Unter welchen Voraussetzungen würden Sie eine Neuverschuldung in Betracht ziehen? Welche Bereiche wären Ihnen in diesem Fall besonders wichtig und wie bewerten Sie die langfristigen Auswirkungen?
Vier Kandidaten treten zur Bürgermeisterwahl 2025 in Schermbeck an: Mike Rexforth (CDU), Dieter Michallek (SPD), Stefan Dürrbaum (BfB) und Manuel Schmidt (Die PARTEI).
In dieser Serie beantworten sie 30 identische Fragen – ungekürzt und im Originalton.
Täglich erscheint ein neuer Teil mit ihren Antworten.

Unter welchen Voraussetzungen würden Sie eine Neuverschuldung in Betracht ziehen. Welche Bereiche wären Ihnen in diesem Fall besonders wichtig und wie bewerten Sie die langfristigen Auswirkungen?
Mike Rexforth
Viele Kommunen in Deutschland haben es leider versäumt zur richtigen Zeit in ihre Infrastruktur zu investieren. Ich bin froh, dass wir hier in Schermbeck in den letzten Jahren massiv Abhilfe geschaffen haben, dies ohne nennenswerte Neuverschuldung. Wir sind damit vielen Kommunen einen großen Schritt voraus.
Nun steht allerdings der Neubau der Grundschule an was zwangsläufig eine Neuverschuldung auslöst. Ich rede hier aber bewusst von „guten“ Schulden, denn diese Schule wird über Jahrzehnte bestehen, vielleicht sogar mehr als 100 Jahre wie ihre Vorgängerin. Die finanziellen Lasten verteilen sich damit auch gerecht auf mehrere Generationen – denn unsere Kinder sind die Profiteure und damit unsere gesamte Gesellschaft! Wenn dafür kein Geld zur Verfügung stehen sollten, wäre dies ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft!
Dieter Michallek
Neuverschuldung kommt nur für zukunftsfähige Projekte infrage, die langfristig Nutzen bringen. Wenn Investitionen in Bildung, Infrastruktur oder Klimaschutz unseren Kindern helfen und die Gemeinde stärken, dann ist verantwortliche Verschuldung gerechtfertigt.
Bildung hat oberste Priorität – moderne Schulen und Kitas schaffen Chancen für alle Kinder. Eine attraktive Gemeinde mit guter Infrastruktur hält Familien hier und zieht neue an. Investitionen heute sichern Schermbecks Zukunft.
Starke Betriebe schaffen Arbeitsplätze vor Ort und stärken die Gemeindekasse. Durch bessere Gewerbeflächen, schnelles Internet und unbürokratische Abläufe unterstützen wir unsere Unternehmen. Erfolgreiche Betriebe bedeuten eine prosperierende Gemeinde für alle.
Kaputte Straßen und marode Gebäude schaden unserem Ansehen. Ich will den Sanierungsstau systematisch abbauen – Stück für Stück, aber kontinuierlich. Gute Infrastruktur ist die Basis für Lebensqualität und wirtschaftliche Entwicklung in Schermbeck.
Digitalisierung, erneuerbare Energien und moderne Kommunikationstechnik sind unsere Zukunft. Wer heute in diese Technologien investiert, macht Schermbeck fit für morgen. Intelligente Investitionen sichern Arbeitsplätze und schaffen neue Möglichkeiten für alle.
Manuel Schmidt
Neuverschuldung kommt für mich dann infrage, wenn’s um die echten Brocken geht: Schule, Lebensqualität für alle, Klimaschutz – nicht für die nächste Sanierung mit Goldkante oder romantischem Blick auf alten Klinker. Vielleicht noch für einen Sessellift zur Skihalle in Bottrop, für den Tourismus und so…
Aber wenn morgen wieder ein Trump, Putin, Merz oder irgendein anderer Eierkopf das Weltgeschehen kippt und Schermbeck plötzlich zum Krisenherd wird, brauchen wir Flexibilität und einen klaren Kompass und keine Angst vor roten Zahlen.
Klar: Schulden sind Mist, aber Stillstand ist schlimmer. Wer heute auf Nummer sicher geht, zahlt morgen doppelt – und am Ende steht die Gemeinde still, während die Welt sich weiterdreht.
Stefan Dürrbaum
Als Bürgermeister würde ich eine Neuverschuldung nur unter sehr strengen Voraussetzungen in Betracht ziehen, nämlich für außergewöhnliche und zukunftsweisende Investitionen, die anders nicht zu finanzieren sind.
Die wichtigsten Bedingungen wären:
• Unabdingbarkeit: Die Maßnahme muss absolut notwendig sein und es dürfen keine anderen Finanzierungsquellen zur Verfügung stehen.
• Langfristiger Mehrwert: Die Investition muss einen klaren und dauerhaften Nutzen für die Gemeinde bringen, der die Schuldenlast rechtfertigt.
• Wirtschaftliche Tragfähigkeit: Die Zins- und Tilgungsleistungen müssen langfristig aus den Einnahmen der Gemeinde gedeckt werden können, ohne andere Leistungen zu kürzen.
• Aufsichtsbehördliche Genehmigung und breiter Konsens: Eine Kreditaufnahme erfordert die Zustimmung der Kommunalaufsicht und sollte idealerweise von einem breiten politischen und bürgerschaftlichen Konsens getragen werden.
Prioritäten für eine Neuverschuldung
Sollte eine Neuverschuldung unvermeidlich sein, würde ich die Mittel vorrangig für Investitionen in folgenden Bereichen nutzen, die einen hohen strategischen und langfristigen Nutzen für Schermbeck versprechen:
• Zukunftsfähige Infrastruktur: Investitionen in Verkehrswege und die Daseinsvorsorge (Wasser, Abwasser, Energieeffizienz).
• Bildung und Betreuung: Modernisierung von Schulen, Schaffung neuer Betreuungsplätze und die Konzeption der neuen Grundschule als Bildungszentrum, das auch in den Abendstunden für die Erwachsenenbildung genutzt werden kann.
• Wirtschaftsförderung und Tourismus: Erschließung von Gewerbeflächen und Investitionen in touristische Leuchtturmprojekte, um Schermbecks Attraktivität und Einnahmen zu steigern.
Fazit: Neuverschuldung muss die absolute Ausnahme bleiben. Sie darf nur für Projekte eingesetzt werden, deren positiver Langzeiteffekt die finanzielle Belastung eindeutig überwiegt. Eine solide Finanzplanung und strikte Kostenkontrolle sind dabei immer die Grundpfeiler.
Zur besseren Übersicht sind die Antworten thematisch sortiert. Morgen auf Schermbeck-Online Frage 6: Welche Rolle messen Sie Fördermitteln von Land, Bund oder EU bei. In welchen Bereichen möchten Sie gezielt auf externe Finanzierung setzen und wo sehen Sie mögliche Grenzen
Hinweis der Redaktion: Die Reihenfolge der Antworten richtet sich nach der aktuellen Sitzverteilung im Gemeinderat und entspricht zugleich der späteren Reihenfolge auf dem Stimmzettel gemäß § 32 der Kommunalwahlordnung NRW























