.
Verkehrszählung bleibt nicht unbemerkt
Ihre Verkehrszählung bleibt dabei nicht immer unbemerkt. Emily Flade erinnert sich an eine Begegnung während ihrer Zählung: „Ein Mann auf dem Fahrrad hielt kurz an und meinte, er finde es richtig gut, dass hier gezählt wird. Vehement forderte er ein Tempolimit. Mit den erlaubten Tempo 100 auf der Strecke würden die Radfahrer nämlich viel zu wenig beachtet. Er wünschte sich deshalb auch einen sicheren Radweg.“

Solche und andere Begegnungen haben Emily Flade nachdenklich gemacht. „Gerade auf den Verbindungen zwischen Raesfeld, Schermbeck und Dorsten ist es wichtig, die Entwicklung genau im Blick zu behalten, da hier unterschiedliche Verkehrsteilnehmer unterwegs sind“, sagt sie. Nach einigen Monaten mit dem Nebenjob ist Emily überzeugt: „Für die Sicherheit und eine vorausschauende Planung finde ich eine Verkehrszählung deshalb unverzichtbar.“























